Bonny Light Horseman: Neues Supertrio des Indie-Folk

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Bonny Light Horseman
In den US-Americana-Charts sind Bonny Light Horseman auf Platz 1 eingestiegen. (Foto: James Goodwin / DPA)
Deutsche Presse-Agentur
Werner Herpell

Bonny Light Horseman - der Bandname klingt zwar schonmal gut, sagt aber zunächst nicht viel aus. Bis man erfährt, wer dahintersteckt: eine Art Supergroup des Indie-Folk mit einer Menge prominenter Freunde und Förderer.

Am bekanntesten - spätestens seit den Verleihungen der jüngsten Tony- und Grammy-Preise in den USA - ist Anaïs Mitchell, eine Sängerin mit heller, kindlicher Stimme und Songwriterin par excellence. Für die in London und am New Yorker Broadway enorm erfolgreiche Bühnenmusical-Adaption ihres Albums „Hadestown“ (2010) räumte sie die genannten Preise gleich serienweise ab.

Dann wäre da noch Eric D. Johnson, Frontmann der langlebigen Indiepop-Band Fruit Bats, Mitstreiter bei Califone und The Shins. Auch sein nölig-nasaler, fast dylanesker Gesang ist nicht schön im herkömmlichen Sinne, aber markant und sehr eigenständig. Das Trio Bonny Light Horseman vervollständigt der Produzent und Multiinstrumentalist Josh Kaufman (The National, Josh Ritter, Craig Finn) an Gitarren und Keyboards.

Für ihr Debüt - ebenfalls „Bonny Light Horseman“ betitelt und sicher eine der herausragenden Platten dieses Winters - haben sich die drei Künstler zehn teils uralte Traditionals von den Britischen Inseln vorgenommen. Eine luftige, kristallklare Produktion und die unverkrampft moderne Interpretation von Liedern wie „Deep In Love“, „Magpie's Nest“, „Blackwaterside“ oder „10.000 Miles“ stellen sicher, dass diese Musik nie nach muffiger Folk-Kaschemme klingt.

Die Gäste tun ein Übriges, um diese Platte weit über normale Indie-Folk-Standards hinauszuheben: Aaron Dessner (The National), Justin Vernon (Bon Iver), Kate Stables (This Is A Kit), Andrew Barr (The Barr Brothers) und Lisa Hannigan singen und spielen mit, M.C. Taylor (Hiss Golden Messenger) schrieb die sehr guten Liner Notes. Das Album erscheint auf dem Label 37d03d des Peoplefest-Kollektivs mit Verbindungen nach Berlin. Und das Pferdekopf-Cover ist einfach wunderhübsch.

Ein perfektes Album für die Jahresbestenlisten also schon im Januar. Und schön, dass Mitchell trotz des Erfolgsstresses der vergangenen Jahre Zeit gefunden hat für dieses Herzensprojekt.

„Ich hatte das Gefühl, dass Bonny Light Horseman das Einzige war, wofür ich noch kreative Energie aufbringen konnte nach den Jahren, in denen ich total vereinnahmt war von 'Hadestown' in London und am Broadway. Josh und ich fanden heraus, dass wir eine Leidenschaft für die traditionelle Musik der British Isles teilen, und haben angefangen, damit ein bisschen herumzuspielen.“

Ein Fan von Johnsons Band Fruit Bats sei sie ohnehin gewesen. „So that’s how it started!“, sagte Mitchell dem US-Magazin „Paste“. Danke dafür.

Website Bonny Light Horseman

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