Bodensee Business Forum 2022: Wie Deutschland den Dialog mit China führen sollte

 Annette Schavan stellt beim Bodensee Business Forum klar, wie wichtig in den kommenden Jahren der Dialog mit China ist.
Annette Schavan stellt beim Bodensee Business Forum klar, wie wichtig in den kommenden Jahren der Dialog mit China ist. (Foto: grafietrautmann)
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China ist einer der wichtigsten wirtschaftlichen Handelspartner Deutschlands. Gleichzeitig sind die Fronten zwischen den beiden Ländern in vielen politischen Fragen verhärtet. Aus westlichem Blickwinkel verstößt China immer wieder gegen Menschenrechte, hat beim Klimaschutz oftmals andere Ansichten als Europa und steht beim Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine auf der Seite Russlands.

Wie soll Deutschland mit einem seiner wichtigsten wirtschaftlichen Partner künftig umgehen? Wie kann man den Dialog mit China aufrechterhalten?

Dialog mit China wichtig

Diese Fragen haben sich China-Experten im Rahmen des Bodensee Business Forums in Friedrichshafen gestellt. „Ich bin froh, dass die Frage nicht lautet, ob wir überhaupt einen Dialog mit China führen sollten“, sagt Christine Zhang-Lippert, seit 2018 selbstständige Beraterin für deutsch-chinesische Zusammenarbeit. „Wir müssen den Dialog mit Offenheit, Achtung und beidseitigem Nutzen angehen.“

Zwar hat Zhang-Lippert nicht die eine Lösung parat, wie Deutschland die moralischen Differenzen – gerade bei Menschenrechtsverletzungen – überwinden kann. „Aber mit Dialog nähern wir uns an. Ich bin mir sicher, dass Chinas Regierung sich weiter öffnet. Das wird aber Geduld brauchen“, sagt sie.

Mehr Wissen über China gefordert

Auch die ehemalige Generalkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Shanghai, Christine Althauser, ist sich sicher, dass der Dialog mit China weitergeführt werden muss. Aus ihrer Sicht ist aber auch Deutschland verpflichtet, seine Hausaufgaben zu machen. „Es fehlt oft an Vernetzung und Austausch“, erklärt sie.

Außerdem wüssten die meisten Europäer viel zu wenig über die chinesische Innenpolitik, Kultur und Geschichte. Das sieht auch Annette Schavan so, Vorsitzende des Deutsch-Chinesisches Dialogforums: „China bekommt genau mit, was in Europa passiert. Wir müssen aufpassen, dass nicht schon in wenigen Jahren, mehr junge Chinesen als Europäer Goethe kennen.“ Bei einem Dialog könne Deutschland keine politischen Ziele formulieren, „ohne die Kultur und Geschichte des Gegenübers zu kennen.“

Menschenrechte kein Hindernis für Dialog

Trotzdem habe sich die „Menschenrechtssituation in den vergangenen Jahren in China verschlechtert“, sagt Gerd Leipold, ehemaliger Vorsitzender von Greenpeace International. Das mache den Dialog aber nicht weniger wichtig. „Im Gegenteil: Wir haben auch viele gemeinsame Interessen“, betont Leipold.

 Christine Althauser ist sich sicher, dass auch Deutschland mehr über China wissen muss, um einem Dialog auf Augenhöhe zu begegn
Christine Althauser ist sich sicher, dass auch Deutschland mehr über China wissen muss, um einem Dialog auf Augenhöhe zu begegnen. (Foto: grafietrautmann)

Eine alternde Gesellschaft oder der Klimawandel seien Probleme, die beide Ländern nur gemeinsam angehen könnten. Annette Schavan pflichtet Leipold bei: „Wir brauchen China für den Klimaschutz. Wir brauchen einander, um die Probleme auf der Welt zu lösen.“

Wirtschaft begrüßt Dialog

Viele deutsche Unternehmen würden einen intensiveren Dialog mit China begrüßen, meint Lutz Berners. Er berät Firmen, die mit China kooperieren. Berners erklärt beim Bodensee Business Forum: „Viele, gerade mittelständische Unternehmen sind zu 100 Prozent abhängig von chinesischen Rohstoffen. Wir müssen den Dialog mit den Konzernen verstärken.“

Es fehlt bei den Lieferketten an Diversität und Alternativen. 

Lutz Berners

China habe in vielen Märkten eine Monopolstellung. „Es fehlt bei den Lieferketten an Diversität und Alternativen“, sagt Berners. Deswegen sei aus wirtschaftlicher Sicht ein intensiver Austausch wichtig.

„Wir müssen selbstbewusst in den Dialog mit China treten und dürfen trotzdem nicht aufhören, Menschenrechtsthemen anzusprechen“, sagt Schavan abschließend. Dann könnten die verhärteten Fronten wieder aufweichen.

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