Bock der Woche: Illegale Kleidersammler

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Der Face-Bock der Woche. (Foto: ick)
Schwäbische Zeitung

Es ist mehr als dreist: Organisationen, die so tun, als würden sie für einen wohltätigen Zweck Altkleider sammeln, obwohl es Ihnen eigentlich nur ums Geld geht. In Ehingen sind uns diese Woche Altkleidercontainer aufgefallen, auf denen ein Kinderwagen-Symbolbild klebt. Babynothilfe steht darauf. Dabei steht dahinter ein gewerblicher Sammler, der wahrscheinlich alles macht mit dem Geld, aber es nicht an notleidende Familien zu schenken.

Damit haben die dreisten Kleidersammler den Bock der Woche geschossen.

Aber es geht noch weiter: Firmen, die uns gelbe, hässliche Eimer in den Vorgarten knallen und uns suggerieren Schuhe für die notleidende Menschheit zu sammeln. Dabei verhökern sie die von uns abgetragenen Kleider an den nächstbesten und wahrscheinlich schwarz arbeitenden Unterhändler. Und noch schlimmer: Sie machen den gewerblichen Sammlern, die ihre Brötchen ehrlich mit der Kleidersammlerei verdienen und Arbeitsplätze schaffen das Geschäft kaputt.

Ok, sind wir mal ehrlich: Wer alte Klamotten aussortiert, ist einfach nur froh, das Zeug aus dem Schrank zu haben. Einkaufen macht einfach keinen Spaß, wenn man sich nicht selbst vormachen kann, dass man nichts zum Anziehen hat (gell, Mädels?:) Aber niemand will die Kleidermafia unterstützen, die unseren einst geliebten Pullover über den Schwarzmarkt nach Afrika schleust, vorbei an legal Arbeitenden Sortierfirmen, die eben bestimmte Preise bezahlen müssen, um ihre Mitarbeiter zu bezahlen.

Nein, wir wollen mit unseren Kleiderspenden etwas Gutes tun, und keine Firmen aus der Region ihren Ertrag wegnehmen, indem wir sie dubiosen Kleiderhändlern mit Sitz irgendwo am A. der Welt in den Rachen werfen.

Wer mit seinen Kleidern wirklich etwas Gutes tun will, der sollte sie in die Tonnen der Aktion Hoffnung oder (fast noch besser) des DRK werfen. Denn da verschwinden die guten Teile nicht im Nirwana des globalen Textilkreislaufs, sondern werden an Obdachlose in Ulm oder in die Kleiderkammer in Ehingen bei Roswitha Till abgegeben. Und unser geliebter Pulli wird nicht zur Ware, sondern zum Geschenk, an jemanden, der sich darüber freut. Und darum geht es doch eigentlich beim Kleiderspenden. (ick)

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