„Bluesette“ versprüht bezauberndes Flair

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Katharina Widmer (Violine), Christian Brinkschmidt (Kontrabass) und Frank Eisele am Akkordeon begeisterten als "Bluesette" in de (Foto: Kurt Zieger)
Schwäbische Zeitung
Kurt Zieger

Hinter der Bezeichnung „Bluesette“ verbirgt sich ein bestens aufeinander eingespieltes Terzett mit Geige, Akkordeon und Kontrabass aus dem Raum Stuttgart, das durch die Vielfalt der vorgestellten Musikstile das Publikum in selige Melodienvielfalt einband. Durch den Wechsel von sensiblem und temperamentvollem Musizieren fanden Katharina Wibmer (Violine), Frank Eisele (Akkordeon) und Christian Brinkschmidt am Kontrabass die uneingeschränkte Resonanz zu den Zuhörern in den proppenvollen Wimsener Mühle.

Ein charmanter französischer Musettewalzer stellte den ersten Zugang zum bunten Kaleidoskop der Musikrichtungen dar, gefolgt von feurigen Klängen aus der ungarischen Puszta. Damit deuteten die drei Akteure die Bandbreite ihres Repertoires an. Ob Musette, Tango oder Czardas, Klänge dieser Art zumeist aus den 20er- und 30er-Jahren gingen ins Blut und versetzten manche Zuhörerbeine in schwingende und wippende Bewegungen. Mit einer „himmelblauen Serenade“ in exaktem Rumbastil sollten die Zuhörer, so Moderatorin Katharina Wibmer, entspannt von Italien träumen. Dazu trugen hüpfende Phasen bei, in denen das Akkordeon die Melodie übernahm und die Violine durch delikate Pizzikatopassagen stimmungsvolle Augenblicke zu zaubern vermochte. Schwungvolle Jazzklänge aus der Sinti-Szene offenbarten eine ganz andere mitreißende Stilrichtung, geprägt durch bewundernswerte Virtuosität aller drei Instrumentalisten. Auch der bestens artikulierte Tango, in seiner typischen Ausdrucksform aus Argentinien stammend, gehörte zur vorgestellten Vielfalt.

Bei aller Vielfalt der vorgestellten Musikstile entlockte Katharina Wibmer ihrer Geige fordernde, hell strahlende aber auch bluesartig dunkel gefärbte Passagen. Die musikalische Leidenschaft der Solistin, ausgedrückt in rhythmischer Präzision und federleichten virtuosen Höhenflügen, spiegelte sich leicht ablesbar in ihren Gesichtszügen wider. Frank Eisele unterstrich die Sprache seines Akkordeons mit seiner Körpersprache. Beachtenswerte Behändigkeit in flotten professionellen Sequenzen auf seinem Instrument zeigten die Reife des Künstlers. Unspektakulär, doch unverzichtbar, voll innerer Vibration und musikalischem Gespür für absolut saubere Zupfpartien vervollkommnete Christian Brinkschmidt am Kontrabass das sympathische Terzett.

Frankreich, Italien und Argentinien sind im Reich der leichten Muse wesentlich bekannter als rumänische Folklore aus der Welt der Romas. Doch auch diese heiter-bezaubernden Klänge in der Präsentation von „Bluesette“ luden in Melodie und Rhythmus zum Tanzen ein. Dies umso mehr, als die Wurzeln aller drei Instrumentalisten aus dem Osten Europas stammen. Dezente Lichtspielereien passten zu stimmungsvollen Klängen, die durch ihre Vielfalt und die räumliche Nähe zu den Interpreten zum Träumen einluden. „Bluesette“ lebt seine Musik, gestaltet sie mit Herzblut, bezaubert seine Zuhörer durch spürbare Wärme und Virtuosität in einer fantastischen Show, bei der Notenblätter lästig und hinderlich wären. Eigene Arrangements, wie etwa beim spektakulären Hummelflug, bei der heimlichen Anbetung von Mädchen aus Mazedonien, die schöner sind als ein Blumenstrauß, bei einem melodiegeprägten Tango aus Portugal oder einem schwungvollen Walzer aus Finnland zeigten die Meisterschaft von „Bluesette“ begeistert gefeiert vom Publikum. Als Kooperationskonzert zwischen dem Förderkreis Wimsener Mühle und den Musikfestwochen Donau-Oberschwaben erlebten die Zuhörer einen beschwingten sorgenfreien Abend.

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