Bissige Witze in der Krise bei „Mainz bleibt Mainz“

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Deutsche Presse-Agentur

In Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise haben zumindest Witze über den rasanten Abschwung Konjunktur. Das gilt speziell für die närrische „fünfte Jahreszeit“.

Und so kommt auch die Fernseh-Fastnachtssitzung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ um das alles beherrschende Thema nicht herum. „Früher haben sie Aktien gezeichnet, jetzt haben die Aktien sie gezeichnet“, resümiert der „Bote vom Bundestag“ alias Jürgen Dietz an das Publikum gewandt. Dass einige Banker nun auf ihren Bonuszahlungen bestehen, lässt aber auch ihm das Lachen vergehen. „Seit wann werden Brandstifter von der Feuerwehr bezahlt?“

Am Mittwochabend probten die Akteure im Kurfürstlichen Schloss in Mainz für die wohl bekannteste deutsche Fastnachts-Sendung, die an diesem Freitag (20.15 Uhr) live in der ARD zu sehen ist. Dabei setzen die Karnevalsvereine und die Verantwortlichen des Senders auch bei der 54. Auflage auf die bewährte Mischung aus politischer Satire, ein Markenzeichen der Mainzer Fastnacht, und spaßigen Kokolores- Vorträgen.

Selbst ohne Finanzkrise dürfte den närrischen Rednern der Stoff für kernige Sprüche und bissigen Spott wohl nie ausgehen, zu viele Vorlagen hat ihnen allein die Politik geliefert. „Die SPD hat ja bald mehr ehemalige Vorsitzende als Mitglieder“, stellt Sitzungspräsident Hans-Peter Betz in der Figur des „Guddi Gutenberg“ fest, die dem berühmten Mainzer Buchdrucker nachgeahmt ist. „Beck to the Roots“ kommentiert „Der Bote vom Bundestag“ den Rücktritt von Kurt Beck als SPD-Chef, zeigt dafür aber Verständnis. „Warum sollte er an der SPD- eigenen Arche Noah noch mitarbeiten, wenn er genau weiß, dass er nicht mitgenommen wird?“

Der plötzliche Rückzug von Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU), „der Teilchenbeschleuniger vom Schwarzen Loch“, ist ebenfalls ein gefundenes Fressen. „Eigentlich hätte der Glos gar nicht aufhören können, er hat doch gar nicht so richtig angefangen“, bemerkt der „Bote vom Bundestag“ in seiner gewohnt süffisanten Art. Wer die SPD- Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, Gesine Schwan, noch nicht kennt, für den hat er auch noch einen Tipp parat. „Das ist die, die mit großer Würde die alte Frisur von Rudi Völler aufträgt.“

Sogar die Weltpolitik schafft es auf die Bühne im Kurfürstlichen Schloss in Mainz, und zwar in der Person von US-Präsident Barack Obama. Helmut Schlösser ahmt bei seinem Vortrag im Stile einer „Rede an die Nation“ in verblüffender Weise Gestus und Tonfall des prominenten Vorbildes nach. Sogar in den Niederungen der bayerischen Landespolitik kennt sich der US-Präsident bestens aus. Der tiefe Fall der CSU von gut 60 auf 43 Prozent der Wählerstimmen? „Von so einem Absturz träumt die SPD.“

Emotionaler Höhepunkt der Sitzung - zumindest für die Mainzer Seele - ist der Auftritt der Fastnachtsikone Margit Sponheimer (66, „Gell, Du hast mich gelle gern“), die sich eigentlich schon als Aktive verabschiedet hatte. Ihr Comeback hat einen Grund: In diesem Jahr wäre der „singende Mainzer Dachdecker“ Ernst Neger 100 geworden. Gemeinsam mit Enkel Thomas Neger singt Sponheimer ihm zu Ehren noch einmal seine größten Hits wie „Rucki Zucki“ oder „Heile, heile Gänsje“.

Auf Heilung dürfte auch die Wirtschaft angesichts der momentanen Lage hoffen. Doch „Guddi Gutenberg“ ist vor den kommenden Monaten eigentlich nicht bange. „Wenn mich die Krise genau so trifft, wie der Aufschwung 2008 bei mir angekommen ist, wird es ein wunderbares Jahr.“

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