Bis zum Ende des Bahnhofsstreits werden noch Jahre vergehen

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Redaktionsleiter

Wie lange dauert es denn noch, bis den Bahnhofsstreit entschieden ist?

Das kann heute niemand sagen. Wer etwas anderes behauptet, lügt oder unterschlägt wichtige Fakten. Richtig ist, dass die Bahn AG einen Vertrag unterschrieben hat, in dem sie zusichert, dass bis 2015 die Bahnstrecke München-Lindau elektrifiziert ist. In diesem Vertrag ist enthalten, dass bis dahin der Reutiner Bahnhof fertig sein soll. Bevor die Bahn AG aber den Reutiner Bahnhof bauen kann, braucht sie einen rechtskräftigen Planfeststellungsbeschluss. Den bekomt die Bahn nur, wenn sie ein aufwendiges Verfahren durchläuft.

Dieses Verfahren ist bereits angelaufen, liegt seit mehr als fünf Jahren aber auf Eis. Warum, das wissen nur die Bahnmanager selbst – wenn es überhaupt jemand weiß. Nun diskutieren die Fachleute, ob die DB AG das alte Verfahren wieder aufnehmen kann. Derzeit scheinen Eisenbahnbundesamt und Regierung von Schwaben aber geneigt, das Verfahren ganz neu aufzunehmen. Denn die bisherigen Pläne sind veraltet. Lärmschutzmauern, Unterführung und Inselanbindung müssen wohl berücksichtigt werden.

Wie lange die Bahner brauchen, um die Pläne für das Verfahren auf Vordermann zu bringen, kann man nicht sagen. Wenn sie schnell sind, könnte es sicher noch in diesem Jahr zu einer erneuten Auslegung kommen. Dann darf sich wieder jeder Lindauer die Pläne anschauen und Einspruch einlegen, wenn ihm etwas nicht gefällt. Das gleiche machen Stadtrat und eine Vielzahl von Behörden. Drei Monate nach Ablauf der Auslegungszeit kommt es wie vor fünf Jahren zu einem Erörterungstermin.

Wenn die Bahn AG sich in entscheidenden Fragen vorab mit der Stadt geeinigt haben sollte, wäre eine große Hürde beiseite geräumt. In diesem Verfahren hat es die Bahn aber nicht nur mit der Stadt zu tun, sondern auch mit einer Vielzahl betroffener Bürger. So herrscht unter Anwohnern am Aeschacher Ufer schon länger Uneinigkeit: Einige freuen sich auf den Lärmschutz, andere fürchten die meterhohe Mauer und haben bereits angekündigt, alles tun wollen, um diese auf dem Gerichtsweg zu verhindern. Auch auf der Insel gibt es Bürger, die klagen wollen, wenn die Inselanbindung nicht in ihrem Sinne erhalten bleibt.

Also kann die Bahn AG keineswegs sicher sein, dass sie gleich mit dem Bau des Reutiner Bahnhofes beginnen kann, sogar wenn das Eisenbahnbundesamt schnell einen Planfeststellungsbeschluss für den Festlandbahnhof erlassen sollte.

Noch weiter in den Sternen steht, wann die Bahn denn den Inselbahnhof aufgeben kann. Denn für die Stillegung von Schienen ist ein weiteres Verfahren notwendig, das ebenfalls seine Zeit brauchen wird.

Aus all diesen Gründen scheint es derzeit sehr zweifelhaft, dass die Bahn die Zielvorgabe 2015 für Fertigstellung des Reutiner Bahnhofes und Freigabe des Inselbahnhofes wirklich einhalten kann.

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