Biogas: Betreibern fehlt’s oft an Wissen

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Schwäbische Zeitung

Nur knapp hat die Feuerwehr gestern Morgen bei Grundsheim die Explosion einer Biogasanlage verhindert. Die Anlagen stehen in der Kritik – nicht erst, seit einem Brand bei Ringingen oder gar der Havarie einer Anlage in Daugendorf heute auf den Tag genau vor zwei Jahren. Unsachgemäßer Umgang ist dabei der Hauptrisikofaktor.

Von unserem RedakteurJan Peter Steppat

17. Dezember 2007: In Daugendorf bei Riedlingen havariert die größte Biogasanlage Deutschlands. Der Schaden geht in die Millionen. Falsche Schrauben stellen sich hinterher als Explosionsgrund heraus.

29. Januar 2008: In Burgrieden bei Laupheim geht eine 2,3 Millionen teure Biogasanlage in Betrieb. 20 Landwirte haben sich als Gesellschafter zusammengeschlossen, auch Erdgas Südwest ist mit im Boot. Die Anlage genießt im Raum Laupheim bis heute einen guten Ruf.

11. November 2009: Mit großer Mehrheit spricht sich der Ortschaftsrat Herbertshofen gegen den Bau einer Anlage in Ortsnähe aus. Seither brodelt es im Dorf.

13. November 2009: Bei einer Verpuffung in einer Biogasanlage entsteht 80 000 Euro Sachschaden.

5. Dezember 2009: Die Stadt Munderkingen lässt prüfen, ob das Munderkinger Schulzentrum mit Energie aus einer Biogasanlage im Ried beheizt werden kann.

Diese fünf Beispiele und der gestrige Brand zeigen den Trend, Gefahr und Zwickmühle zugleich: Immer mehr Biogasanlagen entstehen auch in der Region: 38 gibt es nach heutigem Stand der Dinge im Alb-Donau-Kreis. Bis auf fünf sind alle seit 2003 entstanden. Zehn weitere Anlagen sind im Bau oder in Planung. Ein Trend, der anhält. Erstens, weil Biogas zu den verlässlichst produzierenden regenerativen Energiearten zählt. Und zweitens, weil viele Landwirte vor dem Hintergrund sinkender Erlöse etwa in der Milchwirtschaft und garantierter Einspeisevergütungen für die Biogas-Energieproduktion umgesattelt haben.

Doch genau hier liegt die Gefahr: „Die Unfälle zeigen, dass bei Anlagen, die von Landwirten betrieben werden, das Risiko größer ist als bei anderen Betreibern“, sagt Helmut Reichelt, stellvertretender Fachdienstleiter Umwelt- und Arbeitsschutz im Landratsamt. Konkret: Landwirte sind nicht immer so gut geschult, dass sie die Anlagen sachgemäß betreiben können. Mit zum Teil haarsträubenden Auswüchsen: „Ein Kollege erzählte mir, dass ein Betreiber mit einer Zigarette bei seiner Anlage herumlief.“

Dazu kommt die Eile vieler Bauherren: Eile deshalb, weil die gesetzlich garantierte Einspeisevergütung mit jedem Jahreswechsel sinkt. „Da kann es vorkommen, dass die Anlagen in Betrieb gehen, bevor sie abgenommen werden“, so Reichelt. Unbemerkt von allen Kontrolleuren. „Denn die Zahl der Sachverständigen konnte gar nicht so schnell wachsen wie der explosionsartige Anstieg der Biogasanlagen.“

„Führerschein“ ist Ansatz

Werden die strengen Voraussetzungen für Baugenehmigungen, Start und Inbetriebnahme der Anlagen eingehalten, halten Fachleute das Risiko der Anlagen für begrenzt. „Die Anlagen sind grundsätzlich sicher, wenn die Vorschriften eingehalten werden“, sagt etwa Munderkingens Feuerwehrchef Kurt Hagel. Vor diesem Hintergrund hält Helmut Reichelt eine Art „Führerschein“ für die Betreiber von Biogasanlagen für einen richtigen Ansatz: „Das ist ein Gedanke, den die Politik aufnehmen müsste. Raum Munderkingen

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