Besser fürs Gehirn: Zappeln statt stillsitzen

Lesedauer: 3 Min
Deutsche Presse-Agentur

Je länger ein Schüler still sitzt, desto unaufmerksamer wird er. Unruhiges Sitzen dagegen kurbelt die Sauerstoffversorgung an - und das wirkt sich auch auf die Konzentration aus.

„Lass den Philipp doch mal zappeln“, lautet daher der Appell von Dieter Breithecker von der Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung in Wiesbaden an Eltern und Lehrer.

Gemeinsam mit Forschern von der Universität Saarbrücken hat Breithecker untersucht, wie sich nach vorn, hinten und zur Seite bewegliche Sitzflächen auf den Körper von Jugendlichen auswirken. Dazu maßen sie mit einer Wärmebildkamera die Oberkörperdurchblutung und verglichen die Werte mit einer im Schulunterricht stillsitzenden Kontrollgruppe. Heraus kam, dass die inneren Organe und vor allem der Halsbereich der zappelnden Schüler wesentlich stärker durchblutet war.

„Bei einem traditionellen Stuhl sackt der Körper irgendwann zusammen“, sagt der Experte. „Der Rücken wird rund, die Schultern fallen nach vorn, Bauch und Lunge werden zusammengepresst.“ Der Sitzende gebe damit aber nicht nur seine äußere, sondern auch seine innere Haltung auf. Denn in der Folge atmet er weniger tief, und weniger Sauerstoff gelangt in sein Blut. Das wirkt sich auf das Gehirndurchblutung aus: Die Aufmerksamkeit lässt nach, die Gedanken schweifen ebenso wie der Blick ab.

Kinder kompensieren dies laut Breithecker oft, in dem sie mit dem Stuhl kippeln oder auf dem Sitz hin- und herrutschen - also unbewusst das tun, was oft mit dem Begriff „Zappelphilipp“ umschreiben wird. Stehende Erwachsene bewegten sich aus ähnlichen Gründen oft ebenfalls ähnlich unbewusst. „Und das ist auch im Sitzen wichtig.“

Anhand der Messergebnisse lässt sich Breithecker zufolge eine ganze Wirkungskette erstellen: „Das 'unruhige', dynamische Sitzen löst mehr Muskelkontraktionen aus, das wiederum fördert die Durchblutung und bringt damit mehr Sauerstoff ins Hirn - der Schüler ist wacher und seine Konzentration höher.“

Bundesarbeitsgemeinschaft für Haltungs- und Bewegungsförderung: www.haltungundbewegung.de

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen