Berliner Mauer zermürbt Bayern

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Deutsche Presse-Agentur

Andrej Woronin hat Hertha BSC nach 867 Tagen wieder an die Tabellenspitze der Fußball-Bundesliga geschossen und bei Bayern-Trainer Jürgen Klinsmann das nächste Entsetzen ausgelöst. Ein Doppelpack des Ukrainers brachte dem Hauptstadtclub einen 2:1 (1:0)-Sieg über den FCB.

Durch Woronins Treffer (38./77. Minute) triumphierten die Berliner am 20. Spieltag zum ersten Mal seit 2001 wieder gegen den deutschen Rekordmeister aus München. Auf dem Platz an der Sonne hatte Hertha zuletzt im Oktober 2006 gestanden. „Wir laufen, wir kämpfen, wir haben eine Einheit“, nannte Hertha-Coach Lucien Favre die entscheidenden Faktoren, die sein Team trotz großer Personalnot nun zum Tabellenführer gemacht haben. Die Berliner feierten damit schon den achten Heimsieg in Serie.

Für den FC Bayern, der in der Rückrunde schon das zweite Spiel verlor, traf vor 74 244 Zuschauern im ausverkauftem Berliner Olympiastadion nur Miroslav Klose zum zwischenzeitlichen Ausgleich (61.). Seine Spieler hätten „in den entscheidenden Momenten die falsche Entscheidung getroffen“, analysierte Klinsmann die Partie. Am klaren Ziel aber will der Bayern-Coach auch nach dem zweiten Ausrutscher des Jahres keinerlei Abstriche zulassen: „Jetzt müssen wir es eben nochmals etwas aufschieben um ein paar Tage, bis wir Tabellenführer sind.“

Klinsmann hatte bei seiner ersten Rückkehr nach Berlin seit dem triumphalen WM-Viertelfinale gegen Argentinien seine Stammelf wieder auf den Rasen geschickt, nur der gesperrte Massimo Oddo fehlte. Schon nach einer guten halben Stunde allerdings musste Italien-Torjäger Luca Toni mit Sprunggelenks-Verletzung vom Feld - für ihn kam der Amerikaner Landon Donovan. Lukas Podolski hatte gar nicht mit nach Berlin fahren dürfen. Trotz klarer Feldüberlegenheit vermochten es die Gäste in den ersten 45 Minuten nicht, eine brauchbare Chance herauszuspielen.

Die Berliner überzeugten auch ohne sieben verletzte Spieler - am Vortag der Partie hatte auch noch Top-Torjäger Marko Pantelic passen müssen - und ohne den gesperrten Cicero mit einer taktischen Meister-Leistung. Immer wieder stellten vor allem die nach Verletzungen zurückgekommenen Pal Dardai und Arne Friedrich sowie der starke Josip Simunic die Räume zu. Dazu spielte Marc Stein im Verbund mit Patrick Ebert geschickt gegen Franck Ribery. Und die linke Seite machte der Brasilianer Rodnei dicht. Der war schon im Sommer vergangenen Jahres für 200 000 Euro aus Bialystok geholt worden, durfte aber vor dem Bayern-Spiel noch keine einzige Bundesliga-Minute ran.

Die Taktik von Hertha-Coach Lucien Favre ging voll auf. Berlin agierte äußerst diszipliniert mit viel Laufbereitschaft. „Es ist unsere große Stärke. Jeder weiß, was zu tun ist, wenn er reinkommt“, betonte Hertha-Manager Dieter Hoeneß und sprach von einem „verdienten, wenn am Ende auch etwas glücklichen Sieg“. Ze Roberto rettete auf der Linie (30.) gegen Dardai, der beim letzten Hertha-Sieg gegen die Münchner im Dezember 2001 das 2:1 erzielt hatte. 2631 Tage nach jenem Dardai-Treffer köpfte dann Liverpool-Leihgabe Woronin einen weiten Flugball von Ebert - unbehindert von Christian Lell und dem nicht herauslaufenden Torhüter Michael Rensing - zum 1:0 ein. Für Woronin war es Saisontor Nummer fünf.

Auch nach der Pause das gleiche Bild: Bayern rannte an - Hertha setzte immer mutiger Nadelstiche dagegen. Klinsmann erhöhte mit der Einwechslung von Mittelfeldmann Tim Borowski für Verteidiger Lell den Druck. Einen Kopfball von Donovan holte Berlins überragender Keeper Jaroslav Drobny reaktionsschnell aus dem Eck (54.). Auch gegen Lucio und Bastian Schweinsteiger parierte der Tscheche noch sensationell, den dritten Versuch setzte Klose zu seinem neunten Saisontor ins Netz.

Beide Teams wollten danach mehr. Raffael schoss aus bester Position drüber (65.). Schweinsteiger und Donovan scheiterten an Drobny (68./71.). Dann schickte Raffael Woronin schön in die Gasse, der Ukrainer schob ein.

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