Berge in allen Facetten

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 Der Künstler Willi Siber, Brigitte Waltl-Jensen vom Kinderhospiz in Bad Grönenbach, Hausherr Thomas Knoll sowie die Künstler To
Der Künstler Willi Siber, Brigitte Waltl-Jensen vom Kinderhospiz in Bad Grönenbach, Hausherr Thomas Knoll sowie die Künstler Torben Giehler, Felix Rehfeld (von links) in der Galerie in Oberhöfen. (Foto: Günter Vogel)
Günter Vogel

Der Begriff „Berge mit Mehr“ ist mehr als nur der Titel der aktuellen Ausstellung, führte auch Thomas Knoll in seiner Begrüßung zur Vernissage in Oberhöfen aus. Es geht hier um eine Initiative von Bergfreunden, um auf der Basis der Formel Cent pro Höhenmeter Spenden für das Kinderhospiz St. Nikolaus in Bad Grönenbach zu sammeln. Im Frühjahr diesen Jahres kamen bei entsprechenden Reisen in den Kaukasus und nach Südamerika mehr als 45 000 Euro zusammen.

Knoll stellte die Künstler einzeln vor: Felix Rehfelds Projekt „1000 Berge“ war der Ausgangspunkt für diese Ausstellung. 400 kleine Arbeiten aus dieser Serie hängen derzeit in Oberhöfen. Bei jedem dieser Werke handelt es sich um ein gerahmtes Unikat in Öl auf ein Faserplatte. Knoll sagte dazu: „Das ist Malerei auf die Spitze getrieben. Nicht nur im kleinen Format, auch vor allem im Detailgrad der Ausführung, im minutiösen Licht und eben auch in der Präsentation. Auch die kleinen, händisch gebauten Rahmen sind hier wichtig.“ Es sind auch einige großformatige Leinwandarbeiten mit Bergansichten ausgestellt. Der Habicht (Stubai) und die Zugspitze sind zu sehen. Rehfeld vereint in seinen Bildern pastosen Farbauftrag und feinmalerische Präzision.

Der Künstler hat zehn Serien zu je 100 Bildern im Kleinformat gemalt. Er betrachtet den Berg als eine Skulptur der Natur, die für ihn übergeordnete thematische Bedeutung erlangt hat. Rehfeld erklärt: „Kleine Berge sind weiter gedachte Modelle von möglichen großen. Sie sind quasi ein Selbstzitat, gedacht auf einer zweiten Ebene und sich selbst apostrophierend. Wer den kleinen Berg betrachtet, denkt dabei auch an etwas Großes.“

Über den Maler Torben Giehler sagt Galerist Knoll: „Wie ein Architekt, der die Gesetze der Natur überwunden hat, konstruiert und dekonstruiert Torben Giehler den Bildraum. Aus geraden Linien und kantigen Flächen lässt er eine scheinbar unerschöpfliche Vielfalt immer neuer und überraschender Welten entstehen.“ Damit eröffne er sich eine Bandbreite neuer Möglichkeiten, den graphischen Einsatz von Farbe auszuloten und unser Sehen mit ungewohnten Reizen herauszufordern. Die so entstandenen Bilder seien von ruhiger Schlichtheit, aber auch überwältigender Komplexität. Giehler klebt die Leinwand ab, trägt und die Farbe mit Spachtel auf die freie Fläche auf, so dass die charakteristischen Linien und scharfkantigen Flächen entstehen. So erreicht er faszinierende kubistische Wirkungen. Das Matterhorn ist dreimal in unterschiedlicher Farbgebung zu sehen.

Kostbare Schönheit

Willi Siber aus Eberhardzell ist ein national und international bedeutender Künstler. Thomas Knoll erklärte Sibers Werke so: „Eine Begegnung mit seinen Arbeiten gleicht einem Fest für die Sinne des Betrachters. Der Künstler spielt mit der Wahrnehmung, täuscht Leichtigkeit und Biegsamkeit vor, wo Starre und Schwere zugrunde liegen. Die Hand möchte perfekte Oberflächen berühren oder seltsam Unergründliches erkunden, die Augen erfreuen sich an kostbarer Schönheit, über die satte Farbe werden sogar noch Geschmacks- und Geruchssinn angesprochen.“ Und Knoll erläutert, wie die Stahlskulpturen in einem faszinierenden Entstehungsprozess gestaltet werden. Kunsthistorikerin Kathrin Reekmann schrieb über Willi Siber: „Vieles in seiner Kunst, die kalkulierte Überwältigung des Betrachters, die sinnliche Pracht, die wesentliche Rolle der Oberfläche für die Wirkung, das Aufheben der Grenzen zwischen den Kunstgattungen, ist auch in oberschwäbischen Barockkirchen als künstlerisches Mittel eingesetzt worden.“

Brigitte Waltl-Jensen vom Kinderhospiz in Bad Grönenbach stellte ihre Institution vor und bedankte sich für die Spenden, die den unheilbar erkrankten Kindern in ihrer letzten Lebensphase zugute kommen.

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