Beleidigend: Schweinskopf liegt vor Gebetshaus

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Schwäbische Zeitung
Vera Romeu

Als Alpay Duyar, Vorsitzender des Deutsch-Türkischen Vereins in Mengen, am Sonntagmorgen zum Vorbeten ins Gebetshaus in Ennetach wollte lag dort ein Schweinekopf vor dem Eingang. Der Schädel war gespalten, die Haut abgezogen. Entsetzt legte er den Kopf beiseite, um wenigstens ins Gebäude gelangen zu können. Die Polizei ist eingeschaltet.

In der Mengener Stadtverwaltung ist man entsetzt. Bürgermeister Stefan Bubeck bezieht Stellung: „Die Provokation mit dem Schweinskopf ist ganz klar eine fremdenfeindliche Aktion. Es ist eine Straftat und wir hoffen, dass die Täter so schnell wie möglich ermittelt werden. Ich vermute dass sie sich des Ausmaßes ihrer Handlung nicht bewusst waren.“ Dem Verein empfiehlt er, sich nicht von solchen oder ähnlichen Aktionen provozieren zu lassen. „Ich sage dem Deutsch-Türkischen Verein meine Unterstützung bei allen weiteren Integrationsbemühungen zu. Der Deutsch-Türkische Verein ist auf dem richtigen Weg, das hat das große Integrationsfest, an dem viele Mengener Bürger teilgenommen haben, im Sommer gezeigt. Ich bedauere, dass so eine Tat in unserer Stadt vorgekommen ist“, erklärte Bürgermeister Bubeck.

Auch die katholische und evangelische Kirchengemeinde der Stadt drücken der Muslimischen Gemeinde ihre bedingungslose Solidarität aus. Pfarrer Stefan Einsiedler, Leiter der Seelsorgeeinheit „Effata,Ablach-Donau“ bezieht sich ebenfalls auf das Integrationsfest im Sommer und sagt: „Wir haben das Fest der interreligiösen Verständigung gefeiert – mit viel Freundlichkeit und in guter Stimmung. Der neue Imam in Ennetach hat zum Fastenbrechen eingeladen. Wir sind auf dem Weg zu einem guten Miteinander, von dem wir alle nur gewinnen können. In der globalisierten Welt ist der Islam unter uns angekommen. Er ist eine Weltreligion mit hohem Anspruch und ungeheurer Energie“, erklärt Pfarrer Einsiedler. Auch Pfarrer Wolfgang Raiser von der Evangelischen Paulus Gemeinde erklärt: „Vielleicht ist es ein geschmackloser Einfall von übermütigen oder betrunkenen Jugendlichen oder ein Racheakt, so wie manchmal Unflätiges oder Obszönes an Kirchenwänden oder Pfarrhaustüren geschmiert wird. Dann meine ich, einen Schweinekopf vor die Tür zu legen ist eine widerliche und böswillige Sache. Wenn eine gezielte Absicht dahinter stecken sollte, die Muslime einzuschüchtern, dann sage ich in aller Eindeutigkeit, dass ich diese Tat verurteile und verabscheue. Sie ist hinterlistig und feige. Wir leben, Gott sei Dank, in einem Land, in dem Religionsfreiheit gilt – ein hohes Gut, dass es nicht immer bei uns gegeben hat. Diese Freiheit heißt einander gegenseitig bei der Ausübung des Glaubens zu achten. Übrigens darf man mit Tieren, auch wenn sie tot sind, keinen solchen Unfug treiben.“

Im Deutsch-Türkischen Verein herrscht Verunsicherung. Es gab bereits einen Vorfall, bei dem eine Scheibe mit einem Stein eingeworfen wurde. Der Täter konnte nicht ermittelt werden. „Ich finde das nicht richtig“, betont Alpay Duyar. „Ich würde mich auch aufregen, wenn das vor einer Kirche passiert wäre“, verurteilt er die Tat.

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