Bei Süd stellt sich wieder die Systemfrage

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Schwäbische Zeitung

Ehingen - Nach dem guten Saisonstart mit zwei Siegen und einem Platz im oberen Tabellendrittel der Fußball-Verbandsliga ist der SSV Ehingen-Süd durch die Niederlagen am dritten und vierten Spieltag ins Mittelfeld zurückgefallen. Dass die Kirchbierlinger Calcio Leinfelden-Echterdingen (1:5) und eine Woche zuvor dem TSV Essingen (1:2) unterlagen, ist keine Überraschung – beide Gegner haben in dieser Saison einiges vor. Erstaunlich ist die Vielzahl an Chancen, die Süd in beiden Spielen zuließ. Calcio bestrafte dies rigoros, aber auch die Essinger hatten mehr als zwei Treffer auf dem Fuß, zudem wurden ihnen zwei Strafstöße verweigert. Dazu kam noch das Pokal-Aus gegen den FC Albstadt (1:3). „Das waren jetzt drei Niederlagen in Folge und viele Gegentore, das müssen wir abstellen“, sagte Michael Bochtler.

Der Trainer des SSV Ehingen-Süd fühlte sich im Spiel bei Leinfelden-Echterdingen womöglich in die Vorrunde der vergangenen Saison zurückversetzt, als Süd neben Rutesheim die meisten Gegentore kassiert hatte. In der Rückrunde waren es, nach der Umstellung auf eine Fünfer-Abwehrkette und meist einem 5:4:1-System, deutlich weniger. Zur neuen Saison kehrte Trainer Bochtler zur Viererkette und zum 4:4:2 zurück. In einigen Testspielen sowie in den ersten beiden Pokalrunden – durchweg gegen unterklassige Gegner – blieb man ohne Gegentor, nicht aber in den bisher vier Begegnungen der laufenden Punkterunde. „Ich dachte, wir sind schon weiter, sind es aber aber wohl nicht“, sagte Bochtler nach dem ernüchternden 1:5 gegen Calcio und deutete damit eine mögliche Umstrukturierung in der Defensive an. Was zur klaren Niederlage am Samstag maßgeblich beitrug, waren die zahlreichen Ballverluste. Ein „schwaches Zweikampfverhalten“ sah Bochtler bei seiner Mannschaft. „Keine 30 Prozent der Zweikämpfe haben wir gewonnen, so holt man nichts.“

Nun steht das Derby gegen Olympia Laupheim an – eine Mannschaft, die ihre ersten beiden Spiele in der Liga verlor, zuletzt aber zweimal gewann. Defensiv stabil scheint der Aufsteiger zu sein, in vier Spielen kassierte die Olympia nur drei Treffer, den bisher letzten am zweiten Spieltag beim 0:1 in Dorfmerkingen. Zuletzt am vierten Spieltag überraschte Laupheim mit einem 2:0 in Essingen, Simon Dilger und Jonas Dress erzielten die Treffer gegen einen Gegner, der an diesem Tag nicht vom Glück verfolgt war. Ex-Profi Marc Gallego, der nach Verletzungspause seinen Einstand gab, verschoss einen Elfmeter, Serdal Kocak, gegen Ehingen-Süd eine Woche zuvor zweifacher Torschütze, traf den Pfosten und vergab weitere Möglichkeiten.

„Wir sind nicht unverdient als Sieger vom Platz gegangen“, sagte Olympia-Trainer Hubertus Fundel. „Beim Elfmeter haben wir das Glück gebraucht, wir hätten zur Pause aber auch führen können.“ Die Laupheimer, bei denen Narciso Filho, vor Saisonbeginn von der TSG Ehingen gekommen, eingewechselt wurde, sind nun am Samstag, 15. September, 17.30 Uhr, bei Ehingen-Süd zu Gast. „Wir freuen uns auf das Derby. Das wird aber eine harte Nummer“, so Fundel, der bemüht ist, die Euphorie nach den Erfolgen gegen Wangen und Essingen zu dämpfen. „Der Sieg in Essingen gibt uns Selbstvertrauen, wir wissen aber, wo wir herkommen. Vor zwei Spieltagen hat es noch ganz anders ausgesehen, da standen wir ohne Punkte da.“ Der Wind kann sich schnell drehen, Hubertus Fundel weiß das genauso gut wie Michael Bochtler.

In der Landesliga dürfte es einer Mannschaft an Selbstvertrauen nicht mangeln: Der FC Ostrach steht nach fünf Spieltagen zusammen mit dem SV Kehlen punkt- und torgleich an der Tabellenspitze. Am Wochenende gewann der FCO das Derby beim FC Mengen vor der Rekordkulisse von 800 Zuschauern – mehr noch als beim Mengener Verbandspokalspiel vor wenigen Wochen gegen den Regionalligisten Balingen. Für den bis dahin noch ungeschlagenen Aufsteiger und letztjährigen Bezirksliga-Souverän Mengen war es die erste (Heim-) Niederlage in einem Ligaspiel seit dem 14. Mai 2017, als der FCM gegen die TSG Rottenacker 0:1 verloren hatte. Nun gab es ein 1:3 gegen Ostrach, das nicht in Zweifel gezogen wurde. „Am Ostracher Sieg gibt es nichts zu rütteln“, sagte Trainer Miroslav Topalusic. „Wir sind immer hinterhergelaufen oder einen Schritt zu spät gekommen. Unsere zahlreichen Ausfälle wären in der vergangenen Saison nicht so ins Gewicht gefallen wie jetzt, eine Etage höher.“ In den kommenden Spielen muss Topalusic auf einen weiteren Spieler verzichten, einen nicht unwichtigen: Torjäger Alexander Klotz sah gegen Ostrach nach einem rüden Foul in der Schlussphase die Rote Karte. (aw)

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