Bei Mobbing im Internet unbedingt Hilfe holen

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Deutsche Presse-Agentur

Gegen Chrissi wurde auf SchülerVZ eine Gruppe gebildet. „Seitdem denkt jeder, dass ich ein Opfer bin. Ich fühle mich mies“, sagt die 15-Jährige. Der 13-jährige Dörni berichtet, dass seine Klasse versucht, ihn im Internet fertig zu machen.

Manche Kinder und Jugendliche lesen im Netz Gerüchte über sich, andere werden in Chats beschimpft oder gehänselt: Mobbing im Internet hat viele Gesichter. Wer ein Opfer von „Cyber-Bullying“ wird, kann sich wehren - zum Beispiel, indem er Mobber an Portal-Betreiber oder Moderatoren meldet.

Das Phänomen ist verbreitet: In der JIM-Studie 2008 erklärten 25 Prozent der befragten 12- bis 19-Jährigen, dass schon jemand aus ihrem Bekanntenkreis in einer Community im Internet fertig gemacht wurde. Am weitesten verbreitet sind Beschimpfungen, sagt Prof. Petra Grimm von der Hochschule für Medien in Stuttgart. Daneben kommen oft sogenannte Cyberthreats vor, Online-Drohungen, bei denen Übergriffe angekündigt werden.

Während früher vor allem diejenigen Opfer wurden, die anders als die Mehrheit oder weniger beliebt waren, trifft das heute nicht mehr zu, sagt Grimm. „Da die Täter beim Cyber-Mobbing anonym bleiben können, sind auch Jugendliche gefährdet, die keine typischen Opfer-Merkmale aufweisen.“ Heute könne es schon genügen, dass eine Freundschaft oder eine Beziehung geplatzt ist, um in der Schusslinie zu stehen.

Mobbing kann also jeden treffen. Allerdings sollte man möglichst keine Angriffsflächen bieten, etwa durch ungepflegte Haare, starken Mundgeruch oder ordinäre Sprüche. Die Mobber zu beleidigen sei ebenfalls tabu, sagt Kristine Kretschmer vom Portal Seitenstark.de aus Bonn. „Dann macht man sich nur angreifbar.“

Für Mobbing-Opfer ist es wichtig, genau zu wissen, was im Netz kursiert. Deshalb sollte man sich regelmäßig selbst googeln, rät das ServiceBureau Jugendinformation in einem Flyer zu „Cyber-Bullying“. Mobbing-Opfer sollten dann Beweise sichern, indem sie Kopien von Bildern oder Chats speichern. Das helfe dabei zu belegen, was passiert ist, rät die Initiative Klicksafe.de in Ludwigshafen.

Wer in einer Social Community beschimpft wird, hat die Möglichkeit, den Mobber - den „Bully“ - zu sperren. Auf keinen Fall sollte man auf die Attacken reagieren. Dadurch fühlten sich die Täter nur zum Weitermachen angestachelt, warnt Klicksafe.de. Werden die Gerüchte in der Community gestreut, gibt es die Möglichkeit, sich an den Betreiber zu wenden. Der Täter könne dann gesperrt werden.

„Jugendliche, die Opfer von Cyber-Mobbing geworden sind, sollten unbedingt ihren Eltern davon erzählen“, sagt Prof. Grimm. Sind die Täter Mitschüler, sollten die Lehrer eingeschaltet werden. „Es ist Sache der Schule, dann tätig zu werden“, ergänzt Kretschmer. Macht der Klassenlehrer nichts, hilft vielleicht der Vertrauenslehrer. Schlimmstenfalls müssten die Eltern die Schulleitung einschalten.

Das alles setzt voraus, dass man sich traut, über das Mobbing zu reden. „Die meisten schämen sich aber“, sagt Kretschmer - und erzählen eben nichts. Dann kann ein Tagebuch helfen, in das alle Vorfälle eingetragen werden. „Man hat so das Gefühl, aktiv zu werden.“ Ein weiterer Vorteil: Mit Hilfe des Tagebuches lässt sich gegenüber Eltern oder Lehrern das ganze Ausmaß des Mobbings belegen.

Anti-Mobbing-Aktion von Seitenstark: http://mobbing.seitenstark.de

Infos über und Ratschläge gegen Cyber-Mobbing: www.klicksafe.de, Stichwort „Cyber-Mobbing“

Broschüre vom ServiceBureau: www.servicebureau.de/publication.php

Verbreitet ein Mobber im Internet Beleidigungen oder Unwahrheiten, können die Betroffenen einen Unterlassungsanspruch gelten machen oder Strafanzeige wegen Verleumdung stellen, erläutert die Initiative Klicksafe.de aus Ludwigshafen. Drohungen seien auch online Straftaten und sollten der Polizei gemeldet werden.

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