Bei DVB-T-Receiver auf MPEG-4-Standard achten

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Deutsche Presse-Agentur

Käufer eines Receivers für das digitale Antennenfernsehen DVB-T sollten künftig darauf achten, dass das Gerät den Video-Kompressionsstandard MPEG-4 (H.264) beherrscht.

Denn MPEG-4 könnte den bisher für DVB-T etablierten Standard MPEG-2 ablösen. „Mit einem MPEG-4-fähigen Gerät ist man als Verbraucher auf der sicheren Seite“, sagte Axel Dürr, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM) in Stuttgart. Dies gelte auch für Fernseher mit eingebautem DVB-T-Tuner. Erste Receiver, die beide Standards beherrschen, sollen zur Jahresmitte auf den deutschen Markt kommen.

Im Großraum Stuttgart beginnt im Sommer der erste deutsche Testlauf mit MPEG-4. Die RTL-Gruppe wird dort ihre Programme RTL, Vox, Super RTL und RTL II per DVB-T und mit MPEG-4 komprimiert ausstrahlen. Bislang sind dort nur öffentlich-rechtliche Programme empfangbar, die mit MPEG-2 komprimiert werden. „Außerdem werden dort zum ersten Mal in Deutschland DVB-T-Programme verschlüsselt“, sagte Dürr. Dabei handelt es sich um die Pay-TV-Kanäle RTL Crime und Passion. Vom Sommer an läuft dann der DVB-T-Sendebetrieb im Großraum Stuttgart zweigleisig mit MPEG-2 und MPEG-4.

„Natürlich beobachten ARD und ZDF diesen Testlauf ganz gespannt“, sagte Dürr. „Es interessiert auch die Öffentlich-Rechtlichen, die Übertragungskosten zu senken oder mehr Programme bei gleichen Kosten auszustrahlen.“ Mit MPEG-4 ließen sich bei gleicher Qualität pro Kanal mindestens doppelt so viele Programme übertragen wie mit MPEG-2. Der neuere Standard setze sich nicht nur bei digitalem Satelliten- und Kabelfernsehen durch. „Auch Frankreich benutzt ihn bereits für DVB-T“, sagte Dürr. Deshalb sei eine schnelle Versorgung des Marktes mit neuen Receivern unproblematisch.

Sorgen, dass die Übertragung in MPEG-2 von heute auf morgen in mehreren Bundesländern eingestellt wird und die alten DVB-T-Receiver zu nutzlosem Elektroschrott werden, müssen sich Verbraucher aber nicht machen. RTL zum Beispiel beabsichtige zunächst keine Umstellung in Regionen, wo die Gruppe ihre Programme bereits in MPEG 2 ausstrahlt, sagte Dürr. Dazu gehören Berlin/Brandenburg, Bayern, Norddeutschland, Nordrhein-Westfalen und das Rhein-Main-Gebiet.

Regionen, in denen es bisher keine Privatprogramme per DVB-T gab, also etwa im Großraum Stuttgart oder auch im Bereich Leipzig/Halle, eigneten sich dagegen für eine kurzfristige Einführung von MPEG-4, erklärte Dürr. Im Ballungsraum Stuttgart empfingen erst 200 000 von technisch erreichbaren 1,6 Millionen Haushalten Fernsehen per DVB-T, sagte Dürr. „Viele steigen erst jetzt ein und kaufen einen Receiver.“

Wann genau die Tage jener Receiver, die nur MPEG-2-Signale entschlüsseln können, gezählt sind, lässt sich dem Experten zufolge nicht genau vorhersagen. „Wie immer wird das der Markt entscheiden“, sagte Dürr. Wichtig dürfte aber auch der Zeitpunkt sein, an dem die öffentlich-rechtlichen Sender, die immer noch die meisten DVB-T-Programme ausstrahlen, auf MPEG-4 umstellen.

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