Bei CV Mitteldeutschland stimmt die Chemie

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Hohe Ziele: Trainer Michael Mücke hat mit seinem Team die Play-Offs erreichen.
Hohe Ziele: Trainer Michael Mücke hat mit seinem Team die Play-Offs erreichen. (Foto: Günter Kram)
Schwäbische Zeitung

Erst VC Bad Dürrenberg/Spergau, dann im Sommer VC Spergau/Bad Dürrenberg und seit ein paar Wochen nun CV Mitteldeutschland: Die Namensgebung in der 1000-Seelen-Gemeinde Spergau ist momentan nicht von allzu langer Haltbarkeit. Wenigstens haben die Volleyballer ihren Künstlernamen „Pirates“ beibehalten und sich damit noch ein modernes Outfit verpasst.

Die Mehrheit in der jüngsten Mitgliederversammlung hatte sich indes für den neuen Vereinsnamen ausgesprochen. Das CV steht für Chemie Volley – damit wollen die Verantwortlichen ihre Verpflichtung gegenüber der Region zum Ausdruck bringen. „Sicherlich kann man sich über den Namen streiten“, räumt auch Manager Peter Kurzawa ein, „aber das war hier eben immer eine Chemieregion.“ Zudem ist Spergau seit Anfang des Jahres ein Stadtteil von Leuna. Und dort ist der Hauptarbeitgeber eben die Chemieindustrie. „Wir hatten keinen Druck von außen, die Namensgebung war unsere Entscheidung.“ Auf die Marke „Pirates“ wolle man aber nicht verzichten, schon weil die Jugendlichen darauf anspringen.

Allerdings mussten die Sachsen durch ein Wechselbad der Gefühle, bevor überhaupt feststand, dass es mit Erstliga-Volleyball in Spergau weitergeht. Nach dem Auftaktsieg in den Play downs in Wuppertal war das Team eigentlich schon durch, bevor der VC Franken Einspruch gegen den Lizenzentzug einlegte. Und bis zur Ligaversammlung Mitte Mai dauerte die Ungewissheit an. Erst in einer Raucherpause erfuhr Peter Kurzawa, dass die Franken ihre Mannschaft endgültig zurückgezogen hatten. „Da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen“, erinnert sich der Manager. Für die Spieler- und Sponsorensuche war die Hängepartie aber schon eine „ungünstige Situation.“

Immerhin hat der Verein seinen Etat in Höhe von 500 000 Euro halten können. Die zweite Mannschaft meldeten die „Piraten“ allerdings von der Relegationsrunde zur 2. Bundesliga ab. „Wir hätten kein Geld für die 1. und 2. Bundesliga gehabt“, weiß Kurzawa, „und da wäre es nicht fair gewesen, einem anderen Team den Platz wegzunehmen.“ Die Zuschauerresonanz ist gut, im Schnitt kommen 1000 bis 1500 Fans in die Jahrhunderthalle. Wohl auch, weil die Konkurrenz Fußball fehlt und der Hallesche FC nur in der vierten Liga kickt. Magdeburg und seine Handballer sind glücklicherweise weit genug weg.

Mit den vier Neuzugängen Tomas Knebelkamp, Artur Augustyn, Sebastian Kühner und dem ehemaligen Nationalspieler Mark Siebeck, der in Kürze 35 Jahre alt wird, hofft der Verein die Problemzonen behoben zu haben. In erster Linie im Zuspiel, wo der Ex-Dürener Sebastian Kühner den Argentinier Esteban Simaro ersetzt und die Verantwortung übernehmen soll. Und mit dem Deutsch-Brasilianer Knebelkamp haben die „Pirates“ nun auch einen echten Libero, Jiri Stolfa hatte hier in der vergangenen Saison aushelfen müssen. Auch von Rückkehrer Siebeck verspricht sich der Verein eine Menge, hat der ehemalige Akteur des VfB Friedrichshafen doch in Polen und zuletzt Istanbul jede Menge Erfahrung gesammelt. „Die Verbindung zu ihm ist nie ganz abgerissen“, betont Kurzawa.

Sehr zufrieden ist der Vorstand auch mit der Arbeit von Trainer Michael Mücke, der im Februar für den schwer erkrankten Viktor Borschtsch einsprang. Mücke arbeitete bereits in Markranstädt und Leipzig, die Familie ist inzwischen von Wuppertal nach Hildesheim gezogen. „Ich habe die Fahrtstrecke halbiert“, schmunzelt der Volleyball-Weltenbummler. Derzeit ist Michael Mücke mit seinen Schützlingen auf einer Testspieltour durch Polen und Litauen. „Wir sind noch in der Findungsphase und arbeiten an der Abstimmung mit den vier neuen Spielern.“ Für Peter Kurzawa jedenfalls ist der Coach die beste Wahl. „Das passt.“ Und dann, na klar, fällt der Satz, der hier irgendwann einfach fallen muss: „Die Chemie stimmt.“

Mit dem in Teilbereichen verstärkten Team will der CVM diesmal die Play offs erreichen. Und vielleicht in ein paar Jahren auch mal in die Spitzengruppe der Bundesliga vorstoßen. „Wenn eine Region im Osten das schaffen könnte“, so Kurzawa, „dann diese. Das ist die Region mit dem größten Wachstum.“ Wenn die Chemie stimmt, ist eben alles möglich.

CV Mitteldeutschland, Trainer: Michael Mücke, Saisonziel: Play offs, Zugänge: Mark Siebeck (Annahme), Tomas Knebelkamp (Libero), Sebastian Kühner (Zuspiel), Artur Augustyn (Mittelblock); den Kader komplettieren: Jiri Stolfa (Annahme), Peter Mayer (Mittelblock), Enrico Ehrhardt (Annahme), Christoph Helbig, Haroldas Cyvas (beide Diagonal), Christian Langer (Mittelblock), Sebastian Hähner (Annahme), Roman Metelskiy (Zuspiel).

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