Bei Auswahl eines Pflegeheims Wohnbereiche ansehen

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Deutsche Presse-Agentur

Bei der Auswahl eines Pflegeheims sollten sich die künftigen Bewohner und ihre Angehörigen nicht nur die Lobby anschauen. Die ist häufig sehr schön gestaltet, sagt aber noch nichts über die Wohnbereiche aus.

Die Zimmer, Essens- und Aufenthaltsräume werden daher besser mitbesichtigt, rät Heike Nordmann, Pflegeexpertin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Entsprechen sie den eigenen Vorstellungen? „Wichtig ist zum Beispiel auch zu fragen, ob es überhaupt Einzelzimmer gibt.“

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CDU) hat am Dienstag (17. Februar) ein neues Heimverzeichnis vorgestellt. Bis 2010 sollen dort alle Pflege- und Altenheime freiwillig aufgelistet werden. Geschulte Gutachter sollen sie auf ihre Lebensqualität hin untersuchen. Bis die Gutachten vorliegen, sind aber Angehörige und künftige Bewohner selbst gefragt. Beim Rundgang durch das Heim lohne es sich zum Beispiel, auf das Personal zu achten. „Sieht man das überhaupt? Wirkt es eher gestresst oder hat es auch mal ein freundliches Wort?“, nennt Nordmann als Kriterien.

Daneben sollten sich Besucher auch die Bewohner anschauen. Sitzen die apathisch vor dem Fernseher oder gibt es anderweitige Beschäftigungen? „Das soll nicht heißen, dass jeder immer beschäftigt werden muss. Aber man bekommt schon mit, ob sich um die Leute gekümmert wird“, sagte die Pflegeexpertin. Falls möglich sei es auch gut, mit den Bewohnern selbst über das Heim zu sprechen.

Nicht zu vernachlässigen sei außerdem die Lage des Heims. „Gibt es in der Nähe Menschen, die einen besuchen kommen? Das ist ein wichtiges Kriterium.“ Auch die Frage nach ehrenamtlichen Helfern oder Zivildienstleistenden lohne sich. „Denn das sind Leute, die zusätzlich kommen und Zeit mitbringen“, erläuterte Nordmann.

Bevor die Entscheidung für ein Heim endgültig fällt, sei es ratsam, dort schon einmal zu wohnen. „Probewohnen bieten viele Heime nicht an“, sagte Nordmann. Aber manchmal gebe es die Möglichkeit, über Kurzzeitpflege ein paar Tage im Heim zu verbringen. „Die wirkliche Qualität erkennt man erst, wenn man dort wohnt.“

Informationen: Das Bundesseniorenministerium hat den Ratgeber „Auf der Suche nach einem Heim“ herausgegeben. Er kann kostenlos im Internet heruntergeladen werden unter „bmfsfj.de“, Stichwort „Publikationen“, Suchwort „Heim“.

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: www.bmfsfj.de

Mehr als zwei Millionen Menschen in Deutschland sind pflegebedürftig. Wegen körperlicher, geistiger oder seelischer Beeinträchtigungen können sie ihren Alltag nicht mehr alleine meistern.

Im Zuge der Alterung nimmt die Zahl der Hilfsbedürftigen seit Jahren zu. Ende 2007 gab es dem Statistischen Bundesamt zufolge 2,25 Millionen Pflegebedürftige, 5,6 Prozent mehr als Ende 2005 und 11,4 Prozent mehr als 1999.

Die Mehrheit der Pflegebedürftigen (68 Prozent) waren Frauen und hatten ihren 65. Geburtstag bereits hinter sich (83 Prozent). Mehr als zwei Drittel wurden zu Hause versorgt, meist allein von Angehörigen. In Heimen lebten etwa 709 000 Frauen und Männer.

Von den insgesamt rund 11 500 zugelassenen ambulanten Pflegediensten befanden sich 60 Prozent in privater Trägerschaft. Die Mehrheit der etwa 236 000 Beschäftigten waren Frauen, viele arbeiteten Teilzeit. Die Zahl der Pflegeheime lag im Dezember 2007 bei rund 11 000. Mehr als die Hälfte davon waren in freigemeinnütziger Trägerschaft wie etwa Diakonie oder Caritas. Insgesamt waren in den Heimen rund 574 000 Menschen beschäftigt. 85 Prozent davon waren Frauen, sehr viele arbeiteten Teilzeit.

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