Beckenbauer warnt vor „unendlicher Geschichte“

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Deutsche Presse-Agentur

Franz Beckenbauer hat im Fall Ballack vor einem endlosen Hickhack gewarnt. „Ich denke, langsam sollten sie mal Ruhe geben!“, forderte er im Pay-TV-Sender „Premiere“ nach den erneuten öffentlichen Aussagen des Nationalmannschaftskapitäns.

„Aber es sind moderate Töne“, fügte der Präsident des FC Bayern München hinzu. Ballack hatte in einem Interview mit dem selben Sender versucht, seine öffentliche Kritik am Kurs von Bundestrainer Joachim Löw zu rechtfertigen und herunterzuspielen. Dabei galt das Thema nach der Aussprache zwischen Löw und Ballack vor vier Wochen als erledigt.

Beckenbauer erklärt sich die umstrittenen Medien-Auftritte des Chelsea-Profis mit einem tief sitzenden „Frust“ wegen des verpassten EM-Titels. „Das rührt von der letzten Europameisterschaft her, als er einige Versäumnisse festgestellt und auch reklamiert hat“, meinte der „Premiere“-Experte. „Man hat ihm nicht zugehört, man ist Zweiter geworden und das langweilt ihn langsam, denn er wird möglicherweise der ewige Zweite bleiben.“ Deshalb sei er „vielleicht noch ein bisschen sauer, dass es bei der Europameisterschaft nicht so gelaufen ist, wie er sich das vorgestellt hat“. In der „Bild“-Zeitung hatte Beckenbauer noch verwundert auf die neuen Aussagen Ballacks reagiert: „Ich bin sprachlos. Dazu fällt mir gar nichts ein. Ich dachte eigentlich, die Sache wäre erledigt.“

Löw reagierte zurückhaltend auf Ballacks Einlassungen. „Michael hat ein Recht, seine Meinung zu sagen und Kritik zu äußern. Aber nach außen wird er die nicht kundtun. Da können sie ganz sicher sein. Weil er weiß, was dann die Konsequenzen sind.“ Der Bundestrainer sagte der „Bild“-Zeitung aber auch: „Ich kenne die Aussagen von Michael nicht genau und möchte deshalb jetzt nichts dazu sagen.“

Ballack hatte überraschend noch einmal zu dem offiziell schon abgehakten Streit Stellung bezogen und damit womöglich neue Reaktionen provoziert. „Manchmal will man eben auch bewusst an die Öffentlichkeit gehen, um ein bisschen wachzurütteln. Es hat während und nach der Europameisterschaft ein paar Irritationen gegeben. Ich finde das aber gar nicht schlimm im Fußball, wenn man mal anderer Meinung ist“, hatte der 32 Jahre alte Mittelfeldspieler vor dem Champions-League-Spiel seines Clubs FC Chelsea gegen Girondins Bordeaux gesagt.

Ballack hatte sich Ende Oktober bei Löw „entschuldigt“, rückgängig machen wollte er das Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (FAZ), das den Bundestrainer verärgert hatte, auch im Nachhinein nicht. „Nein, denn ich habe lediglich in einem vernünftigen Ton meine Meinung gesagt. Ich habe auch niemanden attackiert, das wollte ich ja auch gar nicht“, erläuterte Ballack. Und: „Bisweilen muss man halt auch ein paar kritische Töne in der Öffentlichkeit sagen. Man kann eben nicht nur alles intern ansprechen“, sagte Ballack. Seine Aussprache mit dem Bundestrainer beschrieb der DFB-Kapitän in dem „Premiere“-Gespräch als „harmonisch“.

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