Bayern beklagt Benachteiligung - dennoch zufrieden

Lesedauer: 5 Min
Deutsche Presse-Agentur

Nach dem 2:2 (1:0) des FC Bayern im spannenden Süd-Schlager beim VfB Stuttgart kehrte bei den Münchner Club-Größen bei allem Missmut über vermeintliche Wettbewerbsverzerrung rechtzeitig vor Weihnachten allgemeine Zufriedenheit ein.

Nach dem 16. Pflichtspiel ohne Niederlage zogen Franz Beckenbauer, Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß eine positive Hinrunden-Bilanz. Trainer Jürgen Klinsmann zählt sein Team nach dem Stolper-Start in die Saison sogar wieder „auf Augenhöhe“ mit der europäischen Fußball-Elite.

Die Verärgerung über den in letzter Minute verpassten Sieg in Stuttgart und die scharfe Kritik an der letzten Spielansetzung vor der Winterpause waren jedenfalls schnell verraucht. Hoeneß hatte lautstark über eine krasse Benachteiligung durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) gegenüber 1899 Hoffenheim gewettert. „Ich habe nicht mitgekriegt, dass Hoffenheim und Schalke unter der Woche irgendwie tätig waren. Aber wir spielten in der Champions League. Das finde ich total unfair“, tobte der Manager in den Stadion-Katakomben mit hochrotem Kopf. „Das ist ein absoluter Witz.“ Später brummte selbst er, wieder versöhnlicher gestimmt: „Wir können hochzufrieden in die Winterpause gehen und haben uns das Weihnachtsfest verdient.“

Der physische und psychische Verschleiß durch die Champions League-Vorrunde, gekrönt mit dem Gruppensieg in Lyon, war den müden Münchnern allerdings zumindest in der ersten Hälfte anzumerken. Zudem fehlten dem deutschen Rekordmeister in diesem „aufregenden, packenden Südderbys“, so Klinsmann, ohne den verletzten Franck Ribery Dynamik, Spielwitz und Überraschungsmomente. Die Rote Karte gegen Massimo Oddo wegen angeblich groben Foulspiels gegen Christian Träsch (85.), laut Klinsmann eine „fatale Entscheidung“, bedeutete in der Schlussphase einen weiteren Nachteil.

Die Stuttgarter, von ihrem bayrischen Teamchef bestens eingestellt, nutzten diese Schwächungen konsequent und blieben auch im vierten Pflichtspiel unter Markus Babbel ungeschlagen. „Das war unser mit Abstand bestes Spiel in dieser Serie. Wir haben die Bayern beherrscht, was in der Tat nicht einfach ist“, lobte Sportdirektor Horst Heldt. „Klar: Wir fühlen uns als moralischer Sieger.“

Es blieb aber letztendlich bei einer - für beide Seiten glücklichen - Punkteteilung. Der überragende Sami Khedira brachte die Schwaben per Flugkopfball (45.+1) in Führung und rettete dann mit einem spektakulären Volley-Kracher (90.) das Remis. „Den Ball haut man entweder ins Tor oder in den Neckar“, kommentierte der U21- Nationalspieler seinen Kunstschuss. Tim Borowski (48.) und Luca Toni (66.) hatten den Favoriten in typischer Bayern-Manier nur vorübergehend auf die Siegerstraße gebracht.

„Ich bin hochzufrieden mit meiner Mannschaft. Sie hat Leidenschaft und Willen gezeigt“, sagte Babbel, dessen Vertragsverlängerung als Teamchef bis zum Saisonende nur noch Formsache ist. „Mit dem Resultat bin ich aber nicht ganz zufrieden.“ Für das entscheidende Gruppenfinale im UEFA-Pokal am Donnerstag gegen das noch verlustpunktfreie Standard Lüttich forderte er „genau die gleiche Leidenschaft“.

Bei den Bayern herrschte wegen des späten Ausgleichs ebenfalls eine gewisse Enttäuschung. Beckenbauer polterte am lautesten und stempelte Schlussmann Michael Rensing zum Sündenbock: „Die Schwächen Rensings bei hohen Bällen sind bekannt. Das 2:2 geht auf seine Kappe.“ Klinsmann verkniff sich Einzelkritik: „Wenn man so nah dran ist, ist man natürlich zunächst enttäuscht.“

Am Tag danach war von innerbetrieblichen Unstimmigkeiten nichts mehr zu hören. Beckenbauer geht fest davon aus, dass „der FC Bayern den Titel verteidigen wird“ und adelte im „DSF-Doppelpass„ auch den anfangs umstrittenen Klinsmann, der nach verkorkstem Saisonstart stark in der Kritik gestanden hatte: „Man sieht, die Handschrift von Jürgen fruchtet.“ Die Verpflichtung sei ein Risiko gewesen. Klinsmann, der klassische Coach-Konzepte auf den Kopf gestellt hat, habe „den Verein aufgemischt“. Nach „anfänglichem Stottern“ sei nun „alles bereinigt“.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen