„Bauer sucht Leben“ auf Holländisch

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Deutsche Presse-Agentur

Nein, das soll nicht alles sein, denkt sich Helmer van Wonderen. Seit mehr als drei Jahrzehnten ist er „Bauer wider Willen“ auf dem Hof seines despotischen Vaters in Waterland bei Amsterdam.

Seine Welt ist überschaubar, eine Nachbarin mit Söhnen, Kühe, Texel-Schafe, ein Esel - und stets der Gedanke an den Zwillingsbruder, mit dem er fast eins war und der bei einem Unfall starb. So beschließt Helmer, der Ich-Erzähler in Gerbrand Bakkers lakonischem Roman „Oben ist es still“, sein fremdbestimmtes Leben zu reflektieren und sich ein Stück Freiheit zurückzuerobern, indem er das gehasste Vaterbett ins Dachgeschoss verfrachtet. Nur um nach 314 wunderbar geschriebenen Seiten einsehen zu müssen, dass er besser alleine bleiben sollte.

Der bislang wenig bekannte Bakker, ein diplomierter Gärtner und Sprachwissenschaftler, reduziert seine Sprache radikal in diesem eigenwillig geschriebenen Debütroman. Seine Sätze sind kurz, kantig, kühl wie ein Tag auf dem Hof. Mal ist Bakker boshaft und melancholisch, dann wieder herrlich amüsant, wenn er über die Erlebnisse zwischen Schafstall und Küche schreibt.

Gerbrand Bakker

Oben ist es still

Suhrkamp Verlag, Frankfurt

316 S., Euro 19,80

ISBN 978-3-5184-2013-3

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