Barockmusik beim Bodenseefestival in Brunnhausen

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Das Barockensemble „Il Cigno“ hat am Sonntagabend in der St.-Georgs-Kapelle zu Brunnhausen ein Konzert mit zeitgenössischer Musi (Foto: Selle)
Schwäbische Zeitung
Ingo Selle

Der oder auch das Barock ist mehr als nur eine Strömung der europäischen Architektur und Kunst, die von etwa 1575 bis 1770 währte, sondern eine Art von historischem Lebensgefühl und Glaubensauffassung der damals Lebenden. Weniger das, was wir heute oft fälschlich unter „barocken Formen“ allzu leicht missverstehen - besonders das Frühbarock hatte sich durch eine relativ strenge Formensprache hervorgetan –, ist beim Konzert mit geistlicher Musik aus San Marco, Venedig, unter dem Titel „Audi coelum“ auch musikalisch zum Tragen gekommen.

Vor dem Auftritt des Ensembles „Il Cigno“ hatte Kreisarchivar Dr. Edwin Ernst Weber einen kunsthistorischen Überblick zur Stiftungs- und Baugeschichte des Brunnhausener Käppele gegeben. Im Jahr 1611 sei die Kapelle, in der Herrschaft Heiligenberg gelegen und damals nur aus dem heutigen Chorraum bestehend, vom Schultes Nicolaus Hornstein für seine schwer erkrankte Ehefrau gestiftet und dem heiligen Sankt Georg und der „für Augenkrankheiten zuständigen“ heiligen Ottilie geweiht worden.

Eine 100 Jahre später erfolgte Erweiterung , der wohl zwei Stationen aus dem Freskenzyklus zum Opfer gefallen sind, zeigt die Kapelle im heutigen Baukörper. Erst im Jahr 1995 sind Bausubstanz und Fresken grundlegend restauriert worden. Am äußeren Mantel ist aber schon wieder viel zu tun, denn vermutlich durch aufsteigende Feuchtigkeit löst sich der Außenputz großflächig ab. Das Konzert vor völlig „ausverkauftem Haus“ – selbst vor der Kapellentür saßen noch zirka fünfzehn in sich versunkene Lauscher – ist vom Barockensemble „Il Cigno“ („Der Schwan“) aus Konstanz auf barocken Instrumenten dargeboten worden und hat musikalisch mit geistlichen Werken von Adrian Willaert bis Claudio Monteverdi in das Venedig der Renaissance und des Frühbarocks geführt.

Zur Zeit besteht „Il Cigno“ aus der japanischen Sopranistin Chiyuki Okamura, Baptiste Romain (Renaissancevioline), Bettina Haugg-Scheu (Flöten), Ulrike vom Hagen (Flöten, Violoncello), Peter Achtzehnter (Viola da braccio, Lira da braccio), Czaba-Zsolt Dimen (Viola da Gamba, Violone) und Tina Speckhofer (Orgel, Flöten).

Nicht nur, dass das Brunnhausener Kapellenkonzert im Rahmen des Bodenseefestivals, gefördert vom Landkreis Sigmaringen und der Seelsorgeeinheit Oberer Linzgau, bereits zum fünften Male stattgefunden hat.

Auch die geradezu stürmische Kartennachfrage dabei hat erneut für die Qualität des Konzepts gesprochen.

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