Baden-Württemberg-Duell: Mit Ex-Hoffenheimer will der VfB Stuttgart aus dem Tabellenkeller

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Ihm ist es egal, wie der Gegner heißt – Steven Zuber würde auch gegen seinen Stammverein jubeln.
Ihm ist es egal, wie der Gegner heißt – Steven Zuber würde auch gegen seinen Stammverein jubeln. (Foto: dpa)

Jahrelang glich der Transferstrom einer Einbahnstraße. Der VfB Stuttgart bildete die Nachwuchstalente aus, brachte sie auf den Sprung zu den Profis, doch dann kam der Emporkömmling aus dem 84 Kilometer entfernten Sinsheim, lockte bei Talenten, aber auch bei Trainern, mit finanziellen Mitteln, mit dem internationalen Geschäft oder manchmal auch mit ein wenig von allem.

Egal ob Tobias Weis, Boris Vukcevic, Matthieu Delpierre, Sven Schipplock oder Sebastian Rudy – sie alle zog es im Lauf der Zeit vom Cannstatter Wasen direkt zur TSG Hoffenheim. Doch vor dem Duell der Württemberger gegen die Kraichgauer am Samstag (15.30 Uhr/Sky), haben sich die Rollen gewandelt. Nun sollen nicht zuletzt ehemalige TSG-Kicker dafür sorgen, die Stuttgarter aus ihrem Tief zu ziehen.

Jeder Punkt ist jetzt wichtig und ein Dreier wäre sehr, sehr viel wert. VfB-Trainer Markus Weinzierl

Allen voran Steven Zuber. Der Schweizer Nationalspieler kam erst in der Winterpause leihweise aus Hoffenheim nach Stuttgart und hat sich mit starken Leistungen und einigen Torbeteiligen fest in die von VfB-Trainer Markus Weinzierl gefundene Stammelf gespielt. Der Offensivmann ist also erster Ansprechpartner, wenn es um die Analyse des kommenden Gegners geht.

„Natürlich weiß ich sehr viel darüber, wie da gearbeitet wird“, sagte Zuber den „Stuttgarter Nachrichten“, will aber lieber auf sein eigenes Team schauen: „Wir sind entscheidend – wie wir auftreten.“ Und er fügt an: „Wichtig ist einfach, dass wir zusammenhalten, egal, was passiert. Das Wort ,zusammen‘ steht ganz oben auf unserer Liste.“

VfB Stuttgart
Flaggen mit dem Logo des Fußball-Bundesligisten VfB Stuttgart wehen im Wind. (Foto: Fabian Sommer/Archiv / DPA)

Zusammen. Das ist nicht nur Zubers, sondern auch Weinzierls derzeitiger Wahlspruch. Lange hat der Coach nach seiner Inthronisierung an Taktik und Aufstellung herumgedoktert, jetzt, nach 18 Bundesligaspielen unter ihm, steht das Gerüst. Das Fundament, das hat man beim Unentschieden gegen Bremen, beim Kantersieg gegen Hannover und auch im trotz 1:3 ordentlichen Spiel gegen Dortmund gesehen, ist die endlich sicher stehende Defensive.

Einen flexiblen Fünferriegel hat Weinzierl seiner Elf in der Abwehr gegönnt und diesen gestärkt durch ein kompaktes Dreiermittelfeld. Wie eine Ziehharmonika ziehen sich diese zwei Blöcke bei eigenem Ballbesitz auseinander und ziehen sich wieder zusammen bei Angriffen der Gegner.

Das brachte Stabilität, die auch am Samstag nötig sein wird. „In erster Linie müssen wir ihre Offensive in den Griff bekommen“, erklärt Weinzierl vor dem Duell: „Das wird schwer genug. Mit Kramaric, Joelinton und Belfodil haben sie viel Power und schon viele Tore erzielt.“ Das ist noch untertrieben. Andrej Kramaric (12 Tore), Ishak Belfodil (8) und Joelinton (7) können bereits 27 Treffer verbuchen und damit ganze zwei mehr als die komplette Stuttgarter Mannschaft zusammen.

Dennoch läuft es beim Tabellenachten nicht optimal. Dessen Schwäche hat der VfB-Coach auch ohne Insiderwissen von Zuber ausgemacht: „Wir wissen auch, dass sie hinten anfällig und immer mal wieder für einen Fehler gut sind. Den gilt es zu provozieren.“ Zudem soll eine andere Bilanz dabei unbedingt aufgebessert werden: Als einziger Club hat der VfB gegen die acht besten Teams der Liga noch keinen einzigen Punkt geholt – dies gilt es auch im Hinblick auf den Klassenerhalt zu verändern.

Immerhin hat der FC Augsburg auf Rang 15 drei Punkte Vorsprung und spielt nach dem Duell gegen den 17. aus Hannover am Samstag (15.30/Sky) als Nächstes gegen Tabellenschlusslicht 1. FC Nürnberg. „Jeder Punkt ist jetzt wichtig und ein Dreier wäre sehr, sehr viel wert“, sagte Weinzierl deshalb. Den will er holen mit der bestmöglichen Mannschaft – zu der eventuell auch der Ex-Hoffenheimer Andreas Beck, ganz sicher aber wieder Zuber gehören wird.

TSG-Trainer Julian Nagelsmann bezeichnete den Schweizer 2017 gar einmal als einen seiner „drei professionellsten Spieler“. Und auch die Wertschätzung von Zuber für den Coach ist hoch. „Er lebt für diesen Sport. Er will nicht nur die Spieler stetig verbessern, sondern auch sich selbst verbessern und nimmt Kritik dankbar an“, sagt er.

Doch am Samstag zählen weder Stammverein noch alte Freunde. Und so ist auch ein stiller Jubel kein Thema: „Es wird kein besonderes Spiel für mich sein. Mein Herz gehört im Moment dem VfB – da ist es nicht entscheidend, wie der Gegner heißt“, sagt Zuber und kündigt darüber hinaus an: „Falls ich ein Tor schieße, werde ich das Tor bejubeln, weil in unserer Situation jedes Tor sehr wichtig ist.“

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