Bad Wurzach bekommt Stadtarchivar

Lesedauer: 5 Min
Ein Blick auf eine Regalreihe des neuen Stadtarchivs im Dachgeschoss von Maria Rosengarten.
Ein Blick auf eine Regalreihe des neuen Stadtarchivs im Dachgeschoss von Maria Rosengarten. (Foto: Steffen Lang)
Redakteur Bad Wurzach

Die Stadt Bad Wurzach und die Stadt Bad Waldsee werden zum 1. Januar 2019 gemeinsam einen hauptamtlichen Archivar einstellen. Dem stimmte am Montagabend der Gemeinderat der Riedstadt zu. Bereits vor einer Woche hatte sich auch das Bad Waldseer Gremium dafür ausgesprochen.

In beiden Kurstädten wurden die Archive bislang von Ehrenamtlichen betreut. In Bad Waldsee war dies Michael Barczyk, in Bad Wurzach Ines Ebert und Jürgen Schumacher. Alle drei wollen zum Jahresende ihre Tätigkeit beenden. Der künftige Archivar (oder Archivarin) wird zu 65 Prozent für Bad Waldsee und zu 35 Prozent für Bad Wurzach zuständig sein. Entsprechend werden auch die Kosten in Höhe von rund 60 000 Euro jährlich aufgeteilt. Angestellt ist er von der Stadt Bad Waldsee.

Archivarbeit ist eine Pflichtaufgabe der Kommunen, hob Sachbearbeiter Martin Tapper in der Ratssitzung am Montag hervor. Bislang habe Bad Wurzach dies aber nur „nachrangig“ bearbeitet. So kommt es, dass sowohl in Stadtarchiv als auch in den Ortsarchiven wichtige Unterlagen wie Verträge, Protokolle oder historisch bedeutsame Schriftstücke zwar aufbewahrt, aber nicht im eigentlichen Sinne archiviert sind. Nur Seibranz verfügt über ein recht aktuelles Findbuch von 2016, die meisten anderen sind aus den Nuller-Jahren dieses Jahrhunderts. In Bad Wurzach, Gospoldshofen und Ziegelbach gibt es gar keines.

„Auch wenn wir nicht bei Null stehen, haben wir die Vergangenheit noch nicht aufgearbeitet“, bewertete Bürgermeister Roland Bürkle (CDU) die aktuelle Archivlage. FW-Stadtrat Armin Willburger hatte zuvor nach einer anstehenden Digitalisierung und eventuell dafür notwendigen Programmen gefragt. „Die komplette Digitalisierung aller Archive ist ein Ziel, aber nicht die erste Aufgabe des künftigen Archivars“, so Martin Tapper.

Zu den Aufgaben zähle zunächst vor allem das Bewerten, Ordnen und Erschließen aller Bestände in den zehn Archiven der Stadt. Am Ende eines langen Wegs sollen digitalisierte Archive stehen, die jedem Bürger sowie für Forschungszwecke auch online zur Verfügung stehen. In einem Zwischenschritt wird es zunächst Findbücher für alle Archive geben, die online einsehbar sind. Stadtrat Franz-Josef Maier (Mir Wurzacher) regte an, trotzdem weiter auf Ehrenamtliche zu setzen, die dem hauptamtlichen Archivar zuarbeiten. Das sei, stimmte Bürkle zu, ebenfalls eine Aufgabe des Archivars: „Er soll Menschen motivieren mitzuarbeiten. Jemand mit einer 35-Prozent-Stelle wird zum Beispiel nie eine Ortschronik erstellen können.“

Maier sorgte sich auch um die Sicherheit des Archivs, das derzeit von Amts- und Rathaus ins Dachgeschoss von Maria Rosengarten umzieht. Das sei mit dem Kreisarchivar so abgesprochen, entgegnete Bürkle. Ein Restrisiko, das Archiv durch Feuer, Wasser oder andere Unglücke zu verlieren, bestehe an jedem Platz, so der Bürgermeister und erinnerte an den Einsturz und darauf folgende Flutung des Kölner Stadtarchivs bei Untergrundarbeiten.

Die Archive

Bad Wurzach: archivarisch nur teilweise aufgearbeitet; kein Findbuch.

Arnach: Findbuch von 2003.

Dietmanns: Teilfindbuch von 1998; nur Bände, aber keine Akten archiviert.

Eintürnen: Findbuch von 2008.

Gospoldshofen: kein Findbuch.

Haidgau: Findbuch von 1959.

Hauerz: Findbuch von 2006.

Seibranz: Findbuch von 2016.

Unterschwarzach: Findbuch von 2002.

Ziegelbach: kein Findbuch.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen