Babbel: Als Trainer kein Mann der lauten Töne

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Deutsche Presse-Agentur

„AC/DC und Metallica habe ich live auf Konzerten erlebt. Jeder hat seine Idole“, sagte er einmal. „Für viele ist Heavy Metal nur aggressiver Krach, mich beruhigt das eher.“ Auch vor seiner ersten Bewährungsprobe als Teamchef des VfB Stuttgart wirkte Babbel ausgesprochen gelassen. Der Nachfolger des geschassten Meistermachers Armin Veh sieht die Aufgabe, den schwächelnden Fußball-Bundesligisten wieder auf Vordermann zu bringen, als Riesenchance. „Ich habe nichts zu verlieren“, versicherte der einstige Weltklasse-Verteidiger vor seinem Debüt auf der Trainerbank im UEFA-Cup-Gruppenspiel bei Sampdoria Genua.

Babbel charakterisiert sich als „besonnenen und ausgeglichenen Gemütsmenschen“, den nichts so schnell aus der Ruhe bringt. Eigenschaften, die ihm bei seiner neuen Herausforderung hilfreich sein dürften. Um die im Tabellen-Mittelfeld dümpelnden Schwaben wieder nach vorne bringen zu können, sind neben fachlicher Kompetenz und psychologischem Einfühlungsvermögen auch Gelassenheit und Geduld gefragt. „Wir müssen Schritt für Schritt wieder in die Spur kommen“, sagte er.

Geduldig sein und nicht den Mut zu verlieren hat Babbel vor allem während seiner Leidenszeit gelernt. Anfang September 2001 erkrankte der damals beim FC Liverpool spielende Profi am Pfeiffer'schen Drüsenfieber. Nur zwei Wochen, nachdem er diesen Virus besiegt hatte und an ein Comeback dachte, diagnostizierten die Ärzte eine Entzündung des Nervensystems, das sogenannte Guillain-Barré-Syndrom. „Zuerst hatte ich nur ein taubes Gefühl in den Füßen, später fühlte es sich an, als würde ich barfuß durch Schnee laufen und anschließend die Füße in der Wärme wieder auftauen“, beschrieb Babbel die Krankheit. Zeitweise musste er sogar im Rollstuhl sitzen.

Vor und nach diesem einschneidenden Ereignis wies Babbel eine Fußball-Karriere wie nur wenige auf. Der 51-malige Nationalspieler wurde 1996 Europameister. Mit dem FC Bayern München, für den er 16 Jahre spielte, feierte er unter anderem drei Meistertitel, zwei DFB-Pokalsiege und 1996 den UEFA-Cup-Triumph. Mit dem FC Liverpool wiederholte Babbel den Erfolg in diesem europäischen Wettbewerb. Krönender Abschluss seiner aktiven Karriere mit insgesamt 17 Titelgewinnen war die Meisterschaft 2007 mit dem VfB Stuttgart, zu dem er drei Jahre zuvor von den Blackburn Rovers gekommen war. Danach arbeitete er als zweiter Assistent Vehs, den er nun beerbte.

Mit einem so schnellen Aufstieg in den Chefsessel hatte Babbel offenbar nicht gerechnet. Denn noch fehlt ihm die Trainerlizenz, ohne die von der kommenden Saison an kein Bundesligist mehr angeleitet werden darf. „Darum kann ich mich jetzt nicht kümmern. Ich verschieb das erst 'mal auf später“, sagte der vierfache Vater, für den die sportliche Wende mit dem VfB Priorität hat. Sportdirektor Horst Heldt, der große Stücke auf seinen Ex-Teamkollegen hält, hofft, eine Lösung für dieses Problem zu finden. Auch wenn Babbel und der als Trainer fungierende Rainer Widmayer vorerst nur bis zur Winterpause als Verantwortliche feststehen, schwebt Heldt im Erfolgsfall dieses Duo als Dauerlösung vor. Babbel hätte nichts dagegen: „Mein Plan war, irgendwann Cheftrainer zu werden. Ich war als Spieler ein Mann an der Front, und das möchte ich auch als Trainer sein.“

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