Autolack in Frischhaltefolie: „Folieren“ im Trend

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Deutsche Presse-Agentur

Der Lack ist wie die Bekleidung eines Autos. Doch wie bei der Kleidung eines Menschen gibt es auch beim Lack den einen oder anderen Haken.

Nimmt der Fahrzeugbesitzer es mit der Pflege nicht so genau, sieht der Wagen bald ziemlich heruntergekommen aus. Außerdem hinterlassen Streusalz, Rollsplitt, die Sonneneinstrahlung oder die tägliche Nutzung ihre Spuren. Findige Naturen haben allerdings ein Mittel gefunden, um solchen Schäden vorzubeugen: einfach den Wagen mit einer speziellen Schutzfolie bekleben. Mittlerweile werden Lackfolien aber auch von Menschen genutzt, die nur vorübergehend eine andere Wagenfarbe wünschen.

„Folieren“ lautet der Begriff, der sich für den Schutz des Lacks mittels spezieller Folien durchgesetzt hat. Begonnen hat der Einsatz allerdings nicht bei Privatfahrzeugen: „Beschichtet wurden auf diese Weise zunächst Taxen und Polizeifahrzeuge“ erklärt Lackexperte Carsten Graf vom ADAC-Technikzentrum im bayerischen Landsberg. Der Grund dafür lag in der Verbesserung der Wiederverkaufschancen dieser Autos. Da kaum ein Privatkunde sich für ein elfenbeinfarbenes oder polizeigrünes Auto interessierte, wurden die Wagen in begehrten Farbtönen wie Silber geordert - die gewünschte Einheitsoptik wurde und wird dann mit Hilfe der klebenden Lackfolien hergestellt.

Nun aber ist aus dieser in der Not geborenen Idee ein kleiner Trend geworden. Wer zum Beispiel während er vergangenen Fußball-Welt- und Europameisterschaften Autos in Schwarz-Rot-Gold auf den Straßen beobachtete, dürfte damit sicher ein Beispiel für diese Art der Farbveränderung erblickt haben. „Heute sind es zunehmend Privatleute, die ihr Auto einfach mal in einer anderen Farbe fahren wollen“, sagt Dirk Schaden, Mitarbeiter des Anbieters Allfolia Deutschland aus Remscheid. Schließlich finden manche Autoliebhaber die Trendfarbe Weiß schick, kaufen aber doch lieber ein silbernes Auto, da sie nicht so recht an die Beständigkeit des Weiß-Trends glauben mögen.

Laut Graf gibt es noch andere sinnvolle Einsatzmöglichkeiten für die farbige Frischhaltefolie auf dem Lack. „Das gilt zum Beispiel für Leasing-Fahrzeuge, die nach zwei oder drei Jahren zurückgegeben werden müssen.“ Bei so einem Auto kommt es darauf an, dass bei der Rückgabe der Zustand in Ordnung ist. Steinschlagschäden oder Kratzer im Lack werden nicht gern gesehen. Ähnlich sieht es bei Autos aus, die vornehmlich für Langstrecken auf der Autobahn eingesetzt werden - auch hier können Steinschlag und Splitt den Lack schädigen.

Wenig ratsam ist es allerdings, die speziellen Folien eigenhändig auf der Karosserie anzubringen. Wer hier ohne Vorkenntnisse zur Sache geht, ist schnell mit Knitterfalten und Luftblasen konfrontiert. Selbst bei den Profis braucht eine vollständige „Folierung“ ihre Zeit. Je nach Fahrzeuggröße werden für die Arbeiten laut Dirk Schaden ein bis zwei Tage angesetzt. Die Kosten liegen zwischen 700 und 1300 Euro. „Eine Lackierung kostet etwa das Doppelte.“

Danach muss der Fahrzeugbesitzer sich nicht mehr groß um die Folie kümmern. „Die Folien sind alltagstauglich, der Wagen kann auch durch die Waschanlage gefahren werden“, sagt Schaden. Nur auf Heißwachsbehandlungen müsse aus Rücksicht auf die Folie verzichtet werden. Die Haltbarkeit wird mit sieben bis zehn Jahren angeben.

„Vom Glanz her gibt es bei einer solchen Folie eigentlich keinen Unterschied zu normalem Lack“, sagt Carsten Graf. Als einzige Nachteile nennt der Fachmann, dass sich an einigen Klebestellen Schmutz auf den Klebekanten festsetzen kann, was besonders bei hellen Farben auffalle. An Kanten könne sich die Folie auch mal lösen.

Da aber doch die Vorteile überwiegen, nehmen sich jetzt auch die Autohersteller des Themas Folie an. So hat Volkswagen-Zubehör kürzlich die Lackschutzfolie V-Protector vorgestellt. Dabei handelt es sich um transparente Folienstücke für verschiedene Modelle, die Lackschäden an gefährdeten Stellen vorbeugen sollen. „Damit kann man schon an einem Neuwagen Bereiche wie die Türgriffmulden vor Kratzern durch Fingernägel schützen“, sagt Michael Niesel von Volkswagen-Zubehör in Dreieich. Vor allem aber geht es um besonders beanspruchte Stellen wie die Frontschürze oder vordere Stoßfänger.

Anders als bei den farbigen Lackfolien soll V-Protector den Lack aber nur schützen, die Optik des Fahrzeugs bleibt unverändert. Womit das Auto dann doch einen Vorteil gegenüber der Kleidung des Menschen hat - denn unsichtbare Schutzkleidung ist hier noch nicht erfunden.

Die Folien zur Farbveränderung bestehen laut dem Hersteller 3M in Neuss aus dem gleichen Material wie Folien zur Werbebeschriftung - nämlich PVC. Für den dauerhaften Einsatz auf dem Auto wird jedoch ein anderer Kleber verwendet, der längeren Halt ermöglicht. Im Hinblick auf die Farbenvielfalt gebe es ein Grundprogramm. Auf Wunsch seien aber auch andere Farbe möglich, sogar Metallictöne.

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