Bisher gibt es Radschnellwege nur in nördlicheren Bundesländern – zum Beispiel in Göttingen, Niedersachsen, wie hier im Bild.
Bisher gibt es Radschnellwege nur in nördlicheren Bundesländern – zum Beispiel in Göttingen, Niedersachsen, wie hier im Bild. (Foto: dpa)

Radschnellwege sind bislang nur in nördlicheren Bundesländern wie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bekannt.

Meckenbeuren - Von Baindt bis Friedrichshafen ist ein Radschnellweg angedacht, für den derzeit eine Machbarkeitsstudie erstellt wird. Meckenbeuren ist dabei mittendrin. Öffentlich werden könnte das Thema gegen Jahresende, sagte Hauptamtsleiterin Kathrin Schütz auf SZ-Anfrage - wenn die Machbarkeitsstudie soweit abgeschlossen ist. Das soll im Herbst 2018 der Fall sein.

Im Frühjahr 2017 war das Projekt erstmals aufgetaucht. An die 30 Kilometer lang, auf rund vier Meter breiten Wegen, ohne Fußgänger oder Kreuzungspunkte: Das war die Vision der Städte Ravensburg, Weingarten und Friedrichshafen. Wobei von Anfang an klar war, dass das viel Geld kosten würde und nur mit Fördermitteln zu stemmen sei.

Diese wurden in einem ersten Schritt vom Land für eine Machbarkeitsstudie bewilligt. Mit ihr sollen mögliche Trassen gezeigt und die Kosten ermittelt werden. Die Studie allein kostet schon knapp 80 000 Euro. Davon übernimmt das Land 80 Prozent, also 64 000 Euro – den Rest teilen sich der Bodenseekreis und der Landkreis Ravensburg.

Die Studie soll auch Auskunft darüber geben, ob und auf welcher Trasse ein Radschnellweg im Oberzentrum Ravensburg-Friedrichshafen Sinn macht - als einziger ländlicher Region. Ansonsten sind in Baden-Württemberg solche Wege nur für Metropolen vorgesehen. Etwa zur Verbindung von Stuttgart mit Esslingen oder Heidelberg mit Mannheim. Zehn Radschnellwege plant das Ministerium für Verkehr bis zum Jahr 2025 landesweit.

Voraussetzungen für die Förderung

Für Oberschwaben hat den Förderantrag der hiesige Regionalverband gestellt. Für ihn erklärt Malte Grunow: „Im Grunde ist das wie eine Autobahn für Radfahrer“ - samt Anschlussstellen ans bestehende Radwegenetz und Überführungen von größeren Straßen oder Flüssen. Dabei gebe es gewisse Mindestanforderungen an die Breite, das Wichtigste aber sei, dass auf dem Radweg möglichst keine Ampeln oder Kreuzungen mit normalen Straßen das schnelle Vorankommen behindern.

Die Frequenz ist ein weiterer wichtiger Punkt: Hier soll das hiesige Oberzentrum mit der hohen Arbeitsplatzdichte und den vielen Bildungseinrichtungen sowie starken Pendlerbeziehungen punkten. Über den Daumen gepeilt muss all das für eine Auslastung von mindestens 2000 Radfahrern am Tag gut sein, um die erhoffte Förderung zu erhalten.

Sicher ist, dass der beidseitig befahrbare Radschnellweg durch Meckenbeuren führen wird. Was dazu führt, dass die Schussengemeinde in Person von Ordnungsamtsleiterin Bernadette Pahn der Lenkungsgruppe angehört.

Wie Malte Grunow auf SZ-Anfrage sagte, seien in den Vormonaten die Trassenoptionen von zwei Büros abgefahren worden, um sie vertieft untersuchen zu können und eine Vorzugsvariante zu finden. Diese muss stadtnah liegen und die Wohngebiete gut anbinden, um auf die erforderliche Frequenz zu kommen. Während dies im Norden der Gemeinde Meckenbeuren mehrere Varianten im Spiel belässt, laufe es im Süden wohl auf nur zwei Optionen hinaus. Spannend dürfte sicher werden, wie sich der Bahnhof als Frequenzbringer anbinden lässt.

Klar scheint, dass die Anrainer-Kommunen den Weg nicht allein bezahlen können, sondern auf erhebliche Landes- oder Bundesmittel angewiesen sind. Von Kosten von rund 500 000 bis 600 000 Euro je Kilometer war teils die Rede.

Hat die Gemeinde also schon Geld in der mittelfristigen Planung verankert? Nein, antwortet Kämmerer Simon Vallaster, allerdings habe man „im laufenden Haushalt 300 000 Euro zur Umsetzung des Radwegekonzeptes eingestellt und werde diese Mittel, wenn sie nicht voll beansprucht werden, auf kommende Haushaltsjahre übertragen beziehungsweise bei Bedarf weiter aufstocken“. So der Gemeinderat zustimmt, geht Vallaster davon aus, „dass die Finanzierung dieses interkommunal gewollten Projekts sichergestellt werden kann für den Teil, wo Meckenbeuren betroffen sein dürfte“.

Und der Zeithorizont? Das Land geht von einer Planungsphase von ein bis zwei Jahren aus, hatte Landtagsabgeordneter August Schuler (CDU) im Vorjahr vorausgeblickt. Danach werde die sukzessive Umsetzung auch für den Berufsradverkehr bestimmt zehn Jahre in Anspruch nehmen.

Radschnellwege sind bislang nur in nördlicheren Bundesländern wie Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen bekannt.

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