Ausstellung in Schmidsfelden informiert über den Luchs

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Rainer Schall ist ein Experte in Sachen Luchs. (Foto: Marita Gaile)
Marita Gaile

Eine Ausstellung über den Luchs haben Umweltkreis und Nabu-Gruppe Leutkirch am Wochenende in der Naturschutzstation Schmidsfelden eröffnet.

Es gibt wieder Luchse (lateinisch Lynx Lynx) in Baden-Württemberg – aber nur sehr wenige. Ihre Rückkehr auf leisen Pfoten betrachtete Diplom-Biologe und Waldpädagoge Rainer Schall in der Naturschutzstation Schmidsfelden während der Eröffnung der Wanderausstellung. Diplom-Geografin Wibke Wilmanns vom Umweltkreis/Nabu-Gruppe Leutkirch hatte zuvor die Ausstellung mit kurzen Worten eröffnet und besonders Bürgermeister Martin Bendel als Vertreter der Stadt Leutkirch begrüßt.

Schall ist ein Allrounder in Sachen Naturschutz, war im winterlichen Norwegen auf den Spuren von Wolf, Bär und Luchs unterwegs und erlebte auf seinen Kanutouren durch Kanada „unglaubliche Momente“, als er Blickkontakt mit zwölf Luchsen hatte.

Luchse gehören zur Familie der Katzen, sind aber kräftiger und hochbeiniger. Ihr Schwanz ist kurz, und an ihren Ohren wachsen lange Ohrpinsel. Mit einem rötlich-braunen Fell und der dunklen Fleckenzeichnung besitzt der Luchs einen ausgesprochen guten Tarnanzug. Luchse betreuen ihre Jungen überaus fürsorglich und sind Menschen gegenüber keineswegs aggressiv oder gefährlich einzustufen, erklärte der Experte.

Einst lebten Luchse überall in Europa, aber fortschreitende Rodung und Landesherren, die dem Luchs eine Schmälerung der Jagdbeute nachsagten, machten den Luchs ab dem späten Mittelalter zu einem gnadenlos verfolgten Beutegreifer. Schall erklärte, dass die Zeitgeschichte des Luchses sehr spannend und aufschlussreich sei. „Einen Luchs zu fangen oder zu töten, kam einem Kavaliersdelikt gleich“, wusste der Waldpädagoge zu erzählen.1770 wurde so der letzte Luchs im Schwarzwald und 1846 der letzte in Baden-Württemberg erlegt.

Aber auch in ganz Europa erging es dem Luchs nicht besser. Einzig in unzugänglichen Gebieten wie den Karpaten (Russland) und Skandinavien hatten diese Tiere eine reelle Überlebenschance.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts lebte die Faszination Luchs wieder auf, und die Luchsbestände der Rückzugsgebiete wuchsen an. Im Bayrischen Wald hat sich so durch Zuwanderung aus Tschechien eine kleine Population angesiedelt. Auswilderungen fanden mit Erfolg in der Schweiz, Slowenien, Tschechien und Frankreich statt. Schall bezeichnete den Luchs als Sympathieträger, der erst wieder salonfähig gemacht werden müsse. Wissenschaftliche Untersuchungen beweisen, dass Baden-Württemberg dank seiner ausgedehnten Baum- und Wildbestände für den Luchs ein geeigneter Lebensraum wäre. Entscheidend für die dauerhafte Rückkehr des Luchses sei jedoch der Mensch, der ihm einen Platz in seiner Nähe zugestehen muss.

„Jagdforst, Landwirtschaft und Naturschutz, sind ein Bermudadreieck, mit dem man erst noch klar kommen muss“, so Schall.

Wer mehr über den Luchs erfahren und herrliche Bilder von ihm sehen möchte, kann dies bis zum 3. November 2013 in der Naturschutzstation in Schmidsfelden tun.

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