Ausgeknipst: Das langsame Verschwinden der Glühbirne

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Deutsche Presse-Agentur

Rund 130 Jahre, nachdem Thomas Alva Edison die Glühbirne zur Marktreife gebracht hat, wird sie in Europa schrittweise ausgeknipst. Energiesparlampen sollen sie ersetzen. Viele Verbraucher verunsichert das.

Schließlich soll der schöne alte Kronleuchter nicht durch klobige Energiesparlampen verunstaltet werden. „Das Hamstern von Glühbirnen ist nicht notwendig“, beruhigt Lars Stühlen vom Hersteller Osram in München. Denn Verbraucher haben als Ersatz für ihre Glühlampen Energiesparleuchten und Halogenlampen zur Auswahl. Sparlampen und Halogenlampen gebe es mit den gleichen Schraubsockeln. Moderne Energiesparlampen, bei denen es sich um gefaltete Leuchtstofflampen handelt, würden längst auch in Glühlampenform angeboten.

„Energiesparlampen halten deutlich länger als Glühlampen, die im Schnitt nach 1000 Stunden schlapp machen“, sagt Lothar Beckmann von der Stiftung Warentest in Berlin. Die Lebensdauer reiche von 5000 bis 15 000 Betriebsstunden. Dies sei meist auf der Verpackung angegeben.

Energiesparlampen senken den Stromverbrauch um bis zu 80 Prozent, heißt es bei der Deutschen Energie Agentur (dena) in Berlin. Denn der Umstieg von einer 60-Watt-Glühlampe auf eine ebenso helle 11-Watt-Energiesparlampe spare über die Lebenszeit der Energiesparlampe schon fast 100 Euro Stromkosten.

Genau diese Rechnung wird jedoch von einigen Experten angezweifelt. „Von Energiesparlampen als Ersatz für Glühlampen ist abzuraten, weil sie nicht soviel Energie sparen wie Hersteller und Politiker anführen“, sagt Gabriele Achstetter von der Zeitschrift „Öko-Test“. In einem Test des Magazins seien getestete Sparlampen deutlich weniger hell gewesen als die Glühlampen, die sie ersetzen sollten.

Zudem seien die Sparlampen im Laufe der Zeit immer dunkler geworden, und etliche fielen frühzeitig aus, vor allem wenn sie häufig an- und ausgeschaltet wurden. Nicht außer acht gelassen werden sollte laut „Öko-Test“, dass Sparleuchten die Umwelt durch Quecksilber belasteten, weil nur zehn Prozent der Haushalte die Energiesparlampen korrekt als Sondermüll entsorgten.

Als „unverantwortlich“ bezeichnet Jürgen Waldorf, Geschäftsführer des ZVEI-Fachverbands Elektrische Lampen in Frankfurt/Main, diese Aussagen. Denn trotz der vom ZVEI als methodisch unzureichend kritisierten „Öko-Test“-Messungen gehe die energetische Gesamtbilanz zu Ungunsten herkömmlicher Glühlampen aus.

Die Qualität von Energiesparlampen wurde von der Stiftung Warentest seit 1983 ständig überprüft, zuletzt in Februar 2008. „Es gibt keinen Grund, die technisch überholten Glühbirnen weiter brennen zu lassen“, sagt Warentester Beckmann. Denn heutige Energiesparlampen seien deutlich besser geworden.

Auch häufiges Ein- und Ausschalten mache den neuen Produkten mit Vorheizung wenig aus. Vorheizung bedeutet, dass die Elektroden der Energiesparlampe für ein paar Sekundenbruchteile vorgewärmt werden. Dadurch halten sie wesentlich länger. Es gebe inzwischen auch spezielle Energiesparlampen, die sogar gedimmt werden können.

Klassische Glühlampen haben die schlechten Energie-Effizienzklassen E, F und G. Um Energie zu sparen und die Umwelt zu schonen, wird vom September 2009 an zunächst der Verkauf aller matten Birnen sowie der von klaren Birnen mit 100 Watt Leistung untersagt. Im September 2010 folgen 75-Watt-Birnen, ein Jahr darauf die 60-Watt-Leuchten. Ab September 2012 werden dann die letzten 40- und 25-Watt-Birnen vom Markt genommen. Ab September 2016 müssen der entsprechenden EU-Richtlinie zufolge alle Leuchtmittel mindestens die Energie-Effizienzklasse B besitzen.

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