Auf Zeitreise im Oldenburger Münsterland

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Deutsche Presse-Agentur

Touristisch gesehen ist das Oldenburger Münsterland keine Topdestination. Die Region mitten in Niedersachsen ist bisher allenfalls für ihre hohe Geburtenrate und intensive Landwirtschaft bekannt. Dabei gibt es im Landkreis Vechta einiges zu entdecken.

Buchstäblich steinreich ist das Oldenburger Münsterland - das zeigen schon die vielen Hünengräber. „Sie sind älter als die Pyramiden“, sagt Ulrike bei der Hake-Tönjes, die bei Führungen zu den Großsteingräbern in Visbek erklärt, woher die Riesensteine kommen: aus Skandinavien. Die Gletscher der Eiszeit haben sie in den Landkreis Vechta geschoben.

„Allein rund um Visbek gibt es elf Großsteingräber“, sagt bei der Hake-Tönjes und führt ihre kleine Besuchergruppe durch den Wald bis zum „Heidenopfertisch“. So heißt eines der Steingräber, weil sich die Menschen früherer Zeiten unheimliche Geschichten darüber erzählten - bis hin zu blutigen Ritualen mit Menschenopfern. Das ist aber Quatsch, die Anlage wurde für Begräbnisse genutzt.

Ganz in der Nähe ist eines der bekanntesten Gräber der Region zu finden: der Visbeker Bräutigam. Mit 130 Findlingen, die es auf einer Länge von 104 Metern begrenzen, ist es das größte Hünengrab Niedersachsens. Führungen zu den Visbeker Großsteingräbern gibt es seit kurzem auch bei Dunkelheit - nur die Fackeln der Teilnehmer beleuchten den Weg. Ulrike bei der Hake-Tönjes erzählt dann einiges zur Geschichte der Grabanlagen, garniert mit Gedichten.

Großstädte sucht man im Oldenburger Münsterland vergeblich. Am größten ist noch Vechta. Schon im Mittelalter war es die wichtigste Stadt der Region. Im 1698 erbauten Zeughaus der ehemaligen Zitadelle ist heute ein Museum untergebracht, das Axel Fahl-Dreger leitet. Vor dem Museumsgebäude stehen ein Belagerungsturm und ein mittelalterlicher Hebelkran, die hier rekonstruiert wurden. Im Holz des Turms stecken sogar einige Pfeile.

Durch Ausprobieren lernt man am besten, ist Fahl-Dregers Motto. Und so gibt es im Zeughaus Kurse im Bogenbau genauso wie im Schmieden. „Alles, was hier nicht in den Vitrinen liegt, darf auch angefasst werden“, sagt der Historiker.

Das Oldenburger Münsterland gilt als Heimat der Hühnerzüchter und als Hochburg der Landwirtschaft. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Das Industriemuseums in Lohne zeigt auf 1000 Quadratmetern, wie der ländliche Raum durch die Industrialisierung verändert wurde. Landmaschinen lösten die Handarbeit ab.

Ein ganz früher Industriezweig war die Produktion von Schreibfedern aus Gänsekielen. „Die Federn mussten gehärtet, geschabt und zugespitzt werden“, erklärt Museumsleiterin Ulrike Hagemeier. Der Bedarf an Schreibfedern war enorm: „Mit einer Feder ließen sich ungefähr zehn Seiten schreiben.“ Um 1840 gab es in Lohne vier Schreibfederfabriken. „Ein Arbeiter schaffte 1000 Federn am Tag.“

Mitte des 19. Jahrhunderts ging es mit der Federindustrie bergab, nachdem die Stahlfeder erfunden worden war. Einige Betriebe sattelten um: von Federn auf Pinsel zum Beispiel. Und so exportierte Lohne bald Pinsel aus Schweineborsten oder Kuhhaar.

Auch der Zigarrenherstellung ist im Museum ein eigener Bereich gewidmet. „In Visbek wird sogar heute noch Tabak angebaut“, sagt Ulrike Hagemeier. Früher wurde auch Schnupftabak produziert. Und fast wäre Lohne sogar Autostadt geworden: Zu den Höhepunkten des Museums gehört das in den 50er Jahren hier bebaute Fuldamobil, ein Zweitakter, der 75 Stundenkilometer schaffte.

Informationen: Tourismus-Information Nordkreis Vechta, Kapitelplatz 32, 49377 Vechta, Telefon: 04441/85 86 12, E-Mail: info@nordkreis-vechta.de

Tourismus-Information Nordkreis Vechta: www.nordkreis-vechta.de

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