Auf die Füße, fertig, los!

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 Eine Mutter lädt ihr Kind vor der Schule ab. Die Stadt Ravensburg will erreichen, dass wieder mehr Schüler selbstständig in die
Eine Mutter lädt ihr Kind vor der Schule ab. Die Stadt Ravensburg will erreichen, dass wieder mehr Schüler selbstständig in die Schulen kommen. (Foto: Symbol: dpa/Marijan Murat)
Schwäbische Zeitung

Ravensburg (sz) - Die Straßen rund um die zehn Ravensburger Grundschulen mit ihren etwa 2000 Schülern versinken zwei Mal am Tag in Abgaswolken und im Verkehrschaos – weil viele Eltern ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, schreibt die Stadtverwaltung von Ravensburg in einer Mitteilung. Eine Lösung für dieses Problem entwickelt demnach die Arbeitsgemeinschaft Fahrrad- und Fußgängerfreundlicher Kommunen in Baden-Württemberg (AGFK-BW) mit finanzieller Förderung des Landes, heißt es weiter, – und Ravensburg ist von Anfang an maßgeblich beteiligt.

Die vermeintlichen Gründe dafür, dass Kinder nicht selbstständig zu Fuß zur Schule gehen, seien vielfältig: Der Weg scheint zu weit, die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ist ihnen noch nicht alleine zuzumuten, oder die Eltern haben Angst vor Verkehrsunfällen. Oftmals sei es jedoch auch reine Bequemlichkeit. Die Folgen für die Kinder seien gravierend: Sie gewöhnen sich daran, auch kürzeste Wege mit dem Auto zu bewältigen, anstatt ein gesundes Verhältnis zur eigenen Mobilität mit all ihren Möglichkeiten zu entwickeln. Sie litten durch den Bewegungsmangel an gesundheitlichen und psychischen Folgen wie Übergewichtigkeit und verringertem Selbstbewusstsein. Gleichzeitig würden die Klima-Fußabdrücke der Kommunen belastet, und die Schulen sind mit der Situation überfordert, fasst die Stadtverwaltung die Situation zusammen.

Die AGFK-BW möchte mit ihrem Mobilitätsprogramm „Schulweghelden – Auf die Füße, fertig, los!“ Kindern, Eltern, Schulen und Kommunen buchstäblich auf die Sprünge helfen, so die Stadtverwaltung an. Im ersten Schritt dieses Programms inspizieren Schüler mit ihren Lehrern die Schulwege. Danach werden die Wege kritisch unter die Lupe genommen mit besonderem Augenmerk auf Hol- und Bringzonen liegen, wie sie es in Ravensburg bereits an der Grundschule Neuwiesen und an der Grundschule Kuppelnau gibt. Der gesamte Prozess wird von zwei technischen Planungsbüros begleitet. Am Ende solle die gewonnen Erkenntnisse in die Verkehrsplanungen einfließen. Aber Auch Kinder sollen im Unterricht motiviert werden, zu Fuß zur Schule zu gehen, so wie Eltern für dieses Thema sensibilisiert werden sollen - jeweils durch entsprechendes Informationsmaterial.

Dem allem voraus gehen vier entsprechende Modellprojekte in Baden-Württemberg. Unter den zahlreichen Bewerbungen ist die Ravensburger Grundschule Neuwiesen ausgewählt worden, wie die Stadt mitteilt.

Christina Herzer, Rektorin der Grundschule Neuwiesen: „Das ist die konsequente Weiterführung unseres Konzeptes „Raus aus dem Elterntaxi und rein in die Laufschuhe!“ Das sichere Schulwegläuferkind wird zum zukünftigen sicheren Teilnehmerkind im Straßenverkehr.“

Während die vorgeschalteten Modellprojekte bereits im Juli gestartet sind, soll die landesweite Aktion mit dem Schuljahr 2020/21 starten.

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