Auch US-Chipbauer AMD tief im Minus

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Deutsche Presse-Agentur

Der kriselnde Computermarkt hat den US- Chiphersteller AMD erneut tief in die roten Zahlen gedrückt. Zum Jahresende 2008 erlitt der Konzern mit einem Minus von 1,4 Milliarden Dollar den neunten Quartalsverlust in Folge.

Das von hohen Abschreibungen und Sanierungskosten ausgelöste Minus war sogar größer als der gesamte Umsatz des Konzerns: Die Erlöse brachen wegen der weltweit sinkenden PC-Verkäufe um rund ein Drittel auf knapp 1,2 Milliarden Dollar (etwa 1 Mrd Euro) ein.

Im laufenden ersten Quartal werde der Umsatz wohl noch tiefer fallen, warnte AMD am Donnerstagabend. Die Entwicklung der Branche sei derzeit schwer abzusehen, sagte Konzernchef Dirk Meyer am Sitz im kalifornischen Sunnyvale. Für den schwachen PC-Markt erwarten Beobachter keine kurzfristige Besserung. „Ich sehe derzeit keinerlei Anzeichen für eine Erholung“, sagte Betsy Van Hees von Caris & Co. „Die Nachfrage wird sich weiterhin verschlechtern.“

Erst vergangene Woche hatte AMDs stärkster Konkurrent und Marktführer Intel einen Gewinneinbruch um 90 Prozent vermeldet und anschließend angekündigt, fünf Fabriken zu schließen sowie bis zu 6000 Mitarbeiter zu entlassen. Die Fabrik-Schließungen sind allerdings auch Teil der Umstellung auf neue, effizientere Produktionsverfahren. Auch AMD baut gegenwärtig rund 1100 Jobs ab - etwa neun Prozent der Belegschaft. Das Unternehmen belasten aber zusätzlich zur aktuellen Talfahrt der Konjunktur seit Jahren hausgemachte Probleme.

Schwacher Trost: AMD konnte das Minus im Schlussquartal 2008 zum Vorjahr um etwa 20 Prozent verringern. Im dritten Quartal hatte der Konzern dagegen noch fast die Gewinnschwelle erreicht. Das Ergebnis belasteten erneut Abschreibungen auf den übernommenen Grafikkarten- Spezialisten ATI sowie Kosten für die Konzernsanierung.

AMD gliedert derzeit im Rahmen seines Umbaus die komplette Chip- Fertigung in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem Emirat Abu Dhabi aus. Allerdings haben sich seit Ankündigung des Geschäfts vor gut drei Monaten die Konditionen für AMD wegen der Wirtschaftskrise und der Talfahrt der Aktie massiv verschlechtert. Die Ausgliederung solle nun im Februar abgeschlossen werden, kündigte Meyer an. Einer der AMD-Hauptstandorte ist Dresden.

Für Schwierigkeiten bei dem Umbau-Vorhaben könnte allerdings der Rivale Intel sorgen. Wie AMD bekanntgab, liegt dem Unternehmen eine Aufforderung zu Gesprächen vor. Der weltgrößte Prozessor-Hersteller will untersuchen lassen, ob die Pläne möglicherweise gegen Lizenz- Vereinbarungen verstoßen. AMD nutzt seit den 70er Jahren eine Lizenz von Intel für die Produktion sogenannter x86-Technologie, auf der bis heute die meisten Prozessoren basieren. „Es ist nicht unsere Absicht, den Aufbau der neuen Firma zu behindern“, sagte allerdings Intel- Sprecher Chuck Mulloy der Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

Sogar bei dem um Sondereffekte bereinigten Verlust schnitt AMD im Schlussquartal noch schlechter ab als von Analysten erwartet. Die Aktie stand am Freitag vorbörslich stark unter Druck, nachdem sie bereits im regulären Handel mehr als zehn Prozent auf nur noch rund 2,00 Dollar verloren hatte. Im vergangenen Jahr hatte AMD bereits mehr als 70 Prozent des Börsenwerts eingebüßt.

Im Gesamtjahr 2008 reduzierte AMD das Minus unterm Strich leicht um acht Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar. Der Umsatz stagnierte praktisch bei 5,8 Milliarden Dollar.

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