ATTC Harar: Das Ausbildungszentrum gilt als sicheres Sprungbrett in den Beruf

Lesedauer: 4 Min
Herbert Beck
Redaktionsleiter

Für Jörg Fritz, einen 37-jährigen Lkw-Mechaniker aus einer Daimler-Niederlassung in Bad Cannstatt, gab es kein Zaudern. Kurzfristig sprang er für einen Kollegen ein, als der Trip nach Harar besetzt werden musste. Jahrelang hat die Daimler-Bank das Zentrum finanziert, die Kontakte des Konzerns speziell zu diesem Projekt der Böhm-Stiftung sind eng. Und es war höchste Zeit für fachliche Unterstützung. Jörg Fritz, der privat mit dem Motorrad mehrfach schon Länder in Südamerika und Nordafrika bereist hat, sagte sofort zu. „Ich hatte alle Impfungen, und ich bin einfach ein neugieriger Mensch.“ Georg Pickel , der deutsche Leiter der Kfz-Abteilung in Harar, war über die Hilfe auf Zeit froh: „So einer wie er, der direkt aus der Praxis kommt, tut uns hier gut.“

Schon am Tag nach seiner Ankunft zieht sich Jörg Fritz den Blaumann an, verschafft sich einen Überblick und weiß, wo er anpacken muss. So haben die fest angestellten Mechaniker der Böhm-Stiftung im Lauf der Zeit nicht mehr so genau in die Wartungsbücher geschaut. Weil die Ersatzteilbeschaffung auch nicht immer reibungslos funktioniert, improvisierten sie. Fritz: „Ich kann nicht behaupten, dass mir das alles gefallen hat. Dabei sind die Fahrzeuge hier in Äthiopien ungleich stärkeren Belastungen ausgesetzt als in Mitteleuropa.“ Auch die immer mehr um sich greifende Motorenelektronik macht in einem Land wie Äthiopien den Service nicht gerade leichter. Aber Fritz hatte die neuesten Handbücher im Gepäck, „und ich kenne ein Paar Tricks“. Eine für diesen Einsatz ganz wichtige Eigenschaft brachte der Schwabe auch mit: Geduld. „Hetzen bringt gar nichts, die Leute sollen ja etwas mitnehmen.“

Das ATTC ist in der Region Harar ein begehrtes Ziel für junge Menschen. Drei Jahre dauert die Ausbildung, Kost und Unterkunft wie auch Bekleidung stellt die Böhm-Stiftung. Vor allem Kinder aus armen Verhältnissen werden aufgenommen. 98 Prozent der Absolventen, die im zweiten Jahr in der Region und im dritten Jahr vor allem in der Hauptstadt Addis Abeba Praktika absolvieren, finden direkt im Anschluss an die Ausbildung ein Arbeitsverhältnis.

Stefanos Wolde Miriam, der Leiter des Zentrums, betont: „Unsere Stärke ist unsere Praxisnähe. Wir bilden nicht nur theoretisch aus.“ So reparieren seine Schülerinnen und Schüler auch defektes Gerät aus den Projektgebieten der Stiftung, die dadurch Geld spart. Oder, dank Jörg Fritz, in Zukunft auch mit noch mehr Sachverstand Lastwagen mit dem Stern auf dem Kühler. Pickel: „Jede Fahrt nach Addis Abeba, die wir uns ersparen können, kommt direkt den Menschen hier zugute.“ Denn die Hauptstadt liegt 550 Kilometer entfernt.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen