Arzt: Darmspiegelung weiter beste Vorsorge gegen Krebs

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Deutsche Presse-Agentur

Die Darmspiegelung bleibt nach Einschätzung von Medizinern weiterhin die beste Waffe im Kampf gegen den Darmkrebs. Allerdings müsse der untersuchende Mediziner über eine gesetzlich genau festgelegte Qualifikation verfügen.

Zudem sei es notwendig, dass für die Darmspiegelung (Koloskopie) genügend Zeit vorhanden sei, betonte der Chefarzt der Medizinischen Klinik am Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf, Prof. Horst Neuhaus, am Donnerstag (5.2.). Viel diskutierte amerikanische Untersuchungen hätten in jüngster Zeit den Nutzen der Darmspiegelung infrage gestellt, schilderte Neuhaus als Leiter eines internationalen Endoskopie-Symposions, zu dem ab Freitag etwa 1300 Fachmediziner nach Düsseldorf kommen.

Insbesondere eine kanadische Studie habe unterstrichen, dass Polypen als Krebsvorstufe eher in der linken Darmhälfte entdeckt würden, das Krebstod-Risiko bei Polypen in der rechten Hälfte aber nicht sinke. Aufgrund niedrigerer Qualitätsstandards bei der Darmspiegelung in Kanada dürften diese Ergebnisse nicht einfach auf Deutschland übertragen werden, warnte Neuhaus. Allerdings gebe es keine Zweifel, dass Polypen im rechtsseitigen Dickdarm häufiger übersehen würden. Hier verblieben eher Stuhlreste, die die Sicht bei der Darmspiegelung erschwerten.     

Eine sorgfältige Vorbereitung der Patienten sei deswegen unerlässlich, betonte der Experte: „Der Darm muss blitzblank sein.“ Die vollständige Darm-Entleerung sei auch bei allen anderen bildgebenden Methoden zur Darmkrebsvorsorge notwendig, sagte Neuhaus. Die herkömmliche Darmspiegelung, deren sachgemäße Anwendung das Krebsrisiko um bis zu 90 Prozent senke, habe gegenüber neueren High-Tech-Methoden wie etwa der Computertomographie (CT) den Vorteil, dass verdächtige Polypen mit dem Endoskop gleich abgetragen werden könnten.

Nach Darstellung des Fachmediziners treten in Deutschland beim Dick- und Enddarmkrebs jährlich etwa 52 000 Neuerkrankungen auf; etwa jeder zweite Patient stirbt hieran vor allem als Folge bereits fortgeschrittener Stadien und verspäteter Diagnostik. Weniger als jeder Fünfte der über 55-Jährigen, denen die Krankenkasse die Vorsorgeuntersuchung bezahlt, nehme dieses Recht in Anspruch.

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