Artega GT: Der Debütant aus Delbrück

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Die Zeiten könnten günstiger für das Debüt einer neuen Automarke sein. Doch ungeachtet von Klimasorgen, Börsenchaos und Absatzkrise hat jetzt im westfälischen Delbrück die Produktion eines neuen Sportwagens begonnen: des Artega GT.

Markteinführung im Frühjahr geplant

Der Zweisitzer soll vom Frühjahr an die Lücke schließen, die zwischen sportlichen Großseriencoupés wie einem Porsche Cayman oder einem Audi TT und exklusiven Supersportwagen von Ferrari oder Lamborghini klafft. Dabei brechen die vom ehemaligen Aston-Martin Designer Hendrik Fisker und dem früheren Alfa-Chef Karl-Heinz Kalbfell unterstützen Entwickler mit vielen Konventionen und machen den Artega GT so zu einem ebenso eigenwilligen wie interessanten Sportwagen. Nur eines war ihnen heilig: Die Mittelmotor-Bauweise.

Kürzer als ein Golf, breiter als eine S-Klasse

Schon die Proportionen sind ungewöhnlich: Mit seinen gut vier Metern ist der Zweisitzer zwar kürzer als ein VW Golf, und die Höhe von 1,18 Metern weist ihn zweifelsfrei als Sportwagen aus. Doch in der Breite kommt die Flunder mit 1,88 Meter fast auf das Format einer Luxuslimousine. Damit steht das Coupé nicht nur eindrucksvoll stämmig auf der Straße, sondern ist auch innen ungewöhnlich geräumig: Mit seinem Sitznachbarn geht man deshalb nie auf Tuchfühlung, und hinter den weich gepolsterten Sportschalen ist genügen Platz für zwei Golftaschen, die man im 75 Liter großen Gepäckfach unter der vorderen Klappe nun wirklich nicht verstauen kann. Nur mit der Kopffreiheit ist es für große Fahrer nicht sonderlich weit her, und zum Einsteigen muss man sich arg verbiegen.

300 PS haben mit der Flunder leichtes Spiel

In Fahrt bringt den Artega GT ein 3,6 Liter großer V6-Motor, der hinter einem luftigen Gitter beinahe offen im Heck des Coupés montiert ist. Der Benzindirekteinspritzer aus dem VW Passat R36 bringt es auch in dem Sportwagen auf 221 kW/300 PS und hat mit seinen 350 Newtonmeter (Nm) buchstäblich ein leichtes Spiel mit dem Artega. Schließlich drückt die Kunststoff-Karosserie das Leergewicht unter 1100 Kilogramm.

Ein Gasstoß entscheidet zwischen Gleiter und Fighter

Entsprechend beherzt setzt der Artega jede Bewegung am Gaspedal in Vortrieb um: Keine fünf Sekunden vergehen, dann hat er Tempo 100 erreicht. Bei einem kurzen Überholvorgang auf der Landstraße bringt man leicht den Führerschein in Gefahr, und auf der Autobahn kann man es bei einer Höchstgeschwindigkeit von über 270 km/h mit fast jedem Sportwagen aufnehmen. Dabei liegt es allein am persönlichen Stil und der Einstellung des ebenfalls von VW zugekauften Doppelkupplungsgetriebes, ob der Artega Gleiter oder Fighter ist: Zurückhaltend bewegt, ist der Artega ein flotter, aber entspannter Langstreckenläufer.

Ein wütendes Röhren im Rücken

Wer jedoch in den Sport-Modus schaltet oder die Gänge an den Lenkradwippen selber wechselt, weckt ein schlafendes Ungeheuer. Man hört ein wütendes Röhren im Rücken, lässt die Nadel des Drehzahlmessers regelmäßig über die 7000er-Marke schnellen und schießt davon wie von der Tarantel gestochen. Das Fahrwerk ist solchen Spielen ebenso gewachsen wie die beim Rangieren schwergängige Lenkung: Zwar wirkt der Artega auf schlechten Straßen etwas nervös, doch mit scharfem Blick und ruhiger Hand kann man den Hecktriebler mühelos auf der Ideallinie halten.

Pfiffige Lösungen im Innenraum

Hinter dem Artega steht der Elektronik-Zulieferer Paragon, der den Wagen ursprünglich als rollende Visitenkarte geplant hatte. Deshalb punktet das Coupé auch mit ein paar pfiffigen Lösungen im Innenraum: Das Cockpit ist eine gute Mischung aus einem klassischen Rundinstrument und einem frei konfigurierbaren Monitor. Die Navigationskarte erscheint im Rückspiegel, und Klima und Lüftung werden wie beim iPhone auf einem Bildschirm gesteuert. Schade nur, dass dieses Schmuckstück weder abzulesen noch zu bedienen ist.

In Rekordzeit auf die Straße gebracht

Während Autohersteller für die Entwicklung eines neuen Modells ohne Vorgänger vier, fünf Jahre benötigen, hat Artega das Coupé in nur drei Jahren auf die Straße gebracht und ganz nebenbei auch noch eine neue Fabrik aus dem Boden gestampft. Den Preis für dieses Rekordtempo zahlen jetzt die Testfahrer, die noch mit Interieurteilen zweiter Wahl leben und sich mit Macken in der Elektronik herumschlagen müssen. Aber bis zum Verkaufsbeginn soll das alles gelöst sein.

Auch wenn keiner um den Erfolg von Cayman und TT fürchten muss und auch Lamborghini oder Ferrari wegen ihm keine Kunden verlieren werden, ist der Debütant aus Delbrück eine attraktive Alternative für Besserverdiener mit gewissem Eigensinn. Er fährt so gut wie er aussieht, bietet ein paar pfiffige Details und wirkt durchweg solide. Und der stolze Preis von 75 000 Euro scheint keinen zu stören: Fürs Erste ist der Artega ausverkauft.

DATENBLATT Artega GT Motor und Antrieb: V6-Benzindirekteinspritzer Hubraum: 3597 ccm Max. Leistung: 221 kW/300 PS Max. Drehmoment: 350 Nm Antrieb: Heckantrieb Getriebe: Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe

Maße und Gewichte Länge: 4010 mm Breite: 1880 mm Höhe: 1180 mm Radstand: 2460 mm Leergewicht: ca. 1100 kg Zuladung: k.A. Kofferraumvolumen: 75 Liter

Fahrdaten Höchstgeschwindigkeit: über 270 km/h Beschleunigung 0-100 km/h: 4,8 Sekunden Durchschnittsverbrauch: 8,9 Liter Reichweite: 765 km CO2-Emission: 211 g/km Kraftstoff: Super Plus Schadstoffklasse: EU4

Kosten Basispreis der Modellreihe: 74 983 Euro Grundpreis des Artega GT: 74 983 Euro Typklassen: k.A. Kfz-Steuer pro Jahr: 243 Euro/Jahr (alle Daten laut Hersteller)

Wichtige Serienausstattung Sicherheit: ESP, Front- und Seiten-Airbags Komfort: Klimaanlage, Navigationssystem, Sitzheizung

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