Apples letzter Auftritt auf der Macworld

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Deutsche Presse-Agentur

„Die Erwartungen der Leute sind ohnehin meistens völlig überzogen“, sagt der Apple-Experte und Analyst bei Jupitermedia Michael Gartenberg.

Der Analyst kennt die Apple-Gemeinde und ihre Hoffnungen, die sie in der Vergangenheit an die Eröffnungsreden von Apple-Chef Steve Jobs zur Fachmesse Macworld Expo in San Francisco knüpften. In diesem Jahr wurden die Fans gleich mehrfach enttäuscht: Apple zieht sich künftig von der Messe zurück, und statt Präsentationsgenie Steve Jobs kam „nur“ Marketingchef Phil Schiller zur Abschiedsvorstellung. Doch obwohl manche erwartete Produktankündigung weiter auf sich warten lässt, wurden einige Neuheiten und Neuerungen präsentiert.

So konnte Schiller einen Durchbruch in den Verhandlungen von Apple mit der Musikindustrie vermelden. Seit zwei Jahren versucht Jobs die vier großen Anbieter („Majors“) zu überzeugen, dass sie auf nervige Kopierschutzmaßnahmen beim Onlineverkauf von Musikstücken via iTunes verzichten. Bislang folgte nur EMI dem Vorschlag. „Künftig haben wir alle 'Majors' mit an Bord“, verkündete Schiller. Damit werden auf einen Schlag acht Millionen Songs ohne Kopierschutz im iTunes Store angeboten. Bis zum Quartals-Ende sollen es zehn Millionen sein.

Im Gegenzug kommt Apple der Forderung der Labels nach, vom Einheitspreis von 99 Cent pro Song abzurücken. Künftig werden populäre Hits für 1,29 Dollar (in den USA) beziehungsweise 1,29 Euro (in Europa) angeboten. Selten gefragte Stück können auch für 69 Cent verkauft werden. Viele Songs werden aber weiterhin 99 Cent kosten.

Neben der iTunes-Ankündigung legte Schiller den Schwerpunkt auf die Software. So erneuert Apple seine Multimedia-Suite iLife, besonders viel Beifall erhielten die Neuerungen bei der Fotobearbeitungs-Software iPhoto 09. Das Programm erkennt automatisch Gesichtszüge aufgenommener Personen und kann die Bilder entsprechend sortieren. Außerdem greift Apple den Trend der Geo-Codierung von Fotos auf. Damit können Motive bestimmten Orten zugeordnet werden, unabhängig davon, wann sie aufgenommen wurden.

Bei der neuen Videobearbeitungssoftware iMovie 09 reagiert Apple auf die Kritik von Anwendern: Die Vorgängerversion war nach einem Relaunch zwar deutlich einfacher zu bedienen, hatte aber bestimmte Profi-Features für ambitionierte Videofilmer nicht mehr geboten. Der für iMovie verantwortliche Programmierer erhielt ebenfalls viel Beifall aus dem Publikum, als er in einer Demo kurz andeutete, wie leistungsfähig das neue iMovie geworden ist.

Bei GarageBand, der Musikanwendung von iLife, können die Anwender Musiklektionen online kaufen, die von bekannten Musikern wie Norah Jones, Sting oder Sarah McLachlan gehalten werden. Apple startete zur Eröffnung der Macworld auch den Onlinedienst iWork.com, mit dem Anwender des Office-Pakets iWork ihre Dokumente online stellen und gemeinsam über das Internet bearbeiten können.

Mit der Präsentation eines neuen MacBook Pro (17 Zoll) schloss Schiller schließlich die Erneuerung der Notebook-Palette von Apple ab. Mit Hilfe eines neuartigen Akkus soll der Anwender künftig einen kompletten Arbeitstag von acht Stunden ohne Anschluss an die Steckdose überstehen können. Da der Akku rund 1000 Mal aufgeladen werden könne, steige die Lebensdauer des fest installierten Energiespeichers auf rund fünf Jahre, sagte Schiller. Er nahm für Apple in Anspruch, der Hersteller der „grünsten Laptops“ zu sein.

In den Augen von Experte Gene Munster von Piper Jaffray & Co. aus Minneapolis hat Apple mit dem letzten Auftritt auf der Macworld die eigene These bestätigen wollen, dass die Messe nicht mehr so wichtig sei. Die Aktualisierung der Softwarepakete, ein neues Notebook und die Preisänderung in iTunes seien „nett, bewegen aber nicht wirklich etwas.“

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