Anstieg der Geburtenzahl setzt sich fort

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Deutsche Presse-Agentur

In Deutschland werden wieder mehr Kinder geboren. Nach dem neuen Familienreport hat sich der seit 2007 zu beobachtende Trend 2008 - wenn auch abgeschwächt - fortgesetzt.

Nach Jahren des Rückgangs gab es 2007 mit 685 000 Geburten 12 000 mehr als im Vorjahr. 2008 waren es laut Prognose des Statistischen Bundesamtes etwa 690 000 Geburten, also 5000 mehr. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) stellt den Familienreport an diesem Montag in Berlin vor.

Besonders bei Frauen zwischen 30 und 40 Jahren habe die Zahl der Geburten zugenommen, sagte von der Leyen der „Bild am Sonntag“. Diese Frauen lebten in „Partnerschaften, in denen genau überlegt wird, ob sie ein Leben mit Beruf und Familie meistern können“. Vor allem bei Männern nehme der Kinderwunsch nach einer Umfrage zu. 2006 war mit 673 000 Geburten der absoluten Tiefpunkt seit Kriegsende registriert worden. Sogar im ersten Nachkriegsjahr 1946 lag die Geburtenzahl mit rund 922 000 um 27 Prozent höher als 2006.

Bevölkerungsstatistiker verweisen darauf, dass wegen des Altersaufbaus der Gesellschaft die Zahl der potenziellen Mütter seit 1998 kontinuierlich zurückgeht. Nach einem internationalem Index sind dies Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren. Wegen der niedrigen Geburtenzahlen vor 2007 wird die Frauengruppe im gebärfähigen Alter in den nächsten 15 Jahren noch erheblich abnehmen. 80 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter leben heute im alten Bundesgebiet, nur 20 Prozent in den neuen Ländern. Vor der Vereinigung 1990 waren dies noch 28 Prozent.

Als Ursache für den Wiederanstieg der Geburtenzahlen sieht von der Leyen einen Mentalitätswandel. „Junge Menschen haben das Gefühl, die Gesellschaft lässt sie als Eltern nicht alleine.“ Mit ihrer Politik versuche sie, Hürden abzubauen. 56 Prozent der nicht berufstätigen Mütter würden laut Umfrage gerne arbeiten. Die Ministerin: „Aber nicht um jeden Preis. Sie wollen eine gute Kinderbetreuung und Teilzeitarbeitsplätze. Diesen Frauen müssen wir entgegenkommen.“ Eltern dürften nicht zwischen Beruf und Kindererziehung zerrieben werden.

Nach der Bundestagswahl strebt von der Leyen „eine zügige Ausweitung“ der Vätermonate beim Elterngeld an. Zugleich müsse es bei der geplanten Steuerreform „eine starke Kinderkomponente geben“.

Laut einer Umfrage für den Report sind 50 Prozent der Deutschen der Meinung, die Familienpolitik der Bundesregierung habe die Situation der Familien verbessert. Nur 5 Prozent sehen eine Verschlechterung. Ein Drittel (34 Prozent) hält die Situation für unverändert.

Von der Leyen glaubt nicht, dass die Wirtschaftskrise zu mehr Schwangerschaftsabbrüchen führen wird. Sie gehe vom Gegenteil aus. „Die Zahl sinkt. Wenn die Zeiten rauer werden, sagen drei Viertel der Menschen: Mein wichtigster Halt ist meine Familie. Wenn die Wirtschaft wankt, hat die Familie Konjunktur.“ Dies zeige sich auch daran, dass es weniger Scheidungen gebe und die Zahl der Single- Haushalte konstant bleibe. 90 Prozent der Deutschen hielten Familie für wichtig - 2002 seien es 86 Prozent gewesen.

Jedes fünfte Elternteil in Deutschland ist laut Familienreport alleinerziehend. Von der Leyen: „Aber Alleinerziehende sind im Schnitt nur drei Jahre ohne festen Partner. Nach einer Scheidung wird viel selbstverständlicher als früher wieder geheiratet. Was mich freut: Kinder sind dabei kein Hindernis.“

Der familienpolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Johannes Singhammer (CSU), betonte: „Die Zahl der Geburten ist für Deutschlands Zukunft wichtiger als Verschuldungsquote und Arbeitslosenzahl.“

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