Annäherung an das Seelenleben eines Multitalents

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Kunstvereinsvorsitzender Artur Elmer (rechts) erläutert Vereinsmitarbeiterin Alina Galetar und unserem Redakteur Ansgar König ei
Kunstvereinsvorsitzender Artur Elmer (rechts) erläutert Vereinsmitarbeiterin Alina Galetar und unserem Redakteur Ansgar König ein Selbstbildnis Lothar Günther Buchheims. (Foto: Thomas Siedler)

Die Ausstellung unter anderem mit Arbeiten von Lothar Günther Buchheim, Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso auf drei Stockwerken im Alten Rathaus ist noch bis zum 3. Juni zu folgenden Zeiten geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr. Infos: www.kunstverein-aalen.de oder Telefon 07361 / 61553.

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Wer war Lothar Günther Buchheim? Eine Frage, die, so erklärt Artur Elmer, Vorsitzender des Aalener Kunstvereins, vor allem junge Menschen oft mit einem fragenden Gesicht quittieren. „Das Boot“ als Film fällt manchen noch ein. In diesem Jahr hätte das künstlerische Multitalent seinen 100. Geburtstag gefeiert. Nicht nur deshalb widmet der Kunstverein auf den drei Etagen seiner Galerie im Alten Rathaus noch bis zum 3. Juni die Ausstellung „Lothar Günther Buchheim. Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso“.

Es ist eine Annäherung an das Seelenleben eines außergewöhnlichen Menschen. Auf die Frage eines Journalisten, warum manche Menschen mit seiner Art nicht klar kamen, antwortete Buchheim lakonisch: „Ich komme mit deren Art auch nicht klar.“ Artur Elmer, der über 20 Jahre hinweg eine engere Bekanntschaft mit dem 2007 verstorbenen Maler, Zeichner, Fotografen und Autoren pflegte, ist sich deshalb sicher: „Ich meine, Buchheim hat auch eine Würdigung in Aalen verdient.“ Deshalb die Ausstellung.

Sechs Ausstellung hat der Kunstverein in den vergangenen 30 Jahren dem Künstler aus Feldafing gewidmet. Die erste 1988, die Buchheim als Maler beleuchtete, die zweite 1997 mit dessen Frühwerk. Bei beiden Ausstellungen war Buchheim in Aalen. Es entwickelte sich so etwas wie eine Freundschaft. In Erinnerung ist den Aalenern auch noch die Ausstellung „Buchheim bunte Zirkuswelt“ im Jahr 1999.

Jetzt ist der Ansatz breiter, tiefer. Neben Arbeiten von Buchheim selbst, darunter Blätter, die er in den vermeintlich Goldenen 20ern als Zwölfjähriger gemalt hat, sind auch späte Arbeiten zu sehen. „Viele Frauenbildnisse“, fügt Elmer mit einem Schmunzeln an, denn die spielten eine große Rolle im abwechslungsreichen Leben Buchheims. Zu sehen sind auch Werke, die bisher nur im Buchheim-Museum zu sehen waren. „Wir wollen Buchheim eine Hommage widmen mit Dingen, die so in der Öffentlichkeit noch nie zu sehen waren“, sagt Elmer. Buchheim war, so Elmer, nicht nur ein „toller Autor oder Zirkusaficionado, sondern das Malen war seine ursprüngliche Profession – das wissen die wenigsten.“

Kunstverein stellt Beziehung zu anderen Künstlern her

Lothar Günther Buchheims Arbeiten stellt der Kunstverein in Beziehung zu dem, was ihn inspiriert hat: Picasso zum Beispiel, aber auch Max Beckmann oder den „Brücken“-Künstler Ernst Ludwig Kirchner. „Ich habe für diese Ausstellung Buchheims Favoriten ausgesucht“, sagt Artur Elmer beim Rundgang nicht ohne Stolz.

Im der oberen Etage hängt zum Beispiel ein Buchheim-Kopie des Kirchner-Werks „Die Russin“. Buchheim habe so versucht zu lernen, wie Kirchner vorging, wollte neue Techniken studieren.

Nur wenige Meter von der „Stadtnacht“ zur „Saalschlacht“

Von Max Beckmann, dem „Weltkünstler“, sind nicht nur beeindruckende Selbstbildnisse zu sehen, sondern auch die Serie „Stadtnacht“. Nur wenige Meter weiter hängen die frühen Werke von Buchheim. „Die Saalschlacht“ von 1933 zum Beispiel, die Buchheim als 14-, 15-Jähriger geschaffen hat. Ähnlichkeiten sind nicht von der Hand zu weisen, beiden Malern gelingt es, eine Welt, die aus der Ordnung, aus den Fugen gerät, eine Welt der Orientierungslosigkeit mit wenigen schwarzen Strichen einzufangen.

Dazwischen platziert der Kunstverein zeitgenössische Künstler, Arbeiten aus Japan, Arbeiten aus Afrika. Denn auch das Außereuropäische spielt in Buchheims Welt eine große Rolle, nicht erst seit einer längeren Reise nach Südostasien. „Afrikanische Kunst war eine wesentliche Inspirationsquelle für alle Künstler, die in dieser Ausstellung zu sehen sind“, erklärt Elmer, selbst profunder Kenner afrikanischer Kunst.

Buchheim war ein Sammler, ein, wie er selbt sagte , „Zusammenträger und Wiederausbreiter“. „Ich sammle, deswegen bin ich“, soll er einmal gesagt haben. Geprägt haben ihn wohl Kindheit und Jugend in Ostdeutschland in ärmsten Verhältnissen in den 1920ern, einer wirtschaftlich schwierigen Zeit mit dem totalen Absturz 1929 mit der Weltwirtschaftskrise. Geboren in Weimar, aufgewachsen in Chemnitz, Internat, Marine. So lernt man, den Wert der Dinge zu schätzen.

Und Elmer ist sich sicher, dass nur der ein guter Sammler sein kann, der was von der Materie versteht: „Buchheim hatte ein gutes Auge – als Zeichner, als Fotograf, als Autor, und eben auch als Sammler.“ Eine Sammler, so Elmer weiter, „mit dem missionarischen Tick, seine Sammlung auch anderen Menschen zeigen zu wollen“. So gesehen ist die Aalener Ausstellung ganz im Sinne von Lothar Günther Buchheim.

Die Ausstellung unter anderem mit Arbeiten von Lothar Günther Buchheim, Max Beckmann, Ernst Ludwig Kirchner und Pablo Picasso auf drei Stockwerken im Alten Rathaus ist noch bis zum 3. Juni zu folgenden Zeiten geöffnet: Dienstag bis Sonntag 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr, donnerstags bis 18 Uhr. Infos: www.kunstverein-aalen.de oder Telefon 07361 / 61553.

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