Angst vor "Gustav": New Orleans wird geräumt

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Deutsche Presse-Agentur

Aus Angst vor dem Monsterhurrikan „Gustav“ hat der Bürgermeister von New Orleans, Ray Nagin, für Sonntag die Zwangsräumung seiner Stadt angeordnet.

Die Bewohner der durch einen Hurrikan besonders gefährdeten westlichen Stadtteile sollten ab 8.00 Uhr (Ortszeit/15.00 Uhr MESZ) ihre Wohnungen verlassen. Gegen Mittag seien die Bewohner des Ostens der Stadt an der Reihe. In New Orleans leben rund 470 000 Menschen, im Großraum sogar 1,4 Millionen.

Nagin nannte am Samstag „Gustav“ nach Angaben des US- Nachrichtensenders CNN „die Mutter aller Stürme“. Die Einwohner hätten allen Grund ängstlich zu sein. „Das ist der Sturm des Jahrhunderts“, sagte Nagin weiter. Ob „Gustav“ New Orleans wirklich treffen wird, war nach Angaben von US-Meteorologen am Samstagabend (Ortszeit) noch unklar.

Am Samstag fegte „Gustav“ über Kuba hinweg. Meteorologen gehen davon aus, dass er bei seinem Weg über den Golf von Mexiko weiter Kraft tanken und die höchste Kategorie fünf erreichen könnte. Vor drei Jahren hatte der Wirbelsturm „Katrina“ große Teile von New Orleans verwüstet. Bisher starben durch den Hurrikan „Gustav“ in der Karibik mehr als 80 Menschen.

Am Samstag sind nach den Worten von Nagin bereits etwa 10 000 Menschen mit Bussen, Zügen und Flugzeugen aus der Stadt gebracht worden. Busse würden von Sammelstellen bis Mitternacht abfahren und den Verkehr wieder um 6.00 Uhr am Sonntag (Ortszeit) aufnehmen. „Der Sturm ist so stark und gewinnt jeden Tag mehr an Stärke“, sagte Nagin. Er sei nicht sicher, ob man so etwas schon gesehen habe. Wer in New Orleans bleiben wolle, werde dies möglicherweise als den größten Fehler seines Lebens bedauern, warnte Nagin. Die Stadt könne für Zurückgebliebene keine Notfalldienste anbieten. Es werde auch kein Notaufnahmelager geben wie 2005, als Tausende in der Betonkonstruktion der Sportarena, dem Superdome, Zuflucht fanden.

Nach Angaben der US-Luftwaffe erreichte „Gustav“ als Hurrikan der Kategorie vier am Samstag bereits Spitzengeschwindigkeiten von knapp 240 Stundenkilometer.

Die Behörden hatten bereits am Samstag damit begonnen, Gebiete an der Golfküste der US-Bundesstaaten Louisiana und Mississippi zu evakuieren. Tausende verließen daraufhin die Gebiete. Der Gouverneur von Louisiana,Bobby Jindal, warnte Bewohner vor möglicherweise verheerenderen Überschwemmungen als bei „Katrina“ vor drei Jahren. „Katrina“ kostete in der Gegend etwa 1600 Menschen das Leben. New Orleans wurde zu rund 80 Prozent überflutet.

„Gustav“ richtete am Samstag im Westen Kubas nach ersten Berichten offensichtlich erhebliche Zerstörungen an. In vielen Ortschaften, die zuvor zum Teil völlig evakuiert worden waren, wurden Häuser durch die mit über 200 Stundenkilometern wütenden Winde abgedeckt. Bäume und Strommasten stürzten um, Straßen standen nach den schweren Regenfällen unter Wasser. Auch aus der Hauptstadt Havanna wurde über Schäden berichtet. Meldungen über Tote lagen zunächst nicht vor.

„Gustav“ hatte sich über der größten Antilleninsel leicht abgeschwächt und erreichte am Samstagabend den Golf von Mexiko. Er schob sich in der Nacht zum Sonntag mit einer Geschwindigkeit von 25 Stundenkilometern nach Norden in Richtung US-Küste. Die Meteorologen gingen davon aus, dass er über dem offenen Meer erneut Kraft tanken und zu einem Hurrikan der Stufe fünf werden könnte.

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