Angehörige Alkoholkranker: Problem offen ansprechen

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Deutsche Presse-Agentur

Knapp zehn Liter reinen Alkohol trinkt jeder Deutsche pro Jahr. Das sei ein inakzeptabel hohes Niveau, kritisierte die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen in Hamm am Dienstag bei der Vorstellung ihres aktuellen Jahrbuches Sucht.

Denn Alkoholkonsum kann schnell bedenkliche Ausmaße erreichen: spätestens dann, wenn das Trinken zu einem bestimmten Zweck genutzt werde, sagte Hartmut Große, Geschäftsführer des Zentralen Dienstbüros der Al-Anon. Al-Anon ist ein Zusammenschluss von Selbsthilfegruppen für Angehörige und Freunde von Alkoholikern.

Anzeichen für eine Sucht sind zum Beispiel Zwecke wie „Ich trinke, um besser zu schlafen“ oder „Ich trinke, um besser drauf zu sein“. Für Angehörige ist der richtige Umgang mit einem alkoholkranken Partner schwierig. „Der persönliche Hintergrund spielt eine große Rolle, wann mir das Trinkverhalten des anderen auffällt“, sagte Große. Problematisch werde es, wenn Angehörige anfangen, sich dauernd Gedanken um den Betroffenen zu machen - etwa, ob dieser nun getrunken hat oder nicht, oder wie er sich deswegen fühlt. Der Experte riet davon ab, das Trinkverhalten beobachten zu wollen. Das könne leicht in Kontrollversuche ausarten.

Sinnvoller sei ein offener Umgang mit dem Thema, sagte Große. Das heißt: Der nicht-alkoholabhängige Partner sollte sich selbst fragen, „Was macht die Sucht mit mir?“ und dem Alkoholiker klar sagen, „Ich habe ein Problem mit Deinem Alkoholkonsum“. Das sei besser, als ihn zum Nicht-Trinken aufzufordern. Allerdings gelinge das meist nicht, weil Angehörige eine „Schere im Kopf“ haben. Sie redeten sich ein, das Alkoholproblem sei nicht so schlimm, schließlich würden andere Menschen ja auch trinken.

Das Hauptproblem der nahen Verwandten ist laut Große das Gefühl der Machtlosigkeit. Sie sehen durch die Alkoholsucht ihres Partners, „wie alles den Bach runtergeht und können es nicht aufhalten“.

Selbsthilfegruppen für Angehörige und Freunde von Alkoholikern: www.al-anon.de

Deutsche trinken nach wie vor zu viel

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