Analyse: Wettlauf um neue Technologien

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Deutsche Presse-Agentur

Mitten in der schweren Branchenkrise rüsten sich die Autobauer für die „grüne“ Zukunft. Ein Wettrüsten liefern sie sich zwar im Grunde schon seit Jahren. Aber während es bislang meist um schnittiger, schneller und stärker ging, dreht sich jetzt alles um die Schlagworte effizienter und innovativer. „Premium zu produzieren nur über PS wird in Zukunft wahrscheinlich nicht mehr genug sein“, sagte BMW-Chef Norbert Reithofer unlängst selbstkritisch.

Fieberhaft bereitet sich die Branche auf steigende Ölpreise und schärfere Umweltauflagen vor. Gefragt sind Hybridautos, elektrische Antriebe, Batterie- und Leichtbautechnik. Doch die Entwicklung dieser neuen Technologien, die noch Jahre dauern dürfte, kostet viel Geld. Um die Kosten im Griff zu behalten, versuchen die Hersteller, sie auf mehrere Schultern zu verteilen. Das Zauberwort lautet Kooperation. Der Stuttgarter Autokonzern Daimler kündigte denn auch an, mit seinem neuen Großaktionär, dem Emirat Abu Dhabi, bei der Entwicklung von Elektrofahrzeugen und neuen Verbundwerkstoffen zusammenzuarbeiten.

Erzrivale BMW entwickelt schon seit einiger Zeit Motoren mit dem französischen PSA-Konzern und denkt auch über den Verkauf von Aggregaten an andere Hersteller wie Alfa Romeo nach. Mit Daimler ist eine Kooperation beim Einkauf geplant. An Elektroautos basteln fast alle Hersteller.

Als Schlüssel für den Erfolg dieser Technik gilt die Entwicklung leistungsstarker und zugleich preiswerter Lithium-Ionen-Batterien. Mehrere Allianzen haben sich gebildet. Daimler etwa hat sich mit dem Industriekonzern Evonik verbündet, Volkswagen sitzt mit dem japanischen Technologiekonzern Toshiba in einem Boot, weitere Partner sind der Elektronikkonzern Sanyo und der Automobilzulieferer Bosch. Toyota hat sich mit Panasonic zusammengetan, Renault und Nissan mit NEC.

Lange hatte sich die deutsche Autoindustrie auf die Optimierung von Verbrennungsmotoren konzentriert. In den USA etwa wollen die deutschen Hersteller nach wie vor besonders mit umweltfreundlichem Diesel punkten. Dagegen setzt beispielsweise der japanische Autoriese Toyota auf Hybrid-Autos wie den Prius, dessen Verkaufszahlen allerdings vergleichsweise niedrig sind. Mit Blick auf Elektroautos kritisierte die IG Metall im Februar, der Großteil der deutschen Batterieindustrie habe die Entwicklung moderner und leistungsfähiger Batterien „völlig verschlafen“. Asiatische Unternehmen hätten einen großen Vorsprung. Die Herstellung von Elektromotoren müsse künftig genauso wie die Herstellung von Verbrennungsmotoren zur „Kernkompetenz“ eines Automobilherstellers gehören.

BMW scheint die Fühler derweil noch in eine andere Richtung auszustrecken. Mitte März stieg die Quandt-Erbin und BMW- Großaktionärin Susanne Klatten überraschend beim Wiesbadener Kohlenstoff-Spezialisten SGL Carbon ein. SGL produziert Werkstoffe und Produkte auf Kohlenstoffbasis vom Flugzeugbauteil bis zur Großelektrode für Stahlschmelzöfen. Einen direkten Zusammenhang mit ihrer BMW-Beteiligung wollte der BMW-Vorstand zwar nicht herstellen. „Grundsätzlich ist Leichtbau ein Thema von Bedeutung“, räumte BMW- Entwicklungschef Klaus Draeger aber ein. Natürlich spielten dabei auch Carbonfasern eine Rolle. Große Stückzahlen sehe er wegen der noch hohen Kosten aber nicht.

Bei allen strategischen Überlegungen scheinen große Allianzen à la BMW-Rover oder Daimler-Chrysler aus der Mode gekommen zu sein. Hohe Stückzahlen sind zwar wichtig, um Forschungsausgaben schnell wieder hereinzubekommen. Aber das allein reicht nicht. „Größe heißt nicht automatisch auch Gewinne“, sagt BMW-Chef Reithofer. Ein warnendes Beispiel liefert derzeit der US-Autokonzern General Motors, der nach Milliardenverlusten am Abgrund steht. Eine Überkreuzbeteiligung mit Daimler, über die zuletzt immer wieder spekuliert worden war, war denn auch schnell wieder vom Tisch. „Da sehen wir keine Vorteile“, sagt BMW-Finanzchef Friedrich Eichiner. Und auch von Daimler-Seite ist seit Sonntag alles klar. Das Emirat Abu Dhabi stieg mit 9,1 Prozent bei bei den Stuttgartern ein.

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