Analyse: Qimonda-Pleite nach jahrelangem Drama

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Deutsche Presse-Agentur

Die Pleite des Speicherchipherstellers Qimonda ist der vorläufig letzte Akt in einem jahrelangen Drama. Immer wieder hatte die krisengeschüttelte Tochter ihrem Mutterkonzern Infineon die Bilanzen verhagelt.

Den früheren Infineon-Chef Wolfgang Ziebart kosteten die Probleme bei Qimonda seinen Posten. Nach dem Insolvenzantrag wachsen nun die Sorgen um den Mutterkonzern, der selbst mit Milliarden-Verlusten kämpft. Schon bald dürften die Gläubiger bei Infineon Schlange stehen, fürchtet Wiegand Cramer, der für die IG Metall im Aufsichtsrat des Münchner Chipkonzerns sitzt: „Damit verschärfen sich alle Probleme von Infineon natürlich.“

Bis zur letzten Minute hatten die beteiligten Unternehmen, der Bund sowie die Freistaaten Bayern und Sachsen um eine Lösung für den Speicherchiphersteller gerungen. Erst nach einem Treffen in Berlin am Mittwochabend wurde allerdings bekannt, dass das wahre Ausmaß der Misere größter ist, als bislang befürchtet. Nach einem bereits zugesagten Hilfspaket über 325 Millionen Euro tat sich ein weiteres Finanzloch von 300 Millionen Euro auf. Nicht nur der Mutterkonzern Infineon soll davon kalt erwischt worden sein, sondern auch Vertreter aus der Politik und von Gewerkschaften. „Das hat mich total entsetzt“, sagt Cramer. Die unsichere Lage bewog letztlich auch die beteiligte Bank zum Rückzug.

Weltweit sind bei Qimonda jetzt rund 12 000 Arbeitsplätze in Gefahr, davon rund 4600 an den beiden deutschen Standorten in Dresden und München. Der vorläufige Insolvenzverwalter Michael Jaffé muss sich in den kommenden Tagen aber erst einmal einen Überblick über die Lage des Unternehmens verschaffen. Vorrangig gehe es jetzt darum, den Betrieb des Unternehmens aufrechtzuerhalten, sagt ein Sprecher Jaffés. Dazu stünden auch Gespräche mit Kunden und Lieferanten an. Auch auf politischer Ebene dürfte es weitere Gespräche geben. Allerdings war die verzweifelte Suche von Infineon-Chef Peter Bauer nach einem finanzkräftigen Investor bereits in den vergangenen Monaten ins Leere gelaufen.

Ohnehin dürfte die Konkurrenz froh sein um jeden Wettbewerber, der in der Halbleiter-Krise die Waffen streckt. Die Branche leidet unter einem dramatischen Preisverfall. Die Finanz- und Wirtschaftskrise machte zudem letzte Hoffnungen auf eine baldige Erholung zunichte. Die Probleme bei Qimonda gelten aber auch als hausgemacht. Von einem „eklatanten Mangel“ an marktgerechter Produktentwicklung und schweren Management-Fehlern spricht Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Seine Überzeugung: Qimonda war von Anfang an zu klein, um im Haifischbecken der Halbleiterbranche überleben zu können.

Der Vorstand des Unternehmens übt sich derweil in Zweckoptimismus. Man sehe „gute Chancen“, die zur Neuausrichtung notwendigen finanziellen Mittel in Verhandlungen mit potenziellen Geldgebern und Investoren zu bekommen, hieß es. Bei Branchen-Experten gibt es allerdings Zweifel, warum nach den jahrelangen Sanierungsbemühungen nun ausgerechnet mit der Insolvenz eine Besserung eintreten sollte.

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