Analyse: Opel sucht starken Partner

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Deutsche Presse-Agentur

Die Gefühle für die Mutter in Detroit sind beim Autobauer Opel schon lange abgekühlt. Der Haussegen hängt seit Jahren schief, weil sich die Adoptivtochter in Europa nicht von den Vorgaben des fernen General-Motors-Konzerns freischwimmen darf.

Und diese Vorgaben haben oft mit den Wünschen europäischer Autofahrer wenig zu tun. Doch ausgerechnet die größte Krise in der Geschichte von GM könnte das Dilemma bald beenden. Urplötzlich bringen die von der Insolvenz bedrohte Mutter und Opel erstmals öffentlich die Suche nach einem neuen Partner für die Marke mit dem Blitz ins Spiel.

GM-Chef Rick Wagoner hatte nach Vorlage des Sanierungsplans in den USA keinen Zweifel daran gelassen: Der schwächelnde Gigant braucht dringend Geld, muss Milliarden sparen und ist auf staatliche Hilfe angewiesen. Weltweit müssen 47 000 Arbeitsplätze abgebaut werden, auch Werkschließungen drohen. Die eigentliche Neuigkeit erwähnte der Mann an der Spitze des Autoriesen eher beiläufig: Bisher hat sich kein Interessent für Opel gemeldet. Mit anderen Worten: Opel steht zum Verkauf.

Postwendend meldeten sich auch GM-Europa-Präsident Carl-Peter Forster, Opel-Chef Hans Demant und Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz zu Wort: „Wenn es Sinn macht, ist das Management auch bereit, über Partnerschaften und Beteiligungen mit Dritten zu verhandeln.“ Die Traditionsmarke steht also möglicherweise vor der Trennung von GM, die Suche nach einem strategischen Partner hat begonnen - denn alleine kann der vergleichsweise kleine Autobauer Opel nicht überleben. Das sieht auch Betriebsratschef Franz so. Der „Bild“-Zeitung (Donnerstag) sagte er: „Strategische Allianzen sind entscheidend, um Kosten zu sparen. Wenn im Verbund fünf Millionen statt 1,6 Millionen baugleiche Teile wie Kühler eingekauft werden, ergibt das 30 bis 40 Prozent Einspareffekt.“

Die Nachricht dürfte nicht nur bei den rund 25 000 Mitarbeitern in den vier deutschen Werken wie ein Blitz eingeschlagen haben. Auch Autoexperten wie Wolfgang Meinig von der Forschungsstelle Automobilwirtschaft (FAW) der Universität Bamberg sind begeistert: „Die Partnersuche ist das einzig Vernünftige. Ich fordere seit zehn Jahren, dass sich Opel aus den Fängen von GM befreit, denn GM ist ein schlechter Partner.“ Die Konzernspitze in Detroit sei machtbewusst und entscheide über die Modellpolitik und das Design bei Opel. „Aber sie hat sich nie darum gekümmert, was der europäische Kunde will.“

Meinig hält eine vollständige Trennung für das Beste. Das schließe Kooperationen etwa bei der Nutzung des Entwicklungszentrums in Rüsselsheim aber nicht aus. Er zweifelt jedoch daran, dass GM sich ohne weiteres von der gesunden Tochter trennen wird: „Möglicherweise ist eine Insolvenz der einzige Weg, Opel zu verselbstständigen.“ Die GM-Tochter Saab steht jedenfalls kurz vor der Insolvenz. Denn die schwedische Regierung weigerte sich, Saab zu helfen: Auch, weil sie vermeiden wollte, dass das Geld schwedischer Steuerzahler bei GM versickert. Auf dem Weg in die Selbstständigkeit muss Opel nach Meinigs Einschätzung noch eine weitere Hürde überspringen. Wegen der Wirtschaftskrise haben auch die potenziellen Opel-Partner derzeit kein Geld. „Ich sehe keinen möglichen Interessenten im Moment.“

Eine Vision davon, wie Opel in zwei bis drei Jahren aussehen könnte, hat Aufsichtsratsmitglied Armin Schild entwickelt. Der Leiter des IG-Metall-Bezirks Frankfurt sagt voraus: „GM wird weiterhin dabei sein, aber nur als ein Anteilseigner von mehreren.“ Opel und GM werden nach seiner Prognose weiter gemeinsam forschen und entwickeln oder kostengünstiger einkaufen.

„Opel kann technologisch in der Weltspitze mitfahren“, sagt Schild. „Aber Opel kann nicht allein stehen.“ Als Partner komme im Prinzip jeder Autokonzern in Betracht: „Aber beide Seiten müssen unterschiedliche Stärken und Schwächen haben.“ Die Allianz könne mit einem Hersteller aus Europa oder Fernost geschmiedet werden, der Interesse an den Vertriebsstruktur von Opel habe.

Bei aller Aufbruchstimmung bleibt aber ein Problem ungelöst: Auch ein eigenständiger Autobauer Opel müsste Überkapazitäten abbauen und Stellen streichen. Das weiß der Bochumer Opel-Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel: „Auch bei einer Zukunft ohne GM ist die schwere Krise nicht gelöst.“

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