Analyse: Linke schafft ersten Wiedereinzug im Westen

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Deutsche Presse-Agentur

Im Karl-Liebknecht-Haus herrscht Genugtuung. Es ist zwar nur eine kleine Anhängerschar, die sich am Sonntagabend in der Bundesparteizentrale der Linken in Berlin versammelt hat, aber als die ersten Hochrechnungen der hessischen Landtagswahl auf den Bildschirmen erscheinen, ist der Jubel riesig.

Anspannung weicht von Gesichtern, einem Mann steigen die Tränen in die Augen, ein anderer schreit lange „Ja!“. Die Linke-Abgeordnete und Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau mahnt gewohnt nüchtern, erste Hochrechnungen von 5 Prozent seien für eine Partei ein „schmaler Grat“. Aber sollte die Linke nach einem turbulenten Jahr in Hessen und einem gegen sie gerichteten „Medien- Wahlkampf“ wieder in das Landesparlament in Wiesbaden einziehen, sei das ein „wirklicher Erfolg“.

Am Sonntagabend sah es nach einer Punktlandung von 5,1 Prozent aus - das Ergebnis der Wahl vor nur einem Jahr, als die Linke erstmals im Flächenland Hessen in den Landtag kam. Und so jung ihre Geschichte dort ist - Bundestagsfraktionschef Gregor Gysi kann bei der Wahlparty in Berlin sagen, dass die Linke erstmals den Wiedereinzug in einen westdeutschen Landtag geschafft habe. Und darüber freue er sich „so wahnsinnig“, weil die Linke nun ein „konstanter Faktor“ sei.

Bis zuletzt hatten Gysi und Parteichef Oskar Lafontaine in Hessen Wahlkampf gemacht. Sie wurden nicht müde, die SPD als die Schuldige für die missglückte Bildung einer von der Linken tolerierten rot-grünen Minderheitsregierung in Hessen zu beschimpfen. Die Sozialdemokraten und nicht die Linken seien die unsicheren Kantonisten gewesen. Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch frohlockt: Die SPD werde wohl nie mehr vor einer Landtagswahl ein Bündnis mit der Linken ausschließen.

Vor den weiteren Wahlen in diesem Jahr muss der Linken nicht bange sein. Mit Landtagswahlen in Thüringen, Sachsen und Brandenburg hat sie quasi „Heimspiele“. Dort will sie um die „vorderen Plätze“ kämpfen. Die größten Chancen dürfte sie in Thüringen haben, wo ihr derzeit 30 Prozent der Stimmen vorausgesagt werden. Damit liegt sie nur knapp hinter der CDU. Der stellvertretende Bundestagsfraktionschef Bodo Ramelow tritt als Kandidat für das Ministerpräsidentenamt an.

Nach dem höchsten Amt in einem Bundesland strebt die Linke auch noch in einem westdeutschem Bundesland: im Saarland. Dort will Lafontaine persönlich kurz vor der Bundestagswahl die politischen Verhältnisse durcheinanderwirbeln. Ziel ist, Druck auf die SPD zu machen, rot-rote Bündnisse einzugehen um große Koalitionen mit der Union zu vermeiden. Die Landtagswahl in Hessen sei ein „guter Auftakt“ für das Superwahljahr 2009, sagt Gysi.

Nur bei der Bundespräsidentenwahl am 23. Mai gilt die Linke als chancenlos. Ihr Kandidat, der Schauspieler Peter Sodann, wird nach eigener Einschätzung gegen Amtsinhaber Horst Köhler und die SPD-Kandidatin Gesine Schwan nur die „Bronzemedaille“ gewinnen und den letzten Platz der drei Bewerber belegen.

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