Analyse: Krisengerede könnte Konsum bald bremsen

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Deutsche Presse-Agentur

Vielleicht sollte man es in Deutschland machen wie beim dänischen Schilderhersteller Nonbye: Der hat seinen Mitarbeitern einfach verboten, das Wort „Krise“ in den Mund zu nehmen.

Denn nach Einschätzung von Konsumforschern ist es zu 50 Prozent Psychologie, ob die Verbraucher ihr Geld in die Kaufhäuser und zum Autohändler tragen, oder ob sie es lieber auf dem Sparkonto liegenlassen. Bislang geben sich die Deutschen noch erstaunlich unbeeindruckt von Entlassungen, Kurzarbeit und düsteren Wirtschaftsprognosen.

Dennoch zeigen die vielen Krisenmeldungen Wirkung: Immer mehr Bürger sorgen sich um den eigenen Arbeitsplatz. Als Folge könnte auch die Kauflaune sehr bald deutlich nachlassen.

Derzeit stellt die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bei ihren Messungen der Verbraucherstimmung eine seltsame Diskrepanz fest: Die Bürger beurteilen die Entwicklung der Konjunktur und die Lage auf dem Arbeitsmarkt immer pessimistischer, zeigen sich zugleich aber kauffreudig und geben ordentlich Geld aus. Das galt schon für das Weihnachtsgeschäft, und der Trend hat sich im Januar fortgesetzt. Die Konsumneigung ist sogar nochmals kräftig gestiegen und hat erstmals seit August 2007 wieder einen positiven Wert erreicht. Der Einzelhandel spürt das unmittelbar: Man sei derzeit recht zufrieden und solle das Jahr nicht vorzeitig abschreiben, sagte der Sprecher des Branchenverbands HDE, Hubertus Pellengahr.

Nach Einschätzung des GfK-Experten Rolf Bürkl gibt es für den stabilen Konsum mehrere Gründe. „Wir zehren von den guten Tarifabschlüssen des vergangenen Jahres“, sagte er im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Außerdem sei die Inflationsrate gering. Die Konjunkturpakete sorgten zusätzlich für eine Entlastung der Bürger, und ein weiterer „Geldsegen“ warte auf die Verbraucher durch Rückzahlungen nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Pendlerpauschale.

Auf Dauer freilich kann sich die Kauflaune nach Bürkls Worten nicht von den anderen Indikatoren des Konsumklimas abkoppeln: „Hier besteht ein Zusammenhang.“ Sollte die Talfahrt der Konjunktur- und Einkommenserwartungen anhalten, so wird dies früher oder später auch auf die Konsumneigung durchschlagen. Entscheidend ist nach Einschätzung der Konsumforscher dabei die Lage auf dem Arbeitsmarkt.

„Die Angst vor Arbeitslosigkeit hat sich noch immer als Konsumbremse herausgestellt“, sagt Bürkl. GfK-Chef Klaus Wübbenhorst hat den Effekt einmal auf die einfache Formel gebracht: „Ein Arbeitsloser macht 150 Beschäftigten Angst“. Wenn also der weltgrößte Autozulieferer Bosch Stellenabbau ankündigt, die Bundesagentur für Arbeit eine sinkende Nachfrage nach Arbeitskräften konstatiert und sogar Europas größter Softwarehersteller SAP den Rotstift ansetzt - dann beginnt ein psychologischer Teufelskreis, der die Hoffnungen auf ein moderates Wachstum des privaten Konsums in diesem Jahr rasch zunichtemachen könnte.

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