Analyse: Koch und Hahn - Zwei Freunde für Hessen

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Deutsche Presse-Agentur

Die Freunde Roland Koch (50) und Jörg-Uwe Hahn (52) haben lange darauf warten müssen, in Hessen zusammen regieren zu dürfen. Die Spitzenmänner von CDU und FDP im Land haben vieles gemeinsam. Beide sind seit Schülertagen in ihren Parteien aktiv.

Koch, geboren 1958 in Eschborn, gründete mit 14 Jahren einen Ortsverband der Jungen Union. Hahn, geboren 1956 in Kassel, trat 1973 der FDP bei. Beide wurden Rechtsanwälte. Beide laufen gern Ski, frühere Winterurlaube verbrachten sie zusammen. Beide haben zwei Kinder, beide ergrauten früh.

1987 zogen Koch und Hahn erstmals in den Landtag ein. Dort machte Koch als der Jüngere schneller Karriere: 1993 wurde er Fraktionsvorsitzender, 1998 Landesparteichef, 1999 Ministerpräsident. Hahn wurde 1999 Fraktionschef, seit 2005 führt er auch die Partei.

Die Unterschiede liegen nicht nur in den musikalischen Begabungen. Koch durfte als arger Brummer bei den Sternsingern nicht singen, sondern musste sich auf die Blockflöte verlegen. Hahn meisterte zu Schulzeiten ein so heikles Instrument wie das Fagott; er singt auch passabel, wie ein Wettbewerb im Radio vor drei Jahren zeigte.

Koch ist seit Jahren ein bundespolitisches Schwergewicht. An kaum einem Politiker scheiden sich die Geister derart: Für die einen ist er Hoffnungsträger der Konservativen und Marktliberalen, für die anderen ein ausländerfeindlicher Scharfmacher. Koch ist ein guter Redner und verfügt über enorme Sachkenntnis, gerade in kniffeligen Wirtschafts- und Finanzfragen. Doch wenn es um den Machterhalt der CDU geht, kann Koch skrupellos in die Trickkiste greifen. Im Jahr 2000 überstand er den Skandal um schwarze Kassen bei der Hessen-CDU.

Hahn dagegen ist bislang nur als fleißiger Arbeiter im bescheidenen Rahmen des Wiesbadener Landtags aufgefallen. Im Plenum redet er gut, seine eigenen Parteitage vermag er indes kaum zu begeistern. Im Vergleich zu dem weltläufigen Koch wirkt er bieder. Hahn tickt eher konservativ-liberal als sozial-liberal.

Hahns größte Stärke oder Schwäche - je nach politischer Sichtweise - sind seine Standfestigkeit und seine Treue zu Koch. Trotz der schwarzen Kassen der Union hielt Fraktionschef Hahn an der Koalition mit Koch fest - gegen den Rat des damaligen FDP-Bundesvorsitzenden Wolfgang Gerhardt, aber in Abstimmung mit dem kommenden Parteichef Guido Westerwelle.

Auch in den unklaren Machtverhältnissen in Hessen 2008 widerstand Hahn allen Lockungen von SPD-Chefin Andrea Ypsilanti, doch in eine Ampel-Koalition einzusteigen. Keine Partei bewegte sich in dem bewegten Jahr so wenig wie die FDP. Für Hahn behielt eine Regierung des bürgerlichen Lagers mit Koch Vorrang - auch darin wusste er sich mit Westerwelle einig. Mit dem Einzug in die hessische Regierung, verbunden mit einer neuen FDP-Sperrminorität im Bundesrat, hat sich nun auch Hahn bundespolitische Bedeutung erkämpft.

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