Analyse: Harte Zeiten für Reisende

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Deutsche Presse-Agentur

Harte Zeiten für Reisende: Noch während am Mittwoch ein sechsstündiger Ausstand den Flugverkehr der Lufthansa behinderte, verkündeten die Gewerkschaften Transnet und GDBA für diesen Donnerstag erste Warnstreiks bei der Bahn.

An neun Standorten zwischen Hamburg und München sollen mehrere hundert Beschäftigte von 4.30 Uhr an bis in den späten Vormittag die Arbeit niederlegen. Auf zehntausende Pendler quer durch die Republik kommen damit erhebliche Störungen und Verspätungen im morgendlichen Berufsverkehr zu. Nach 439 streikfreien Tagen gerät der bundeseigene Konzern wieder unter verschärften Druck der rivalisierenden Arbeitnehmerorganisationen.

Die Stimmung der Gewerkschafter war frostig, als sie nach der dritten Gesprächsrunde aus dem Tagungsraum in einem Frankfurter Hotel traten. „Die Temperaturen draußen sind wärmer als das, was am Verhandlungstisch sich abgespielt hat“, meinte Transnet-Chef Alexander Kirchner. Und GDBA-Vize Heinz Fuhrmann schimpfte: „Wenn der Arbeitgeber sich weiterhin so schneckenhaft verhält wie er es bisher gemacht hat, dann sehen wir allerdings schwarz, dass wir uns einigen können.“ Nach fünfstündigem Ringen waren sich beide Seiten sogar uneins darüber, ob der Konzern nun überhaupt ein neues Angebot vorgelegt hatte oder nicht. Hauptstreitthema ist die Forderung nach besser planbaren Arbeitszeiten für 130 000 Eisenbahner.

Als „Warnsignal an die Arbeitgeber“ machten Transnet und GDBA denn auch prompt ihre Drohung mit Warnstreiks wahr, zu denen sie bereits am Montagabend allgemein aufgerufen hatten. Die Schwerpunkte sollen in Köln, Düsseldorf, Bremen, Hamburg, Berlin, Saalfeld (Thüringen), Magdeburg, Nürnberg und München sein. Für einige Stunden die Arbeit niederlegen sollen Bahner „unterschiedliche Beschäftigungsgruppen“ von Zugbegleitern über Wagenmeister und Servicekräfte bis zu Technikern in Werkstätten. Da unter den neun Warnstreik-Standorten wichtige Knotenpunkte wie Berlin, München oder Köln sind, dürfte es noch weit darüberhinausgehende Folgen für die Fahrgäste geben.

Es müsse mit spürbaren Auswirkungen auf den Zugverkehr gerechnet werden, warnten Transnet und GDBA bereits. Allerdings werde der Betrieb „auch mit Rücksicht auf die Bahnkunden nicht vollständig lahmgelegt“. So sollen Berufspendler in Hamburg und Berlin, die mit der S-Bahn fahren, von Beeinträchtigungen verschont bleiben. Mit Blick auf die weitere Tarifauseinandersetzung könne es außerdem noch vonnöten sein, „steigerungsfähig zu sein“. Eine Fortsetzung der Warnstreiks am Freitag oder Montag sei zunächst aber nicht geplant.

Bei der Bahn löste das Startsignal für den Ausstand Unverständnis aus. Es sei unnötig, Druck auszuüben, meinte Personalvorstand Norbert Hansen, der zuvor selbst lange Jahre Transnet-Boss war. „Wir bewegen uns seit letzter Woche täglich.“ Transnet und GDBA sollten die Kunden verschonen, zumal ein neues Angebot deutlich über die bisherigen Vorschläge hinausgehe. Und auch zur nächsten Runde an diesem Freitag wolle er nicht mit leeren Händen kommen. Dann muss Hansen wieder zweigleisig verhandeln, wenn die Parallel-Gespräche mit der kleineren Lokführergewerkschaft GDL weitergehen. Sie hatte der Bahn beim vorigen Mal einen beispiellosen Tarifkampf geliefert.

Auch bei der Lufthansa sind gleich mehrere Gewerkschaften in einem Konzern vertreten. Hier probt erstmals die Vereinigung Unabhängiger Flugbegleiter (UFO) einen Arbeitskampf und will dem Arbeitgeber zeigen, dass auch die Stewardessen und Stewards zu Streiks fähig sind. Denn diese Berufsgruppe galt bislang als wenig kampfeslustig. Mit ihrer sechsstündigen Aktion sorgte sie am Mittwoch für 80 Flugausfälle. Das sind zwar im Vergleich zum globalen Angebot der größten deutschen Airline nicht sehr viele - aber immerhin fast doppelt so viele wie bei einem dreistündigen Warnstreik in der Vorwoche. Und die kleine Spezialgewerkschaft gibt sich selbstbewusst: Wenn Lufthansa kein neues Angebot im Tarifstreit vorlege, werde notfalls per Urabstimmung auch der Weg für unbefristete Streiks freigemacht.

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