Analyse: Eine perfekte Landung - im Wasser

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Deutsche Presse-Agentur

Es war die perfekte Landung: Nur setzte Kapitän Chesley Sullenberger (57) den voll besetzten Airbus A320 nicht planmäßig auf einer Runway im Süden ab, sondern auf der glitzernden Oberfläche des New Yorker Hudson River.

Was sich in den wenigen Minuten vom Start auf dem LaGuardia Flughafen und der spektakulären Notwasserung vor Manhattans Wolkenkratzerkulisse an Bord abspielte, beschrieb die Passagierin Elizabeth McHugh als „Big Bang“ („Urknall“). Bill Zuhowski, der sich gerade auf seinem Sitz in Reihe 23 ausgestreckt hatte, sah Flammen aus dem linken Triebwerk kommen. Andere Reisende bemerkten den Geruch von Rauch. „Dann wurde es totenstill“, sagte Fred Baretta später dem Nachrichtensender CNN.

John Howell, ein Passagier auf dem Heimweg zum Zielflughafen Charlotte (US-Bundesstaat North Carolina), klärte seine Sitznachbarn auf: „Wir sind mit einer Schar großer Vögel zusammengestoßen“. Bald darauf ertönte die ruhige Stimme des Kapitäns. Sullenberger bat seine 150 Fluggäste, sich auf einen harten Aufprall einzustellen. Zuhowski ging, wie er sich nach der Rettung auf festem Boden erinnerte, nur eines durch den Kopf: „Wie bereitet man sich auf den Absturz seines Flugzeuges vor?“

Augenzeugen trauten ihren Augen kaum, als sie die US-Airways- Maschine lautlos vom Himmel gleiten und nach einer offensichtlich glimpflichen Landung langsam in den eisigen Fluten versinken sahen. In Windeseile waren Rettungsboote und Fähren an der Unglücksstelle, mehrere Freizeitkapitäne boten an, Überlebende an Bord zu nehmen. Dank des besonnenen Einsatzes der Crew und der beherzten Helfer war das Wrack in etwa fünf Minuten geräumt und alle 150 Passagiere wurden vor dem Tod durch Erfrieren oder Ertrinken bewahrt.

Etliche Menschen kletterten in Panik auf die Tragflächen und warteten dort auf ihre Rettung, andere rutschten ins Wasser und mussten später wegen Unterkühlung im Krankenhaus behandelt werden. Die meisten Passagieren, darunter auch eine Frau mit einem Baby, gelangten aber rechtzeitig in Rettungsboote. Das Unglück spielte sich an einem der bisher kältesten Tage dieses Winters mit starkem Frost und bei einer Wassertemperatur knapp über dem Gefrierpunkt ab.

Bürgermeister Michael Bloomberg und der Gouverneur des Staates New York, David Paterson, begrüßten die Geretteten an der Anlegestelle. „Dies könnte einer der großartigsten Tage in der Geschichte der New Yorker Dienste sein“, triumphierte Paterson und sprach vom „Wunder auf dem Hudson“. Bloomberg rühmte vor allem die Meisterleistung des Piloten, der den 80 Tonnen schweren Koloss ohne ein Triebwerk gelandet hatte. Sanitäter versorgten die Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder mit Decken und warmen Getränken und brachten die Verletzten in Krankenhäuser.

Derweil machten sich Experten der US-Flugsicherheitsbehörde NTSB an die Ermittlung der Unglücksursache. Zwar ist die Gefahr von Vögeln, in diesem Fall wahrscheinlich Wildgänsen, für laufende Triebwerke hinlänglich bekannt und gefürchtet. Dass aber gleich beide Motoren durch „Vogelschlag“ ausfallen, sei eine absolute Seltenheit mit einem Risiko von vielleicht „eins zu einer Million“.

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