587 Coronafälle wurden im Schwarzwald-Baar-Kreis seit Ausbruch der Pandemie festgestellt. Es gab 31 Tote.
587 Coronafälle wurden im Schwarzwald-Baar-Kreis seit Ausbruch der Pandemie festgestellt. Es gab 31 Tote. (Foto: sbo)
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Die Zahlen sind weitgehend stabil, viele atmen auf. Doch bewältigt ist die Corona-Krise noch nicht. Die erste Welle scheint im Griff zu sein. Nun wappnet man sich im Gesundheitsamt des Schwarzwald-Baar-Kreises für eine mögliche zweite.

Nachdem am 27. Januar die erste am Coronavirus infizierte Person in Deutschland registriert wurde, bildete das Gesundheitsamt ein Corona-Team und startete eine wöchentliche Berichterstattung. Für Gesundheitsamtsleiter Jochen Früh ist aktuell wichtig, dass die Maßnahmen, wie zum Beispiel die infizierten Personen und Kontaktpersonen abzusondern, weitreichend zu testen und die Abstandsregeln einzuhalten, weitergeführt werden. „Wir müssen die aktuelle Ruhephase zwischen der abgelaufenen und einer eventuellen zweiten Welle nutzen, um Ressourcen auszubauen, Prozesse zu vereinfachen und das Gesundheitswesen nachhaltig für solche Gesundheitsverfahren zu digitalisieren und zu vernetzen.“

Die erste registrierte Sars-CoV2-Infektion im Schwarzwald-Baar-Kreis trat am 4. März an einer Furtwanger Schule auf. Diese wurde sofort geschlossen, Kontaktpersonen des infizierten Lehrers, der außerhalb des Landkreises wohnte, wurden nachverfolgt. Am 7. März wurde erstmals ein Bürger des Landkreises aus St. Georgen infiziert. Die Fallzahlen stiegen. Landrat Sven Hinterseh rief den Verwaltungsstab am 17. März ein. Ab dann wurden regelmäßig Telefonkonferenzen mit den Bürgermeistern, Ärzten, Rehakliniken, dem Klinikum und der Presse geführt.

Auf dem Messegelände in Schwenningen wurde am 21. März die zentrale Abstrichstelle aufgebaut, die durch die Kassenärztliche Vereinigung betrieben wurde. Zwei erste Todesfälle im Schwarzwald-Baar-Kreis wurden am 27. März gemeldet. Die Fieberambulanz ging am 20. März in der Tennishalle in Schwenningen in Betrieb – die Einrichtung am Messegelände wurde eingestellt.

„Uns war und ist es weiterhin wichtig, dass wir schnell, frühzeitig und umfassend Maßnahmen ergreifen“, betont Gesundheitsamtsleiter Jochen Früh. Deshalb wurden positiv bestätigte Covid-19-Erkrankte und deren Kontaktpersonen abgesondert. Das Gesundheitsamt nahm direkt Kontakt mit der erkrankten Person auf. „In den meisten Fällen können wir die Personen telefonisch erreichen. Wenn das nicht möglich ist, fährt unser Mitarbeiter den Befund mit der Quarantäneverfügung an die ermittelte Anschrift, mit dem Hinweis, dass die Person mit dem Gesundheitsamt Kontakt aufnehmen muss“, erläutert Früh. Bei den Kontaktpersonen dauert die Quarantäne 14 Tage ab dem letzten Kontakt zum Infizierten. Für Personen, die in systemrelevanten, medizinischen Bereichen tätig sind, liegt die Verantwortung bei den Direktionen.

Auch das Erfassen der Kontaktpersonen ist ein Kraftakt. Das Ermittlerteam befasst sich damit, dass die Kontaktpersonen schnell erfasst und unverzüglich unter Quarantäne gestellt werden. Ein weiteres Team erstellt die Liste der Kontaktpersonen. Sind diese gefährdet, wird nach sofortiger mündlicher Anordnung eine 14-tägige Quarantäne verhängt, die schriftliche Verfügung folgt.

Mit Stand zum 26. Mai ermittelte das Gesundheitsamt im Kreis 6584 Kontaktpersonen. „Das erfüllt die vorgegebene Richtzahl pro Fall“, hält Jochen Früh fest. „Der Aufwand, die Kontaktpersonen zu ermitteln, abzusondern und zu überwachen, ist sehr hoch. Wir gehen davon aus, dass ungefähr drei von zehn der Erkrankten zuvor selbst bereits formell als Kontaktpersonen unter Beobachtung standen. Die Erfahrung zeigt, dass das zügige telefonische Absondern sinnvoll und effektiv ist.“

Um bei einer eventuell zweiten Welle vorbereitet zu sein, stellt sich das Gesundheitsamt bei der Kontaktpersonenermittlung personell noch breiter auf. Sukzessive werden Mitarbeiter aus anderen Bereichen der Kreisverwaltung eingearbeitet.

Zudem hat das Gesundheitsamt eine Bürgerhotline eingerichtet, die täglich besetzt ist (ab 1. Juli nur von Montag bis Freitag). Auf zwölf Telefonleitungen werden Bürger zur Corona-Pandemie informiert, zum Beispiel zu Gesundheitsfragen, Reisen und Risikogebieten oder zur Corona-Verordnung. Innerhalb von drei Monaten waren über 15 000 Anrufe zu verzeichnen. „An einzelnen Tagen wurden bis zu 800 telefonische Anfragen beantwortet, im Durchschnitt wurden zwischen 400 und 500 Anrufe entgegengenommen“, so Früh.

Das Gesundheitsamt hat den Alten- und Pflegeeinrichtungen im Landkreis eine hohe Priorität eingeräumt. Für das Ausbruchsmanagement wurde ein Arzt bereitgestellt. Er berät zu Hygienekonzepten, sucht die Pflegeeinrichtungen auf und führt bei Bedarf Abstriche durch. In 18 der 33 Einrichtungen wurde vollständig getestet. Bei Ausbruch der Erkrankung in solchen Einrichtungen sei zu befürchten, dass die Zahl der Todesopfer steigt.

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