Am Freitag entscheidet sich die Zukunft der OSK

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Schwäbische Zeitung

Der Zeitplan zur Schließung von Standorten der Oberschwabenklinik (OSK) steht jetzt fest. Spätestens zum 31. März kommenden Jahres soll das Krankenhaus Isny geschlossen werden, die Klinik in Leutkirch zum 30. Juni. Das schlägt die Kreisverwaltung dem Kreistag in seiner Sondersitzung am Freitag in Schlier-Wetzisreute vor, wie die Schwäbische Zeitung aus gut unterrichteter Quelle erfahren hat. Gynäkologie und Notaufnahme in Leutkirch sollen bereits Ende diesen Jahres den Betrieb einstellen. Der Krankenhausstandort Bad Waldsee wird in einem fließenden Übergang in eine Fachklinik für Gelenkchirurgie umgewandelt. Die Betten der Inneren Abteilung sollen nach und nach abgebaut werden.

Damit folgt die Verwaltung einem Vorschlag des BAB-Gutachtens, dem sogenannten Szenario 3. Es wird erwartet, dass die Standortschließungen am Freitag mindestens mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit verabschiedet werden. Die Isnyer, Leutkircher und Aitracher haben im Kreistag nur elf von 72 Mandaten.

Mit den Standortschließungen allein können kurzfristig nur 1,3 Millionen Euro im Jahr eingespart werden, daher beginnt nach dem Kreistagsbeschluss für die OSK die eigentliche Arbeit. Die Bremer Gutachter haben ein weiteres Einsparpotenzial in zweistelliger Millionenhöhe ausgemacht. Gemeinsam mit der Unternehmensberatung Kienbaum und Partner sollen im nächsten halben Jahr Vorschläge erarbeitet werden, wie das Defizit - die OSK machten 2011 allein acht Millionen Euro Miese, etwa zehn Millionen Euro sollen 2012 hinzukommen - verringert werden kann. Gleichzeitig laufen nach SZ-Informationen gerade Verhandlungen über einen Notlagentarifvertrag mit Verdi.

Auf die Drohung der Stadt Isny, gegen die Schließung ihres Standortes klagen zu wollen unter Berufung auf eine Vereinbarung aus dem Jahr 1970, reagiert der Kreis mit einer Kündigung dieser Vereinbarung, die der Kreistag am Freitag ebenfalls beschließen soll. Zudem will der Kreis der Stadt Isny den Rückkauf der Krankenhausimmobilie anbieten. Die dortigen Planbetten sollen jedoch keinesfalls zurückgegeben werden, sondern fallen innerhalb des Klinikums Westallgäu an das Krankenhaus Wangen, das von der Strukturreform der OSK deutlich profitieren soll.

Das BAB-Gutachten offenbart im übrigen ein interessantes Detail am Rande: Selbst wenn die OSK nicht in finanziellen Nöten wäre, könnten kleine Häuser wie Isny und Leutkirch dauerhaft nicht überleben: „Medizinische Qualität hängt entscheidend von den Ärzten ab, die für einen Klinikstandort zu gewinnen sind. Bereits heute erleben wir, dass Stellen an kleineren Häusern in vielen Fällen nur noch scher zu besetzen sind“, so die OSK in einer Stellungnahme. Eine zunehmende Differenzierung der Medizin und die Ausbildung zum Facharzt zwinge junge Mediziner geradezu in größere Häuser.

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