Altersmedizin und Gesundheitsversorgung stehen vor Herausforderungen

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Bernd Meyjohann von der Asklepios Klinik in Lindau. (Foto: Fotostudio Jacobs)

Das Thema „Gesundheitsversorgung älterer Menschen im ländlichen Raum“ hat eine studentische Projektgruppe der HafenCity Universität Hamburg sowie der Zeppelin Universität Friedrichshafen jüngst bei einem Gedankenaustausch in der Stiftung Liebenau in den Fokus der Überlegungen gestellt. Ein stetiger Wandel stelle gerade den ländlichen Raum vor vielfältige Herausforderungen. So würden nicht wieder besetzte Arztpraxen die Gesundheitsversorgung und auch den Bestand örtlicher Apotheken gefährden, längere Wege und größere Wartezeiten seien die unabdingbare Folge.

Verschärft werde die Lage dadurch, dass gerade ältere Menschen weniger mobil und noch dazu häufiger krank seien. Um hier präventiv zu wirken, hatte die Studentengruppe mit Wolfgang Loos als geschäftsführendes Vorstandsmitglied der deutschen Gesellschaft für Telemedizin sowie Altersmediziner Bernd Meyjohann zwei kompetente Fachleute zum Gedankenaustausch geladen. Loos erläuterte zunächst die aktuelle Entwicklung der Telemedizin. Bei diesem neuen Tätigkeitsfeld im Gesundheitswesen geht es vornehmlich um die Erbringung medizinischer Dienstleistungen in Überwindung räumlicher Entfernungen und dies mit Hilfe moderner Informations- und Kommunikationsmittel.

„Die Telemedizin ist in der Patientenversorgung angekommen“, so die klare Feststellung Loosers. Gerade bei der Versorgung älterer Menschen im ländlichen Raum sieht er große Chancen und Möglichkeiten. Als unabdinglich sieht Loos dabei den raschen Aufbau verlässlicher Infrastrukturen sowie die Anpassung an medizinische Bedürfnisse. Ziel müsse es auch sein, telemedizinische Leistungen möglichst schnell in die Regelversorgung zu bringen. Positiv sieht Loos die zunehmende Wahrnehmung und Akzeptant der Telemedizin in der Politik und bei den Leistungserbringern.

Über seine Bemühungen, an der Asklepios Klinik Lindau den Fachbereich Altersmedizin auf- und auszubauen, informierte Chefarzt Bernd Meyjohann. Für den Altersmediziner sind die Erreichbarkeit medizinischer Versorgungseinrichtungen sowie die Angemessenheit und Wirksamkeit der Versorgung die wesentlichen Aspekte einer nachhaltigen Gesundheitsversorgung. Statistische Zahlen untermauern eindrücklich die Sichtweise des Mediziners. So dürfte 2028 im Landkreis Lindau jeder achte Bürger älter als 75 Jahre sein, und auch die prognostizierte Lebenserwartung alter Menschen zeigt die Notwendigkeit einer nachhaltigen Gesundheitsversorgung.

Bleiben 90-Jährigen laut Prognose durchschnittlich noch 3,2 (3,9/Frauen) Lebensjahre, so sind es bei gesunden Neunzigern gar 5,8 bzw. 6,8 Jahre. „Weiterbildungsverbünde Allgemeinmedizin zur Verbesserung der hausärztlichen Versorgung“ sind für Meyjohann unter diesen Prämissen unumgänglich. Wichtiger Meilenstein dabei auch die 2012 gegründete „Allianz Demenz“ im Landkreis Lindau, zu der neben weiteren Teilnehmern stationäre Pflegeeinrichtungen, die Kliniken im Kreis sowie das Landratsamt zählen.

Grundsätzlich bedürfe es, so Bernd Meyjohann zusammenfassend, der Entwicklung neuer Allianzen und Netzwerke, die der demographischen Entwicklung Rechnung tragen würden. Erreichbare Kompetenzzentren sind dabei ebenso wichtig wie die allgemeine Bereitschaft, „für einander da zu sein“, um scheinbar Unerreichbares erreichbar zu machen.

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