Als montags der Lokalteil fehlte

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Siegfried Grosskopf
Siegfried Grosskopf (Foto: Sig)
Schwäbische Zeitung

Name: Siegfried Großkopf

Alter: alt

Aufgabe: Freier Mitarbeiter

Familienstand: Verheiratet, drei Kinder

Wohnhaft: Tettnang

Da staunte der Badener und erhielt einen ersten Eindruck von schwäbischer Sparsamkeit, als er einst zur „Schwäbischen Zeitung“ nach Friedrichshafen kam: Montags gab’s keinen Lokalteil! Nur zweimal im Jahr gab’s eine Ausnahme: am Seehasenmontag und am Montag nach dem Jahresempfang. Bei überregional interessanten Geschehen an sonstigen Wochenenden, über die am Montag doch etwas im Blatt stehen sollte, musste man in der damaligen Zentrale in Leutkirch nachfragen, um wenigstens eine Kurzfassung auf deren Seiten zu bringen.

Der Schmankerl gab es in der SZ viele in den 1980ern. Einem unlieben Landtagsabgeordneten etwa wurde der Zeitungsbezug gestoppt. Was Wellen geschlagen hat bis zum „Spiegel“ und dem Journalistenverband. Sparsam war man auch bei Fotos. Als der Präsident der Turnerschaft eines Tages in der Redaktion stand, um einen Bericht abzugeben und ich ihn nach einem Bild fragte, schaute der mich entgeistert an: „Und das würden Sie bringen?“ Wir haben’s gebracht, das Bild. Der Bann war gebrochen. Auch im Sport gab‘s plötzlich Fotos.

Unvergessen die Anfangsjahre im Volleyball, als die Fans fast auf der Außenlinie auf dem Boden der Bodenseesporthalle saßen. Die Feuerwehr sorgte für Ordnung, und wenn die Bälle in die Seitenablage der Halle flogen, stand da die Leiter, um sie wieder herunterzuholen. Ein Feuerwehrmann kletterte während eines Spiels hinauf und warf alle Bälle während des laufenden Ballwechsel auf die Spielfläche. Herrlich. Zwei Jahre wollte ich bleiben, der Badener in Schwaben, sogar Oberschwaben. Nach einem Betriebswirtschaftsstudium in München, der Zeitungszeit bei der Rhein-Neckar-Zeitung in Heidelberg und der Leitung zweier Redaktionen der Mannheimer-Morgen-Tochter, des Heidelberger Tagblatts. Dann sollte es wieder zurückgehen nach Baden. Doch daraus geworden sind fast 30 Jahre bei der SZ und über 40 bei den Schwaben. Es ist halt zu schön am See und den nahen Bergen.

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